Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. 2008 tummelten sich fast 43 Millionen Deutsche im World Wide Web. Jahresrückblicke haben derzeit im Internet Hochkonjunktur. News.de erklärt kurz und knapp in drei Sätzen alle Web-Highlights.
Januar – Mit viel Getöse ging der Google-Killer Wikia Search im Januar online. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales kündigte groß an, mit dem «Human Search Element» eine freie Suchmaschine zu schaffen, die auf Open-Source-Komponenten beruht und durch die Unterstützung von Freiwilligen getragen wird. Das Projekt scheiterte kläglich, als Nutzer beim Launch das fehlende Element bemerkten und die Anwendung geradezu in der Luft zerrissen.
Auch das Business-Netzwerk Xing startete mit einer Bruchlandung in das Jahr 2008. Xing vergrätzte einige seiner Premium-Kunden, da manche Werbebanner auf Profilseiten eine ärgerliche Konstellation ergaben. So warb beispielsweise die Commerzbank mit einem Banner auf der Profilseite eines Deutschen Bank-Mitarbeiters.
Februar – Im Februar zeigten pakistanische Behörden, wie man global YouTube ausschalten kann. Mittels einer Sperrverfügung legte der pakistanische Provider für zwei Stunden YouTube lahm. Der pakistanische Provider setzte die Sperrverfügung so gut um, dass der ganze Dienst global wegfiel.
Im Jahr der US-Wahlen war der «The Yes we can Song» ein verdammt guter Werbeclip für Barack Obama. In dem Songvideo singen Stars Ausschnitte einer Rede nach. Man stelle sich nur mal vor, Herbert Grönemeyer und Xaxier Naidoo würden eine Rede von Frank-Walter Steinmeier nachsingen.
März – Nach langem Warten ging in der Nacht vom 29. Februar zum 1. März die deutsche Version des Sozialen Netzwerkes Facebook online. In Deutschland wird Facebook jedoch bis heute noch recht wenig genutzt. Grund ist vor allem die starke Konkurrenz, vorwiegend durch StudiVz.
Am 6. März wurde Google in die Knie gezwungen – zumindest bei Nutzern, die Kunden der Deutschen Telekom sind. Google und AdSense-Anzeigen konnten nicht angezeigt werden, und Gmail sowie diverse andere Google-Anwendungen funktionierten auch nicht. Grund für den Totalausfalls war eine technische Störung im Telekom-Netz.
April – Für Kopfschütteln sorgte Bertelsmann. Der Konzern brachte eine gedruckte Ausgabe der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia auf den Markt. Mit dem Buch entstand in der Öffentlichkeit eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Kommerzialisierung von freien Datenbanken. Das gesamte abgedruckte Wissen entspricht außerdem nur etwa ein Prozent der Online-Version.
Am 30. April feierte das World Wide Web seinen 15. Geburtstag. Genau an diesem Tag im Jahr 1993 gab das Kernforschungszentrum Cern das Netz für alle frei. Entwickelt hat die Oberfläche der britische Informatiker Tim Berners-Lee.
Mai – Die deutschsprachige Wikipedia bekam ein neues Feature: Fortan können Artikel nach «Gesichtet» und «Geprüft» markiert werden. Die neue Funktion dient zur Qualitätskontrolle.
Der «Download-Day» brachte Mozilla in das Guinness Buch der Weltrekorde. Von der 175 Millionen Usern starken Firefox-Gemeinschaft folgten acht Millionen dem Aufruf von Mozilla, den Browser Firefox 3 innerhalb von 24 Stunden herunterzuladen. Was kaum einer wusste: Da es zuvor in dieser Rubrik noch keinen Weltrekord gegeben hatte, hätte wohl auch jede andere Anzahl gereicht.
Juni – Die ARD/ZDF-Onlinestudie beweist es: Das Internet verbreitet sich immer schneller. Im Jahr 2008 waren 42,7 Millionen Menschen online, das entspricht 65, 8 Prozent der deutschen Bevölkerung.
Juli – Der nächste Google-Killer kommt auf den Markt. Siegessicher ist Cuil angetreten, unter anderem deshalb, weil Ex-Mitarbeiter von Google die neue Suchmaschine entwickelten. Im Endeffekt erwies sich die Qualität als mangelhaft, und das Projekt scheitert grandios.
Auch auf das Microblogging-Tool Twitter wurde in diesem Jahr ein Killer angesetzt. Identi.ca wollte den Marktführer Twitter mit einer dezentralisierten Struktur vom Thron werfen. Im Gegensatz zu Twitter, wo alle Dienste zentral über einen Server laufen und häufig noch Down-Times auftreten, will Identi.ca mit dezentraler Struktur seine Dienste auf mehreren Servern verteilen.
August – Der Blogstatistikdienst Blogosccop ging Mitte August in die offene Beta-Phase. Der neue Dienst sammelt nicht nur Daten über Blogs, sondern lässt sich auch als Suche für themenspezifische Blogs einsetzen. Künftig könnten die gesammelten Daten auch ein umfassendes Bild über die deutsche Blogossphäre abgeben.
September – Auch Google hatte in diesem Jahr Grund zur Freude. Am 7. September feierte die Suchmaschine ihren zehnten Geburtstag. In zehn Jahren haben es die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page geschafft, ihre Garagenfirma in eines der einflussreichsten Unternehmen weltweit zu verwandeln.
Im selben Monat startete das Onlinemagazin Macnotes den SEO-Wettbewerb «Befreiphone». Ziel war es, am 17. September um 22 Uhr mit dem Begriff «Befreiphone» bei Google auf Platz eins zu landen. Der Sieger erhielt ein Befreiphone – eine Wortschöpfung, die für ein vertragsfreies iPhone steht.
Oktober – Eine neue Verordnung der Bundesregierung verpflichtet Webseiten-Betreiber, Kopien ihres Angebotes bei der Deutschen Nationalbibliothek abzuliefern. Die Deutsche Nationalbibliothek will somit das ganze Internet kopieren. Im Nachhinein wurden Ausnahmen genehmigt, jedoch bleibt abzuwarten, wie weit diese gehen.
November – Der Linken-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann erwirkte eine richterliche Sperrung des Online-Lexikons Wikipedia. Grund waren falsche Äußerungen über Heilmann in dem Online-Lexikon. Bereits zwei Tage später wurde die Sperrung wieder aufgehoben, da die zugangsfreie Wikipedia nicht für die Inhalte seiner Nutzer verantwortlich ist.
Zum Ende des Jahres hatte auch die britische Komikertruppe Monty Python die Nase voll, dass YouTube-Nutzer ständig Videos klauten. Im November eröffnete die Truppe bei YouTube einen eigenen Kanal. Vertreten sind Sketche, Filmausschnitte, kurze Interviews und neue Videos.
Dezember - In Großbritanien wollte tatsächlich ein Brite seine Seele bei dem Online-Auktionsportal Ebay versteigern lassen. Das Angebot wurde kurz vor Auktionsschluss gesperrt. Das Startangebot lag bei 28.000 Euro.