In der anonymen Welt des Internets laufen Kinder und Jugendliche schnell Gefahr, an die falschen Leute zu geraten. Wie Eltern verhindern können, dass es in der virtuellen Welt zu sexuellen Übergriffen kommt, erklärt Katja Knieriem von jugendschutz.net.
Auf Kinder und Jugendliche übt das Internet eine besondere Anziehungskraft aus. Besonders reizvoll sind Chatrooms, in denen sie sich kostenlos und anonym austauschen können. Allerdings kommt es in der virtuellen Sphäre immer wieder zu sexuellen Übergriffen. Welche Chancen, welche Risiken birgt das Internet? Und was sollten Eltern beachten? Katja Knieriem von jugendschutz.net in Mainz, der Zentralstelle für den Schutz von Minderjährigen in Telemedien, klärt auf.
Was ist eigentlich ein Chat?
Das englische Wort «to chat» bedeutet plaudern oder schwatzen. Im Internet ist es eine schriftliche Unterhaltung. Das kann in offenen Foren auf einer Website oder im Dialog mit ausgesuchten Partnern über sogenannte Instant-Messenger-Programme wie ICQ oder MSN geschehen. Bei der Messenger-Kommunikation bauen die Rechner der Teilnehmer eine direkte Verbindung auf.
Was ist daran so faszinierend?
Kinder und Jugendliche können ohne Hemmschwellen anonym Kontakte knüpfen oder sich über Schulnöte und Konflikte mit den Eltern austauschen. Es spielt keine Rolle, wie man aussieht und ob man im wahren Leben schüchtern ist. Der Reiz besteht darin, in andere Rollen zu schlüpfen und sich auszuprobieren. Dazu gehörten auch Flirtversuche, besonders am Anfang der Pubertät.
Welche Gefahren lauern im Netz?
Kindern und Jugendlichen muss klar sein, dass Dinge, die ein Chatpartner erzählt, nicht gleich für voll genommen werden dürfen. Gesundes Misstrauen ist immer angebracht, denn Pädophile nutzten die Anonymität, um sich, mitunter als Jugendliche getarnt, an Minderjährige heranzumachen. Kinder sollten vor allem persönliche Daten für sich behalten: keinen vollen Namen nennen, kein Alter, keine Telefonnummer.
Was sollten Kinder bei sexueller Anmache tun?
In diesem Fall muss der Dialog sofort abgebrochen werden. In manchen Chatrooms gibt es einen Notfall-Button, um einen Moderator herbeizurufen. Er kann das Gespräch oder Pornobilder speichern, um den Gesprächspartner zu sperren oder wegen sexueller Belästigung anzuzeigen.
Sollten Kinder und Jugendliche ihre Internet-Freunde treffen?
Experten raten grundsätzlich von Treffen ab, denn das ist mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Wenn die Neugier aber siegt, sollte das Kind auf jeden Fall einen Elternteil mitnehmen. Ansonsten sind Vorsichtsmaßnahmen wie im wirklichen Leben empfohlen, also nicht zu Fremden ins Auto steigen oder sich in einer Wohnung treffen.
Was können Chatanbieter tun?
Erfahrungen zufolge ist sexuelle Belästigung in großen Chaträumen, in denen die Betreiber nicht moderieren oder kontrollieren, an der Tagesordnung. Deshalb fordert jugendschutz.net mehr Moderatoren, die durchgängig anwesend sind, intensivere Kontrolle bei der Anmeldung - beispielsweise Einverständniserklärung der Eltern - oder technische Verbesserungen wie automatisch installierte Barrieren, die unerwünschte Fremde fernhalten.
Wie sollten sich Eltern verhalten?
Eltern sollten sich um den Medienkonsum der Kinder kümmern und dafür Spielregeln aufstellen. Kinder sind den Erwachsenen in der Mediennutzung zwar oft voraus. Die Eltern sollten sich aber von ihren Sprösslingen zeigen lassen, wo sie im Web unterwegs sind. Und die Erwachsenen sollten sich über kindgerechte Chatangebote informieren.
Infos zu Jugendschutz im Internet: www.jugendschutz.net
Tipps zum Chatten ohne Risiko: www.chatten-ohne-risiko.de
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