Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Mariella Ahrens hat viele Rollen: Sie ist Schauspielerin, Gräfin von Faber-Castell, Mutter von zwei Töchtern und Gründerin des Vereins Lebensherbst, der sich um bedürftige Senioren kümmert. Mit news.de sprach sie über Alter, Schönheit und Schauspielerei.
news.de: Frau Ahrens, lassen Sie uns über das Alter sprechen: Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor?
Ahrens: Ich würde mir wünschen, in einem Mehrfamilienhaus mit Freunden zu leben, so dass wir uns gegenseitig helfen und füreinander da sein können.
news.de: Das ist eine sehr schöne Vorstellung. Die Realität für ältere Menschen sieht aber meist anders aus.
Ahrens: Ja, das stimmt. Die Situation ist eher schlecht. Wäre sie gut, würde es meinen Verein Lebensherbst auch nicht geben. Es gibt zwar Heime für Gutsituierte, aber das ist die Ausnahme. Die Regel ist, dass die meisten Senioren in Heimen nur 90 Euro im Monat haben für Kleidung, Pflegeprodukte, Schuhe, Friseur und was sie sonst noch für den täglichen Bedarf brauchen. Da bleibt nicht viel übrig für Ausflüge, Konzerte oder Theaterbesuche. Wir von Lebensherbst versuchen, den Senioren solche Dinge zu ermöglichen und ein wenig Lebensfreude in ihren Lebensherbst zu bringen. Wir finanzieren Therapien, die die Kassen nicht unterstützen, ermöglichen Krankengymnastik oder den Besuch bei einem Logopäden nach einem Schlaganfall, schaffen Rollstühle und Möbel an oder organisieren Museumsbesuche und Dampferfahrten.
news.de: Sie haben den Verein im Jahr 2005 gegründet. Wie ist es dazu gekommen?
Ahrens: Ich habe in den Medien sehr viel über die katastrophalen Zustände in Alten- und Pflegeheimen erfahren. Auch darüber, wie es den Bewohnern dort geht. Außerdem habe ich viele Gespräche mit Betreuern und Betreuten geführt und selbst kurze Zeit in einem Heim gearbeitet. Ich war traurig und entsetzt, dass es viele alte Menschen gibt, die arm und einsam sind und niemanden haben, der sich um sie kümmert. Mir kam dann der Gedanke, dass ich unbedingt helfen wollte, am besten über einen gemeinnützigen Verein, weil man in einer Gemeinschaft mehr bewegen und besser Geld sammeln kann.
news.de: Woran liegt es, dass die Zustände in den Heimen so katastrophal sind?
Ahrens: Das hat in erster Linie finanzielle Gründe. Aber auch die Betreuung lässt zu wünschen übrig, weil es zu wenig Personal gibt. Meist sind die Mitarbeiter in den Heimen überfordert und haben zu wenig Zeit für die Bewohner. So kommt das Dilemma für die Senioren zustande; sie erhalten zu wenig Impulse, vor allem für Freizeitaktivitäten.
news.de: Wie bringen Sie sich selbst in die Arbeit von Lebensherbst ein?
Ahrens: Ich besuche regelmäßig Seniorenheime, lese vor, rede mit den Bewohnern, nehme teil an Kaffeekränzchen oder Weihnachts- und Sommerfesten.
news.de: Haben Sie Angst vor dem Alter, vor einem Leben in Armut, Einsamkeit oder als Pflegefall?
Ahrens: Natürlich habe ich Angst. Denn wenn man erlebt, wie ein Leben in Armut und Einsamkeit aussieht, kann es einem nur angst und bange werden. Allein ein Heim zu besuchen, ist frustrierend und schlimm. Die meisten haben Krankenhaus-Charakter. Also, ich möchte so nicht enden.
news.de: Und wie steht es mit der Angst vor Falten?
Ahrens: Wer hat schon gerne Falten? Aber im Ernst: Angst habe ich nicht davor. Die Sache ist doch viel mehr die, wie man damit umgeht - ob man trotz Falten eine positive Ausstrahlung hat. Ich finde, dass ältere Menschen schöne Charaktergesichter haben, an denen man ablesen kann, wie viel sie erlebt haben. Es wäre doch merkwürdig, wenn sie eine Haut glatt wie ein Babypopo hätten. Falten gehören zum Alter einfach dazu.
news.de: Sie würden also nicht nachbessern?
Ahrens: Naja, wer als Schauspielerin arbeitet und vor Millionen Zuschauern in Großaufnahme gezeigt wird, könnte schon auf den Gedanken kommen, nachzubessern. Aber auf der anderen Seite wäre das schade, denn das macht ja auch den Charakter aus. Aber am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, wie selbstbewusst er mit Alter und Falten umgeht.
news.de: Ist Schönheit in Ihrem Beruf förderlich oder ein Hindernis?
Ahrens: Ich würde sagen, eher hinderlich. Denn wenn man ein gewisses Aussehen hat, kommt man nicht so leicht an die Charakterrollen ran. Da herrscht hierzulande wirklich ein Schubladendenken: Wer nett und hübsch aussieht, bekommt die netten und hübschen Rollen. Dass man aber auch Charakter hat und Charakter spielen kann, wird nicht gesehen und ist nicht gewollt, weil es eben äußerlich nicht passt. Gerade diese Veräußerlichung finde ich schlimm. Es kann manchmal richtig nervig sein, wenn einer Hübschen weniger zugetraut wird.
news.de: Sie spielen meist die Schöne. Vor kurzem waren Sie die «Buhlschaft» im Berliner «Jedermann». Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer schauspielerischen Leistung?
Ahrens: Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, ich habe viel gelernt. Es ist ja schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal auf der Theaterbühne stand. Aber ich hatte wunderbare, erfahrene Theaterkollegen an meiner Seite, die mir geholfen haben. Ich habe auch gelernt, dass Lampenfieber nichts Dramatisches ist. Vor der Premiere war ich unglaublich aufgeregt und nervös, aber das Lampenfieber hat mir geholfen, die Spannung auf der Bühne zu halten. Und wie die Kritiken gezeigt haben, war alles gut; ich habe nichts falsch gemacht, und ich habe Lust, weiter Theater zu spielen.
news.de: Sie durften in dem Stück um den Schauspieler Winfried Glatzeder buhlen. Wie war das?
Ahrens: Es war einfach toll. Interessant war auch zu sehen, wie er arbeitet, wie er an die Rolle rangeht und wie er mit mir umgegangen ist. Ich fand ihn unheimlich kollegial, sehr nett und sehr sympathisch. Und wir konnten gut miteinander spielen, was sehr wichtig ist, wenn man ein Liebespaar spielt.
news.de: Haben Sie im wahren Leben schon einmal um einen Mann gebuhlt?
Ahrens: Hm (lacht). Ich überlege gerade... Nein, gebuhlt nicht, aber ich habe sicherlich schon mal etwas dafür getan, dass man mich wahrnimmt. Aber das ist lange her, da war ich noch Teenager.
news.de: War die «Buhlschaft» für Sie eine Traumrolle? Und gibt es weitere Rollen, die Sie gerne spielen würden?
Ahrens: Als eine Traumrolle würde ich die Buhlschaft nicht bezeichnen. Dazu ist sie zu kurz, sie kommt ja nur in der Mitte des Stückes vor. Traumrollen ziehen sich dagegen durch ein ganzes Stück, so dass man viele Facetten einer Rolle zeigen kann. Die Buhlschaft ist zwar eine schöne und herausfordernde Rolle, die ich schon immer mal spielen wollte. Aber mehr reizen würde mich zum Beispiel der Mephisto aus Goethes Faust. Bloß wurde der meines Wissens noch nie von einer Frau gespielt (lacht).
news.de: Welches ist Ihr nächstes Schauspielprojekt?
Ahrens: Im Fernsehen wird man mich im Februar im ZDF in einer Episoden-Hauptrolle des Bergdoktors sehen. Und im Mai in einem Spielfilm namens Ein Fall von Liebe in der ARD. Dort spiele ich an der Seite von Francis Fulton-Smith eine Journalistin, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Und dann freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Dieter Wedel, auch wenn es nur eine kleine Rolle ist. Es geht um einen Hochstapler, und ich spiele eine Kriminalbeamtin.
news.de: Sie sind seit eineinhalb Jahren mit Patrick Graf von Faber-Castell verheiratet. Wie ist das Leben als Gräfin?
Ahrens: Ich hatte andere Vorstellungen, aber Gott sei Dank lebe ich genau so wie vorher. Ich wohne weder in einem Schloss noch trage ich ein Krönchen. Mein Mann ist mir zuliebe in meine Heimatstadt Berlin gezogen; dort leben wir mit unseren beiden Kindern ganz normal in einem Haus im Grunewald. Das einzige, das sich geändert hat, ist der Name, und der ist wunderschön. Aber als Schauspielerin bleibe ich bei Ahrens.
news.de: Sie haben zwei Töchter: Lucia (1) und Isabella (9). Ist ein drittes Kind geplant?
Ahrens: Darüber denken wir nach, geplant ist es aber noch nicht.
news.de: Sie werden im nächsten Jahr 40, ein Alter, dem viele Frauen mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie Angst vor dieser Zahl?
Ahrens: Angst nicht. Ich bin aber auch nicht himmelhochjauchzend. Vielmehr denke ich: Oh Gott, jetzt hast du die Hälfte deines Lebens hinter dir. Wie schnell die Zeit doch vergangenen ist, sie rast von Jahr zu Jahr schneller. Aber das Allerschlimmste ist doch, dass die Leute an eine 40-Jährige einen gewissen Anspruch stellen, was das Erwachsensein betrifft. Diesem Anspruch kann ich nicht gerecht werden, denn ich fühle mich einfach noch nicht so erwachsen, wie man es von einer 40-jährigen Frau annehmen müsste.
Der Verein Lebensherbst unterstützt derzeit zwölf Heime in Berlin und Lübeck. Weitere Informationen: www.lebensherbst.de.
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mikro-bauty, im dienste der schönheit... quelle: http://bioemsan.blogspot.com/
jetzt antwortenKommentar meldenKeiner weiß , wie man einmal im Alter ist. Ich hatte es mir auch etwas anderst vorgestellt , aber ich bin in einem Verein , da war ich mit bei der Gründung dabei . Junge Menschen werden sich auch um uns kümmern ,wen man Hilfe braucht . Verein ist in der " Frohen Zukunft " Halle / Saale .Manche trifft es sehr hart schon in jungen Jahren , da sage ich mir immer , Mensch hattest bis jetzt doch noch Glück . Das Alter muß man respektieren , aber modisch gekleidet gehe ich immer noch.Schönheitsoperationen lehne ich ab,natürliches Aussehen ist besser.Falten gehören dazu.Bärbel Elstermann
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