Von news.de-Redakteur Jan Berger
Wir Menschen gehen mit der Umwelt schon heute nicht gerade zimperlich um. Kein Wunder, dass das Genre Öko-Thriller boomt. Aus Frankreich kommt ein Roman, der das Jahr 2030 beschreibt – eine vielschichtige ökologische und gesellschaftliche Utopie.
Die Welt 2030 ist kein gemütlicher Ort. Raubbau an der Natur, Umweltverschmutzung, Kriege. In Afrika herrscht Dürre, Wasser ist kaum noch vorhanden. Amerika kämpft mit Wetterextremen: Blizzards, Wirbelstürme und Wüstenbildung. Auch Europa ist beherrscht von Extremen: Dauerregen, Kälte, Nebel.
In dieser Welt spielt Aqua TM – und es geht natürlich ums Wasser. Burkina Faso, mitten in Afrika, trocknet im wahrsten Sinne des Wortes aus. Und auch die Menschen vertrocknen. Durch Zufall erfährt die Regierung des armen Landes, dass sich auf ihrem Staatsgebiet, in 250 Meter Tiefe ein riesiges Wasserreservoir befindet. Eine Hilfsorganisation schickt zwei Helfer mit Bohrmaterial auf die gefährliche Reise von Europa nach Afrika. Und ein amerikanischer Wirtschaftsboss will das Vorkommen für seinen Gewinn ausbeuten.
Faszinierend an dem Buch des Franzosen Jean-Marc Ligny ist weniger diese Handlung. Sie ist zwar spannend, aber weder besonders orginell noch überraschend. Interessant ist, in welchen Kontext sie eingebettet ist. Ligny entwickelt Probleme, über die heute schon diskutiert wird, konsequent weiter und setzt seine Handlung nicht nur in eine Zukunft unter erschwerten Umweltbedingungen. Auch die Gesellschaft hat sich zum Schlechten gewandelt. Ligny beschreibt mit scharfem Blick, wie sich aktuelle Konflikte weiterentwickeln. Und er lässt seine Helden durch diese vielschichte und verworrene Welt reisen.
Dass das Internet auch in Lignys Vision weltumspannend ist und von einer eigenen Behörde kontrolliert wird, gehört zum Repertoire einer solchen Geschichte. In seinem Jahr 2030 hat sich jedoch noch viel mehr geändert: Amerika hat seinen militärischen und wirtschaftlichen Großmachtstatus nach einem Krieg gegen Mexiko verloren. Europa ist ein Staat – gesellschaftlich einigermaßen stabil, aber trotzdem unterwandert von nationalsozialistischen Gruppen. Es gibt feste und überfüllte Lager für «Ökoflüchtlinge» - Menschen die ihre Heimat nach einer Umweltkatastrophe verloren haben.
Wichtiges Gegengewicht zu den Regierungen ist eine große Sekte, die versucht, das Ende der Welt zu beschleunigen. China, die bedeutendste Großmacht, kommt hier nur unterschwellig als «Sponsor» von Hilfsorganisationen und afrikanischen Ländern vor. Und überall trifft man auf marodierende Banden von Rebellen oder Aussetzigen.
Es ist diese Zukunftsvision, die Aqua TM lesenswert macht. Eine europäische Sicht, die sich abhebt von den Visionen, die häufig aus Amerika nach Deutschland schwappen. Ein wenig platt in der Handlung, aber genau das Richtige, wenn in der sommerlichen Hitze die Debatte über den Klimawandel wieder aufflammt.
Titel: Aqua TM
Autor: Jean-Marc Ligny
Verlag: Lübbe
Umfang: 813 Seiten
Preis: 24,95 Euro
Erscheinungsmonat: Mai 2009
ich werde die Geschichte sicher nicht lesen. In einer schwierigen Zeit möchte ich nicht auch noch in meiner Freizeit Horrorszenarien lesen. Die Nachrichten übertreffen sich mit übertriebenen Schreckensmeldungen. Da wurde bei der Vogelgrippe schon auf ein Millionen Tote hochgerechnet.Zur neuen Grippe: "Im Fall einer Pandemie wäre die gesamte Menschheit bedroht" (Chan). Jederzeit könne "der grösste aller Ausbrüche, mit dem es die Welt im 21.(!) Jahrhundert zu tun hatte" sich ereignen (Chan)etc.
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