Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Für einen Stubbe-Krimi beginnt «Auf dünnem Eis» geradezu rasant. Ein Mann mit einer venezianischen Maske überfällt eine Bank, sackt 80.000 Euro ein und schießt eine Bankangestellte nieder. Der Rest ist so wie immer: geruhsam, aber keineswegs langweilig.
Seit 13 Jahren tut Stubbe (Wolfgang Stumph) Dienst, trabt jeden Morgen brav aufs Revier und löst nebenbei den einen oder anderen Fall. Stubbe ist wie eine Figur aus Sten Nadolnys Roman Die Entdeckung der Langsamkeit: Ruhig, besonnen, ein Charakter frei von Aufgeregtheit. Für seine sächsisch-kontemplative Art wird der Dresdner in Hamburg vom Großteil der Fernsehzuschauer geliebt - im Schnitt sehen sieben Millionen Menschen zu.
Natürlich kann man dem Ermittler eine gewisse Schnarchnasigkeit vorwerfen: Das reetgedeckte Fachwerkhaus direkt am Deich, die tattrige Tante Charlotte (Margret Homeyer) und Tochter Chrissy (Stephanie Stumph) - im Stubbe-Kosmos geht es behaglich zu. Einer wie Stubbe braucht das, diese Rückzugsmöglichkeit in den Schoß der Familie. Die Zeiten werden schließlich härter.
Im aktuellen Fall Auf dünnem Eis erfährt der Zuschauer einiges darüber, wie Familie funktioniert. Während Stubbe seine Tochter Chrissy besänftigen muss, die gerade für ihr Examen lernt, hat es den Kollegen Gerber (Justus von Dohnányi) übel erwischt. Als Leiter einer SEK-Einheit erschoss er einst einen 15-jährigen Jungen. Die Folgen: Seine Familie brach auseinander, Ehefrau Sabine (Sandra Borgmann) verließ ihn. In einer Szene schiebt Gerber ihr einen 200-Euro-Schein über den Tisch. Für die Klassenfahrt der gemeinsamen Tochter. Das Merkwürdige dabei: Das Geld stammt aus einem Banküberfall, bei dem eine ältere Dame erschossen und eine Bankangestellte schwer verletzt wurde.
Stubbe rätselt. Gerber hatte Schulden - 280.000 Euro. Geld, das er mit seinem Polizistengehalt nie zurückzahlen kann. Und noch etwas spricht gegen Gerber: In seinem Zweitjob als Wachmann beriet er die Bank bei Sicherheitsfragen, kannte sich also bestens aus.
Es dauert eine ganze Weile, bis der von Jörg Grünler inszenierte Krimi Fahrt aufnimmt. Gerade in der ersten halben Stunde quält sich der Film über die Zeit. Das Dienstjubiläum von Stubbe-Kollege Zimmermann (Lutz Mackensy) wird mit Wurstbrotstullen gefeiert, es kracht zwischen Stubbe und Gerber - und dann gibt es auch noch einen nervigen Nebenstrang um Tante Charlotte, die sich um neue Haushaltshilfe bemüht.
Kurz bevor der Zuschauer wegdöst, wird es aber doch noch interessant. Der Kreis der Tatverdächtigen weitet sich aus. Stubbe legt die Mettwurststulle zur Seite und macht sich an die Arbeit. Im Finale wächst dann ausgerechnet der bedächtige Zinmmermann über sich hinaus. Gut Ding will eben Weile haben. Für einen Stubbe gilt das ganz besonders.
Stubbe - Von Fall zu Fall: Auf dünnem Eis, Samstag, 20.15 Uhr, ZDF