Online-Kauf in Großbritannien Die Insel der Glückseligen

Großbritannien war bislang alles andere als ein Mekka für Schnäppchenjäger. Doch seit das britische Pfund schwächelt, suchen einige Online-Käufer den virtuellen Markt auf der Insel ab. Größtes Problem: Kaum einer der Anbieter versendet nach Deutschland.

Comupterfrust (Foto)
Frust bei der Schnäppchenjagd: Großbritannien bietet tolle Preise, aber leider meist nur für Briten. Bild: news.de

1,0690 Euro für ein britisches Pfund – so günstig war der Kurs noch nie. Zum Vergleich: Kosten jetzt 100 Pfund gerade mal noch etwas mehr als 106 Euro, musste man vor acht Jahren noch umgerechnet 168 Euro dafür bezahlen. Was die Briten fast schon in eine Vertrauenskrise stürzt, ist für deutsche Einkäufer ein Glücksfall.

Auf den ersten Blick winken großartige Schnäppchen im Internet, teilweise sind die Preise wirklich traumhaft. Apples beliebter MP3-Player iPod Nano kostet in der 8-Gigabyte-Speicherversion auf der britischen Amazon-Seite umgerechnet nur 109 Euro. Das ist für deutsche Schnäppchenjäger undenkbar: Selbst das derzeit günstigste Online-Angebot liegt mit 128 Euro inklusive Versand noch deutlich drüber. Einziges Problem: Amazon verkauft den MP3-Player nicht nach Deutschland.

Und so ist es leider mit den meisten Angeboten: Fast alle Elektronikartikel, aber auch Uhren, Schmuck oder Schuhe liefert Amazon UK nur innerhalb Großbritannien aus. «Bei elektronischen Produkten gibt es in der Regel zwei Probleme», erklärt Damien Peachey, Sprecher des britischen Versandhändlers. «Meist erlauben uns die Verträge mit den Herstellern nur, die Geräte in Großbritannien zu verkaufen. Darüber hinaus gibt es häufig Probleme mit unterschiedlichen nationalen Regelungen beim Recycling.»

Wenigstens ein tolles Angebot kann aus Deutschland geordert werden: Die Spiele-Konsole Playstation 3 von Sony kostet samt drei Spielen, HDMI-Kabel und Versand umgerechnet 335 Euro inklusive Versand. Zum Vergleich: Amazon Deutschland verlangt 399,90 Euro für die Playstation 3 mit einem Spiel – allerdings nur mit einem Spiel und ohne HDMI-Kabel. Da fällt auch der Neukauf eines Warmgerätekabels nicht ins Gewicht, um die Playstation mit Strom zu versorgen. Oder man nutzt einen Reiseadapter.

So nah und doch so fern: von dem breiten Amazon-Angebot aus England ist also nur ein geringer Teil hierzulande zu haben. Neben Computerspielen handelt es sich dabei um Software, DVDs, CDs und Bücher. Und damit ist Amazon schon relativ offen – kaum ein britischer Online-Händlern scheint Geschäfte mit europäischen Kunden tätigen zu wollen. Und so sorgen Online-Preisvergleiche mit Pricerunner oder anderen Suchmaschinen eher für Frust als Freude.

Lesen Sie auf Seite 2, warum sich britische Händler dem deutschen Markt verweigern

Am Zoll liegt das nicht: Da Großbritannien Mitglied der EU ist, fallen keine Zölle an. Auch die Mehrwertsteuer wird nicht aufgerechnet, man bezahlt seine Abgaben einfach in England. Doch warum tun sich die britischen Händler so schwer? «Ich vermute, dass die Unternehmen einfach noch nicht darauf reagiert haben. Jedenfalls waren die Preise für Festlandeuropäer jahrelang zu hoch, der Markt ist ja erst mit dem rasanten Verfall des Pfunds entstanden», spekuliert die Sprecherin der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, Jana Lindner. Also haben die Briten den Markt einfach verschlafen?

Präzise wollte auf diese Anfrage keines der großen Unternehmen eingehen. Die Dixons Store Group, einer der größten Technik-Händler Europas, will sich mit ihren britischen Marken lieber auf das Kerngeschäft in Großbritannien konzentrieren. So sei dixons.co.uk in Sachen Distributionsnetzwerk, Kundenservice und Produktpalette auf den Markt Großbritannien zugeschnitten.

Europäische Kunden verwies der Elektronikkonzern auf seine internationalen Online-Shops. Dazu gehört auch Pixmania, eine Online-Marke, die Ableger in verschiedenen Ländern hat, auch in Deutschland. Das Problem: Während britische Käufer bei den Dixons-Töchtern Currys oder Pixmania tolle Technikschnäppchen erwerben können, müssen sich deutsche Pixmania-Kunden mit deutlich höheren Preise zufrieden geben.

Beispiel iPod Nano mit 8 Gigabyte Speicherplatz in gelb: Britische Schnäppchenjäger zahlen dafür bei Pixmania umgerechnet 102 Euro, bei Dixons 107 und bei Currys immer noch 114,20 Euro. Im deutschen Pixmania-Shop wird das gleiche Modell aber erst für 130 Euro angeboten.

Die großen Konzerne geben also den günstigen Wechselkurs nicht an die Nutzer weiter. Das birgt jedoch vor allem für kleinere Läden die Chance, mit günstigen Preisen deutsche Kunden zu werben. Und wer weiß, vielleicht fällt dem einen oder anderen ja irgendwann auf, wie attraktiv seine Preise mittlerweile auch für das Festland sind.

Bis es soweit ist, müssen sich deutsche Schnäppchenjäger auf die deutschen Portale beschränken. Doch auch hier sind bereits deutliche Sparpotenziale zu heben. Was man beim Online-Einkauf beachten sollte und wie man an den besten Preis kommt, verrät der news.de-Einkaufsratgeber.

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