Von wegen Bussi-Bussi und Tralala. Die Uraufführung der «Buddenbrooks» im Essener Kino Lichtburg war mehr als eine Kinopremiere. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise betonten die Macher die zeitüberdauernde Strahlkraft von Thomas Manns Mammutwerk.
Hunderte Schaulustige warteten vor der Lichtburg, Deutschlands größtem Kinopalast, auf das Defilee der Stars. Und fast alle Buddenbrooks-Schauspieler waren gekommen. Armin Mueller-Stahl, der in der Verfilmung des wohl bekanntesten Romans von Thomas Mann den greisen Familienpatriarchen Konsul Jean Buddenbrook spielt, die «Konsulin» Iris Berben, Mark Waschke (Thomas Buddenbrook) und Jessica Schwarz, im Film als lebenslustige Tony Buddenbrook zu bewundern. Nur August Diehl, dem die Rolle des missratenen Lebemanns Christian zufiel, fehlte wegen einer Erkrankung.
Neben dem Filmteam um Regisseur Heinrich Breloer gab sich auch reichlich Politprominenz die Ehre. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wollte sich das Kinoereignis ebenso wenig entgehen lassen wie die Ex-Bundesminister Hans-Dietrich Genscher und Norbert Blüm. Bundespräsident Horst Köhler verriet, dass er gerne ins Kino gehe und raunte Bedeutungsschwangeres in die Mikrofone: «Für uns Deutsche ist dieses Buch immer noch wie ein Spiegel unseres Wesens und unserer Kultur - wenn auch aus einer vergangenen Zeit.»
Eine Lübecker Kaufmannsfamilie aus dem 19. Jahrhundert als Spiegel der deutschen Seele - Köhlers Worte blieben nicht unwidersprochen. Heinrich Breloer, nach seiner Filmbiografie Die Manns, so etwas wie ein Experte für die verzwickten Familienangelegenheiten der Dichter-Sippe, betonte anders als Köhler die Aktualität von Thomas Manns Roman.
Die Geschichte um den Niedergang der Familie Buddenbrook sei hochaktuell, Parallelen zur gegenwärtigen wirtschaflichen Lage nicht zu übersehen. «Die Menschen standen auch vor der Frage, wie sie überleben können - und dabei anständig bleiben.» Armin Mueller-Stahl, seit seiner Rolle als Thomas Mann in Breloers Dichterchronik dem Regisseur eng verbunden, ging noch weiter: «Ziehen Sie die Kostüme aus, tauschen Sie die Kutschen gegen Autos: Dann könnte das alles auch heute geschehen», sagte der Konsul-Darsteller.
Nach einem Stummfilm 1932, einem Kinofilm 1959 und einer elfteiligen Fernsehserie 1979 bringt nun Breloer eine neue Verfilmung des Werkes in die Kinos. Er erzähle die Geschichte mit einer Schauspielergeneration unserer Tage, hatte Breloer angekündigt: «Ich wollte, dass meine Schauspieler wie Menschen aus unseren Tagen wirken.»
Breloer gilt als Meister der Doku-Dramen, in denen er historische Ereignisse aufgreift, zum Beispiel den Terror-Herbst von 1977 (Todesspiel), die Karriere von Hitlers Rüstungsminister Albert Speer (Speer und Er) oder auch das Leben von Thomas Mann und seiner Familie (Die Manns). Dabei verschränkt der vielfach preisgekrönte Autor und Regisseur Originalaufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und nachgespielte Szenen.
Mit den Buddenbrooks seiner ersten Literaturverfilmung, begibt sich der 66-Jährige auf ein neues Terrain. «Ich hatte nie den geringsten Zweifel daran, dass Heinrich Breloer einen solchen großen Kinofilm machen kann», meinte WDR-Intendantin Monika Piel nach der Aufführung. Wann der Film als Zweiteiler in der ARD gezeigt wird, steht noch nicht fest.
Breloer arbeitete an den Buddenbrooks wieder mit einem Team, auf das er sich schon mehrfach verlassen hatte: Kameramann war Gernot Roll, der auch schon vor fast 30 Jahren an der Fernsehfassung von Franz Peter Wirth mitgewirkt hatte. Für die Kostüme war Barbara Baum zuständig, für die Szenenbilder Götz Weidner. Und das Drehbuch schrieb Breloer auch diesmal mit Horst Königstein.
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