Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Michael Mittermeier geht aktuell mit seinem Programm auf «Safari». Aus den kurzen Hosen schauen dabei stramme Waden hervor. Wieviel Sportler steckt in dem 42-jährigen Comedian? News.de traf den Star kurz vor seiner Show hinter der Bühne.
news.de: Sie haben für sich den Begriff Rampensau geprägt. Was ist eine Rampensau?
Mittermeier: Rampensau soll nicht heißen, dass ich mich unbedingt ins Scheinwerferlicht drängen muss. Aber wenn ich dann auf der Bühne stehe, gibt es nichts und niemanden, der mir etwas anhaben kann. Dieses Gefühl brauchst du als Comedian. Wenn du in New York nachts um vier vor besoffenen Marines Witze über George Bush machst, musst du schon eine Rampensau sein.
news.de: Haben Sie eigentlich Lampenfieber?
Mittermeier: Nein, wenn ich auf die Bühne gehe, ist es als betrete ich einen anderen Kosmos. Da denke ich an nichts mehr – das ist die totale Entspannung. Physisch gesehen ist es jedoch das Gegenteil, nach zwei Stunden bin ich total fertig.
news.de: Sie sind ja auch zwei Stunden lang in Bewegung und müssen das auch noch mit ausdrucksstarkem Sprechen verbinden. Dabei merkt jeder Jogger, dass das nicht einfach ist. Wie hält sich eine Rampensau fit?
Mittermeier: Das stimmt, ich spiele sehr körperlich. Leider komme ich nicht mehr dazu, regelmäßig Sport zu machen, seit ich ein Kind habe. Ich würde sehr gerne mehr Schwimmen und Walken. Früher war ich ein guter Schwimmer. In der Schule bin ich über 400 m Kraul immer an den Leistungskurslern vorbei gezogen. Heute mache ich nur noch Übungen für meinen Rücken, das war´s. Ansonsten ist die Bühne mein Training. Ich mache das seit 21 Jahren, jeder Auftritt ist Übung.
news.de: Ist Ihnen auf der Bühne schon einmal die Puste ausgegangen?
Mittermeier: Das noch nicht, aber es gibt schon solche Momente, in denen ich vor dem Kollaps stehe. Bei einem Auftritt im Oktober war ich krank und hatte sehr zu kämpfen. Zehn Minuten vor Schluss ging eigentlich nichts mehr. Ich war komplett unter Null. Nur das Adrenalin hält dich dann noch oben. Das Faszinierende ist, keiner im Saal merkt es. Hinter dem Vorhang kannst du dann umfallen, aber auf der Bühne musst du dein Ding machen. Eine Zwischenlösung gibt es nicht.
news.de: Fußballer nutzen nach der Partie ein Entmüdungsbecken Pool mit wohltemperiertem, sprudelndem Wasser; soll die Regeneration fördern – und die spielen höchsten drei Mal die Woche, Sie manchmal an mehreren Abenden hintereinander. Schon mal an so was gedacht?
Mittermeier (lacht): Das wäre mal eine gute Idee. Stellt mir eins hin und ich gehe rein. Es ist so, dass der Veranstalter für die Ausstattung des Backstage-Bereiches sorgt. Meist ist es eine Sportlerumkleide, manchmal gibt es aber auch keine Duschen. Ich bin genügsam. Ein Stuhl und Getränke reichen mir. Ansonsten sitzt du nach dem Auftritt meist mit den Technikjungs rum, um runter zu kommen.
news.de: Und wie erholen Sie sich?
Mittermeier: Das weiß ich selbst nicht. Ich bin oft auch nicht erholt, wenn ich auf der Bühne stehe. Das pumpt schon aus. Nach zweieinhalb Monaten Tour durch die Städte, brauchst du einfach eine Pause. Doch selbst wenn ich dann mal eine Woche zu Hause bin, schreibe ich weiter an neuen Stücken oder stelle wie zuletzt Material für eine DVD zusammen. Ich liebe eben was ich tue.
news.de: Und wenn Sie mal wirklich Zeit haben ...
Mittermeier: ... schaue ich als alter Bayern-Fan Fußball. Gott sei Dank bin ich kein 60er geworden. Als Kind habe ich Stars wie Franz Beckenbauer spielen sehen, da war klar, dass ich ein Roter werde. Es ist wirklich toll: Wenn du Zeit hast Fußball zu schauen, dann hast du wirklich Zeit. Es existiert in diesem Moment nichts anderes. Sonst denkst du als Comedian immer: «Könnte ich dies oder das für eine Nummer verwenden?»
news.de: Okay, und wenn Sie wirklich für längere Zeit abschalten wollen – wo würden Sie hingehen?
Mittermeier: In die USA, New York. Dort war ich bereits 2003 für ein halbes Jahr, habe dort eine Kreativpause gemacht. Ich mag die Stadt. New York ist wie ein Speedkloster – es gibt Input an jeder Ecke. Aber das lasse ich auf mich zukommen. Nächstes Jahr schreibe ich erst wieder einmal ein Buch. Einen Arbeitstitel gibt es schon, aber der wird nicht verraten.