Pünktlich zu seinem 105. Geburtstag sorgt Johannes Heesters wegen vermeintlich positiver Hitler-Äußerungen für Schlagzeilen. Die Vergangenheit lässt den Hochbetagten einfach nicht los. Dabei kann man Heesters höchstens eines vorwerfen: politische Naivität.
Kurz vor seinem Geburtstag sorgte das Thema Nationalsozialismus noch einmal für Wirbel, als Heesters in einem Interview mit einem holländischen Fernsehsender für eine Satire-Show nach seinen Erinnerungen an Hitler befragt wurde. Der gebürtige Niederländer, am 5. Dezember 1903 in Amersfoort geboren, hatte Hitler auf mehrmaliges Nachfragen des Interviewers als «guten Kerl» bezeichnet, eine Aussage, die so nicht gemeint war und die Heesters sofort richtigstellte.
Simone Rethel-Heesters ist der Überzeugung, dass ihr schwerhöriger und fast blinder Mann von dem Comedy-Sender «hereingelegt» worden ist, die Antwort sei ihm quasi «in den Mund gelegt» worden. Heesters, der 1936 von Wien nach Nazi-Deutschland zog und in Berlin als Schauspieler und Operettenstar rasch Karriere machte, sei schon immer ein erklärter Gegner der Nazi-Barbarei gewesen, ließ Rethel-Heesters in einer Presseerklärung verlauten.
So viel Ehre ist fragwürdig. Ohne Zweifel profitierte Heesters vom Amüsierbetrieb der Nazis, war der klassische Mitläufer in einem verbrecherischen System. Der stets gut gelaunte Niederländer trat an fast allen großen Berliner Häusern auf und genügte mit seiner charmanten, unpolitischen Art den Anforderungen der Goebbelschen Unterhaltungsindustrie. Für seine Naivität musste Hessters nach dem Krieg in der alten Heimat büßen. In den Niederlanden trat der Grandseigneur der leichten Muse erst 2008 wieder öffentlich auf.
In seiner zweiten Heimat Deutschland bekam Hessters dagegen schnell wieder beide Beine auf den Boden, avancierte zum gefeierten Liebling der Massen. Selbst an seinem 105. Geburtstag wird Jopie in Hamburg auf der Bühne stehen, als Kaiser Franz Joseph im Singspiel Im weißen Rössl. Nach der Aufführung am Abend war für den Jubilar eine kleine Feier im Theatersaal geplant. Dann sollte der älteste aktive Schauspieler der Welt auch seinen Sonderbambi überreicht bekommen, den er bei der großen Gala in Offenburg in der vergangenen Woche nicht entgegen nehmen konnte.
Das Geraune der Leute um das hohe Alter ihres Mannes und seine vermeintlich mühevollen Bühnenauftritte kontert Simone Rethel- Heesters (59): «Mein Mann kann nicht mehr gut sehen, aber ich wünsche jedem, dass er so altern kann wie Jopie.» Mit seiner angebliche Gebrechlichkeit kann der älteste aktive Schauspieler der Welt selbst lustvoll kokettieren. «Sagen Sie, wie lange muss ich noch stehen? Man ist ja schließlich keine 100 mehr!», scherzt Heesters als Kaiser Franz Joseph. Der Mann hat Humor. Und damit kann man auch 110 werden - oder gar 120. Es wäre ihm zu wünschen. In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag, Johannes Heesters!
tko
Er war wirklich der Mann zu Hitlerszeiten , der da Karriere machte. Mußte er ja , denn er wollte leben und Geld verdienen .Was jetzt ist , dies mag ich nicht . Er gehört nicht mehr auf die Bühne .Elstermann
jetzt antwortenKommentar melden