«Auf der Suche nach Amerika» Viele Spuren, wenig Antworten

Auf der Suche nach Amerika (Foto)
Das Cover des Buches. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Auf den Spuren von John Steinbeck ist Bettina Gaus durch die USA gefahren. Sie war «Auf der Suche nach Amerika». Gefunden hat sie malerische Landschaften, verlassene Kleinstädte und verunsicherte Menschen. Aber keinen einzigen Fan von George W. Bush.

Das Buch der Journalistin, die für die taz arbeitet, ist eine gute Erklärung für den deutlichen Wahlerfolg von Barack Obama. Zwar war der im Jahr 2007, als Gaus in drei Monaten durch 34 Bundesstaaten fuhr, noch in erster Linie der Senator von Illinois. Nur wenige ahnten damals bereits dessen Triumph bei der Präsidentschaftswahl voraus. Doch die Autorin trifft immer wieder Menschen, die sich nach einem Politiker mit Visionen sehnen, nach Reformen - und nicht zuletzt nach einem besseren Image ihres eigenen Landes in der Welt.

Das ist eine der erstaunlichsten Erkenntnisse nach der Lektüre: Die US-Amerikaner, selbst die angeblich ignoranten und ungebildeten kleinen Leute auf dem platten Land, wissen genau, wie schnell und nachhaltig die Bush-Regierung das Ansehen ihres Landes ruiniert hat.

Gaus reist auf den Spuren des Schriftstellers John Steinbeck, der knapp 50 Jahre zuvor eine ganz ähnliche Reise unternommen hatte, um zum Herz und Hirn seines eigenen Landes vorzudringen. Deshalb sucht die Journalistin nicht nach Studien und Experten zur Stimmung in den USA, sondern wählt den Weg an die Basis. Sie setzt auf oft zufällige Kontakte zu Truckern, Verkäuferinnen, Farm-Besitzern und Trailer-Park-Bewohnern. Die von ihr gesammelten Geschichten gewinnen so eine große Authentizität.

Umgekehrt wird der Vorsatz, die eingetretenen Pfade zu vermeiden, aber auch zum Nachteil von Auf der Suche nach Amerika: Die gewonnenen Einblicke sind nicht exemplarisch genug. Eine Aneinanderreihung interessanter Einzelschicksale ergibt eben noch kein aussagekräftiges oder gar repräsentatives Bild der Lage des Landes. Vieles wirkt zufällig oder gar willkürlich und verliert dadurch an Bedeutung.

Die Antworten, die Gaus findet, sind deshalb Allgemeinplätze: Die USA sind größer als man denkt, anders als man denkt und weniger von sich selbst überzeugt als man denkt. Für drei Monate Recherche ist das ein wenig erquickliches Resultat. «Je länger ich unterwegs war, desto größer wurden die Fragezeichen», schreibt Gaus an einer Stelle. Als politische Analyse taugt das Buch deshalb nicht, weil die Relevanz der Aussagen und Meinungen schlicht fragwürdig ist. Als Reisebericht funktioniert Auf der Suche nach Amerika ebenfalls nicht, weil der Fokus zu stark auf der politischen Situation liegt.

Faszinierender als die Einblicke in das Land sind deshalb die Passagen, in denen die Autorin von sich selbst erzählt: Wenn Gaus reflektiert, über die Veränderungen seit Steinbecks Zeiten und über ihre eigenen Vorurteile dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gegenüber, dann ist das Buch am stärksten.

Autor: Bettina Gaus
Titel: Auf der Suche nach Amerika. Begegnungen mit einem fremden Land
Verlag: Eichborn
Seitenzahl: 237
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsmonat: August 2008

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