«Die Branche leidet»
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 24.11.2008Auch der Zeitschriftenmarkt bekommt die wirtschaftliche Krise zu spüren. Das sagt der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Wolfgang Fürstner. Über das Ende der «großen Zeiten», das Internet und die Konkurrenz der Tageszeitungen spricht er im Interview mit news.de.
news.de: Das Magazin Park Avenue wird eingestellt, Financial Times Deutschland, Börse Online, Capital und Impulse werden ab dem 1. März 2009 von einer Gemeinschaftsredaktion in Hamburg produziert. Das klingt nach einer Krise in der Branche. Wie steht es um die Zeitschriften in Deutschland?
Wolfgang Fürstner: Zunächst muss man, wenn man über unsere Branche spricht, auch über die Finanz- und Automobilkrise sprechen. In deren Folge sind andere Branchen natürlich auch von der weltweit schwierigen Wirtschaftslage betroffen. Auch die Medien und ein Teil der Zeitschriften, ebenso wie das Fernsehen oder die Tageszeitungen. Die Branche leidet, vor allem unter unter den Anzeigenrückgängen. Gerade aus der Automobilindustrie und der Finanzbranche haben sich die Erlöse bedenklich reduziert, das haben alle Verlage zu spüren bekommen. Die großen Zeiten sind vorbei.
news.de: Was hat Gruner + Jahr mit Park Avenue denn falsch gemacht?
Wolfgang Fürstner: Ich kann und will natürlich zu einzelnen Titeln nicht Stellung nehmen. Man versucht nun, Ballast abzuwerfen, sich dort schlank zu machen, wo notwendig. Man darf nur nicht vergessen, dass es auch Erfolgstitel gibt, die jedes Quartal höhere Auflagen und Anzeigenumsätze melden. Wir haben eben nicht nur schwierige Zeiten. In der Krise liegt für manche auch eine Chance, und die wird genutzt.
news.de: Haben Sie dafür Beispiele?
Wolfgang Fürstner: Ein sehr gutes Beispiel ist die Zeitschrift Landlust, die vor zwei Jahren entstanden ist und die heute eine Auflage von 400.000 Exemplaren hat. So manch anderer Verlag wünscht sich solche Zahlen.
news.de: Werden Ihrer Prognose nach noch mehr Titel in der nächsten Zeit eingestellt werden?
Wolfgang Fürstner: Das kann ich nicht ausschließen. Solche Entscheidungen müssen aber in den Häusern getroffen werden. Die Krisenzeit kann wie gesagt auch eine Chance für die Zukunft bedeuten, da man sich auf zukunftsfähige Sortimente und Titel konzentrieren kann. Das mag zur Folge haben, dass manch ein Titel auf der Strecke bleibt. Wir haben in Deutschland aber nach wie vor eines der breitesten Sortimente weltweit.
news.de: Wie ist derzeit das Verhältnis von Neuen zu eingestellten Titeln?
Wolfgang Fürstner: Wir haben bei den Auflagen der gemeldeten und kontrollierten Titel nach wie vor einen Zuwachs. So lange ich denken kann, haben wir da keine negative Entwicklung gehabt. Vor 30 Jahren hatten wir 300 auflagengeprüfte Titel, heute sind es 850. Das zeigt, wie kräftig dieser Markt ist und wie sehr er sich differenziert hat. Das reflektiert auch das veränderte Mediennutzungsverhalten der Menschen und die Veränderungen in der Medienlandschaft.
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