Von von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Deutschlands Zeitschriftenverlage hat die Finanzkrise voll erwischt. Das Anzeigengeschäft bricht dramatisch ein. Gruner+Jahr, Waz und Süddeutscher Verlag behelfen sich mit drastischen Sparprogrammen.
Es war ein Versuch, ein ambitionierter noch dazu. 2005 brachte Gruner+Jahr das Hochglanzmagazin Park Avenue auf den Markt. Mit einem bunten Mix aus Personality- und Lifestyle-Themen ging der Verlag auf Leserfang - mit überschaubarem Erfolg. Zwar lag die verkaufte Auflage im dritten Quartal 2008 laut IVWInformationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern bei 102.000 Exemplaren, doch die relativ hohe Zahl täuscht. 16.500 Zeitschriften wurden Abonnenten zugestellt, 22.400 gingen am Kiosk über den Ladentisch. Ein großer Teil der Auflage besteht dagegen aus Frei- und Bordexemplaren, wird also etwa Geschäftsreisenden im Flieger gratis in die Hand gedrückt.
Unter normalen Umständen hätte Gruner+Jahr das leise Sterben des Renommierblattes noch ein wenig hinausgezögert. Die Wirtschaftskrise machte jetzt aber ein schnelles Handeln erforderlich. Park Avenue wird eingestellt. Es sei «keine belastbare wirtschaftliche Perspektive» vorhanden, ließ die Bertelsmann-Tochter verlauten. Mit der Januar-Ausgabe ist das Heft Geschichte. 23 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Dazu kommen noch einmal zwölf Angestellte in Russland und den Niederlanden, denn auch die russische Life & Style sowie Gala Niederlande wird es nicht mehr geben.
Das Ende von Park Avenue bleibt nicht die einzige Hiobsbotschaft aus Hamburg. «Portfoliobereinigung» nennt sich im Manager-Deutsch das, was Gruner mit seinen Wirtschaftstiteln vorhat. Financial Times Deutschland, Böse Online, Capital und Impulse werden ab dem 1. März 2009 von einer Gemeinschaftsredaktion in Hamburg produziert. Die Standorte in Köln (Impulse, Capital) und München (Börse Online) werden geschlossen. Die 110 Mitarbeiter erhalten Kündigungen. Ihnen bleibt die Möglichkeit, sich für die Zentralredaktion in Hamburg zu bewerben, die künftig von einem Chefredakteurskollegium unter Leitung von FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann geführt wird.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, rechnet Gruner+Jahr für seine Wirtschaftsmedien 2008 mit einem Verlust von bis zu zehn Millionen Euro. Die Finanzkrise beutelt zwar alle Medien, doch Wirtschaftstitel sind besonders betroffen. Grund: Die Anzeigenkunden kommen überwiegend aus der Automobilbranche und der Finanzwelt - zwei Bereiche, die gerade in großen Schwierigkeiten stecken und deshalb ihre Anzeigen drastisch reduzieren.
Gruner+Jahr ist beileibe nicht der einzige Verlag, der ein rigides Sparprogramm fährt. Die Waz-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Westfälische Rundschau) will rund 300 Stellen abbauen. Das entspricht fast einem Drittel der Gesamtbelegschaft. Düster sieht es auch in der Hultschiner Straße in München aus. Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), Mehrheitseignerin des Süddeutschen Verlags (Süddeutsche Zeitung), will ebenfalls den Rotstift ansetzen. Die Belegschaft befürchtet ähnlich große Einschnitte wie bei der Medienkrise 2002. Damals mussten fast hundert Redakteure gehen.
Der Mediendienst Kress berichtet, der Süddeutsche Verlag werde 2008 15 Millionen Euro einsparen. SZ-Geschäftsführer Karl Ulrich wollte die Zahl nicht kommentieren. Er bestätigte aber, dass Sparmaßnahmen unvermeidlich seien. Auch betriebsbedingte Kündigungen könnten angesichts der schwierigen Marktlage nicht ausgeschlossen werden. Zurzeit denkt die Geschäftsführung erst einmal über «Aufhebungs- und Abfindungsangebote auf freiwilliger Basis» nach.
Die Stimmung bei der Süddeutschen ist so gedrückt wie seit Jahren nicht mehr. Auch die von der SZ seit einiger Zeit geplante Sonntagszeitung ist auf unbestimmte Zeit kein Thema mehr. Das wird aber nicht einmal die Konkurrenten Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt freuen. In Frankfurt und Berlin hat man gerade genügend eigene Probleme.