Es naht das Weihnachtsfest und damit auch die Zeit, in der Musiker typischerweise Best-of-Alben unters Volk bringen. Nicht nur die Glöckchen, auch die Kassen sollen klingeln. Jetzt hat es Herbert Grönemeyer erwischt. Doch bei dem Bochumer bleibt alles anders.
«Was muss muss» ist die Werkschau betitelt. Gestern stellte Grönemeyer das Oeuvre in seiner neuen Heimatstadt Berlin vor. «Ich bin nicht der allergrößte Fan von Best-of-Alben, aber zur Halbzeit ist das okay, das nächste kommt mit 96», sagte ein gut gelaunter Grönemeyer bei der Präsentation in einem Club in der Oranienburger Straße. «Vielleicht denken manche, ‹jetzt ist er am Ende, wenn er sowas macht›, aber Irrtum, ich fange gerade erst an.»
Auf der neuen Doppel-CD finden sich 36 Lieder, darunter Hits wie Mensch, Alkohol, Bochum, Was soll das und Bleibt alles anders. Es ist die erste Best-of-Platte in der fast drei Jahrzehnte währenden Karriere des Sängers und Schauspielers. Grönemeyer hat seit den frühen 1980er Jahren zwölf Studio-Alben veröffentlicht, die es alle bis auf Platz eins der Album-Charts schafften.
Das einzige ganz neue Stück auf der Platte ist der englische Song Will I Ever Learn - ein Duett mit Antony von Antony and the Johnsons. Das Lied habe er bereits vor zehn Jahren komponiert, berichtete der seit Jahren in Großbritannien lebende Grönemeyer. Es sei zusammen mit Land unter eines der drei besten Lieder, die er je geschrieben habe.
Die Doppel-CD gibt es in zweifacher Ausführung - als Basisversion und in einer Luxus-Edition, die zusätzlich zu den Songs noch allerlei multimedialen Schnickschnack beinhaltet. Als da wären: eine DVD mit den wichtigsten Videoclips, eine Vinylschallplatte mit Remixen, ein USB-Stick mit einem Videointerview und acht Klingeltöne fürs Handy. Sogar ein 72-seitiges Buch mit privaten Fotos wurde draufgepackt. Zu sehen sind Schnappschüsse aus der Kindheit und Jugend des Musikers. Sie stammen aus dem Keller von Grönemeyers Mutter.
Der in London und seit einiger Zeit immer öfter auch wieder in Berlin lebende Grönemeyer arbeitet zurzeit an einer deutsch-englischen Mix-Platte, wie er ankündigte. Außerdem würde der Schauspieler (Das Boot) auch wieder gerne in einem Film mitspielen. «Mein Gesicht ist gut geworden und hat genug Furchen, wenn jemand also mit mir drehen will, ich habe jetzt Zeit dafür, ein Filmchen wäre nicht schlecht.»
Nach einer großen Tour durch Stadien und Musiktempel von Leipzig bis London hatte sich Grönemeyer mit einem furiosen Auftritt in Berlin im September in eine Konzertpause verabschiedet. «Das ist das letzte Konzert für lange Zeit», rief der Sänger seinerzeit vor rund 17.000 Zuhörern in der gerade eröffneten O2-World-Arena in der Hauptstadt. Mit seinem Lied Glück hat der Rocksänger gerade Platz vier der deutschen Single-Charts erobert.
tko