Ein Tusch für den ewigen Prinzen: Mit einem Festakt im Buckingham Palace haben die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag von Prinz Charles begonnen. Der Jubilar bereitet sich noch im reifen Alter auf seine Lebensaufgabe vor - König zu sein.
Am Vorabend von Charles' rundem Geburtstag spielte das London Philharmonic Orchestra für die rund 170 Gäste aus dem In- und Ausland. Neben Königin Elizabeth II. (82) und ihrem Gatten Prinz Philip (87) standen auch Charles' Frau Camilla (61) und seine Söhne Prinz William (26) und Prinz Harry (24) dem Thronfolger zur Seite. Mit einem feierlichen Abendessen im Kreise der königlichen Familie ließ Charles den Abend ausklingen.
Der Palast hatte den Empfang fast wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Die Gästeliste wurde nicht veröffentlicht und auch sonst ließ sich die Queen kaum in die Karten gucken, was sie für ihren Sohn hinter den beleuchteten Fenstern ihres Palastes geplant hatte. Elizabeth II. nahm damit nach Einschätzung von Beobachtern auf die Gefühle der Briten Rücksicht, die in Zeiten der Wirtschaftskrise den Gürtel enger schnallen müssen. So war vor der Feier nur bekannt geworden, dass sich unter den Gästen britische und ausländische Würdenträger aber auch Freunde und Vertreter von Wohltätigkeitsorganisationen befanden.
Einen Rekord hat Prinz Charles bereits Anfang dieses Jahres aufgestellt. In der Geschichte der britischen Monarchie befand sich noch kein anderer so lange im Wartestand auf die Krone wie er. Charles brachte das den Beinamen «ewiger Thronfolger» ein. In Kreisen des Buckingham Palastes wird betont, der Prince Of Wales habe schon vor langer Zeit akzeptiert, dass er den Großteil seines Lebens als Thronerbe und nicht als König Charles III. verbringen werde. Das Hoffen auf eine baldige Regentschaft verbietet sich von selbst. Seine Mutter, Queen Elizabeth II., erfreut sich auch mit 82 Jahren bester Gesundheit und es deutet nichts darauf hin, dass sie mit dem Gedanken spielt abzudanken.
Eine aktuelle Umfrage der Zeitung Daily Telegraph dürfte Prinz Charles erfreut haben: 42 Prozent der Briten sind demnach der Ansicht, er solle der nächste Souverän des Vereinigten Königreichs werden. 35 Prozent sprachen sich dafür aus, er möge zugunsten seines Sohnes William verzichten. Das sah schon einmal ganz anders aus. Noch vor drei Jahren wünschten sich 42 Prozent der Befragten William als direkten Nachfolger der Queen und nur 31 Prozent seinen Vater.
Selbst seine Ehefrau Camilla, die Charles nach dem Tod der von den Briten abgöttisch geliebten Diana heiratete, haben die meisten Untertanen ihrer Majestät inzwischen akzeptiert. Geliebt wird sie allerdings nicht. Aktuelle Umfragen zeichnen ein widersprüchliches Bild. So können sich nur 17 Prozent der Briten Camilla als Königin an der Seite von Charles vorstellen.
Bis Charles eines Tages vielleicht doch noch den Thron besteigen wird, widmet sich der Prince Of Wales anderen Aufgaben. Er ist dafür bekannt, dass er sich zuweilen deutlich zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen äußert. Kritiker werfen ihm deshalb eine unzulässige Einmischung vor. Bei seinem Besuch in Japan nannte er den Klimawandel «die größte Herausforderung, vor der unser Planet je stand». Umwelt- und Naturschutz, traditionelle Architektur, Bildung oder Landwirtschaft sind wichtige Interessengebiete des Prinzen. Er eröffnete eine private Architekturschule, ist Präsident von 20 Wohltätigkeitsorganisationen, die es auf Einnahmen von rund 145 Millionen Euro pro Jahr bringen, sowie Schirmherr von etwa 400 Einrichtungen.
Auf seine Rolle als künftiger Monarch sei er so gut vorbereitet wie niemand vor ihm, hebt der Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert hervor. «Es hat nie jemanden gegeben, der auch nur annähernd so viel von der Welt gesehen hat wie er.»
tko