Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Menschen jubeln Barack Obama zu. In der Menge: Brad Pitt und Moderatorin Oprah Winfrey. Kein Zufall. Nie zuvor in der Geschichte von US-Wahlen hat sich Hollywood derart vehement für einen Kandidaten eingesetzt – und die Möglichkeiten des Internets voll ausgeschöpft.
Wenn es nach Hollywood gegangen wäre, hätten die amerikanischen Wähler gar nicht erst abstimmen müssen. Obama gegen McCain – in der Traumfabrik war es ein ungleiches Duell. Der Sieger Barack Obama stand schon lange vor dem 4. November fest, und das noch viel deutlicher, als es das tatsächliche Wahlergebnis widerspiegelt.
Politisches Engagement bei Schauspielern vor der Präsidentenkür hat es immer gegeben. Und meist waren die Gewichte ungleich verteilt, denn Hollywood ist traditionell eine Bastion der Demokraten. Die Chancen des jeweiligen republikanischen Bewerbers schmelzen im liberalen Klima Hollywoods ganz schnell dahin. Das war diesmal nicht anders. Hollywoods Wortführer wie George Clooney, Brad Pitt, Tom Hanks oder Steven Spielberg rührten schon früh die Werbetrommel für Barack Obama. Geradezu verloren wirkte dagegen das Häuflein der McCain-Fans. Vornehmlich alte Action-Haudegen wie Chuck Norris, Harrison Ford und Clint Eastwood sicherten dem Vietnam-Veteran ihre Unterstützung zu. Aufbruchstimmung sieht anders aus, weniger runzlig.
Obama konnte sich dagegen auf die junge Garde verlassen. Besondere Kennzeichen: sexy und überdurschnittlich engagiert. Scarlett Johannsson, Jennifer Lopez, Jessica Alba, Ben Afleck und Leonardo DiCaprio gehören in diese Kategorie. Sie haben Obama erwartet wie einen Messias: «Ich hebe auch Papierbecher vom Boden auf, wenn ich ihm dadurch den Weg frei machen kann», seufzte Oscar-Preisträgerin Halle Berry ergriffen. Nicht minder schmachtend die Aussage von Scarlett Johannsson: «Mein Herz gehört Obama. Ja er ist es, mit dem ich jetzt und für immer verlobt bin.» Mehr Erlöser-Pathos war kaum möglich.
Und Obama hatte einen weiteren Trumpf im Ärmel: Zum ersten Mal in der Wahlkampfgeschichte nutzten seine prominenten Anhänger die Möglichkeiten des Internets, um neue, vornehmlich junge Wähler, zu mobilisieren. Ein paar Klicks auf dem Webportal YouTube genügen, um prominenten Obama-Fan-Gesängen zu lauschen. Sänger Will. I. Am von den Black Eyed Peas komponierte zwei Obama-Songs. Scarlett Johannsson trällerte sie ins Mikro. Ein weiteres Highlight im Angebot: Video-Werbung für Obama, vorgetragen von Schauspielerin Jessica Alba und Sängerin Nicole Scherzinger.
John McCain flüchtete sich angesichts der geballten Promi-Macht in Galgenhumor: «Barack behauptet immer, er sei volksnah, und dann fliegt er zu seinen Promi-Freunden nach Hollywood. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als beim arbeitenden Volk in Ohio zu bleiben», lästerte der Senator aus Arizona. Insgeheim hat er darauf gehofft, dass Obama die Unterstützung durch die Star-Riege Hollywoods beim einfachen Wähler eher schaden als nützen würde. Barack Obama als Glitzer-Kandidat, als Freund der Stars, abgehoben und ohne Ohr für die Probleme des Durchschnittsamerikaners – diese Rechnung McCains ist nicht aufgegangen. Hollywood wollte den Wandel, genau wie der überwiegende Teil der amerikanischen Bevölkerung. Jetzt wird auf den neuen Präsidenten angestoßen. Ob mit Champagner oder Bier ist eigentlich egal.