Kurz, kernig, kompromisslos
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Christian Vock
Artikel vom 02.11.2008Mit «Ein Quantum Trost» kommt das zweite Bond-Abenteuer mit Hauptdarsteller Daniel Craig in die Kinos. Die Fortsetzung von «Casino Royale» ist noch härter und zeigt einen düsteren, verbitterten Bond.
Der neue Bond sei härter, es fehle ihm die Leichtigkeit seiner Vorgänger. Der Esprit eines Sean Connery oder das Verschmitzte eines Pierce Brosnan. Die Vorwürfe sind alt und trafen den Vorgänger Casino Royale, den ersten Bond-Film von Daniel Craig. So richtig die Beurteilung war, so nötig war auch der Schnitt, den die Macher von Casino Royale vollzogen. Er gab einer weithin ausgelaugten Figur neues Leben und Raum für bisher unbekannte Facetten. Eine große Bürde, aber auch Chance für Craig, den Neuen im Dienste ihrer Majestät. Und er nutzte sie.
Umso spannender also die Frage, wie Marc Forster, Regisseur von Ein Quantum Trost, die Aufgabe, diese neuen Seiten fortzusetzen und gleichzeitig eigene Fußspuren zu hinterlassen, meistern würde. Diese Aufgabe wird ihm noch erschwert, führt Ein Quantum Trost die Geschichte von Casino Royale fort und muss doch als Film allein bestehen können.
Dementsprechend sollte man vor dem Kinobesuch unbedingt Casino Royale kennen, denn der neue Bond knüpft nahtlos an die Geschichte des Vorgängers an. Der endet mit dem Tod von Bonds Liebe Vesper Lynd, die ihn verriet und deren leblosen Körper er aus dem venezianischen Meer zog. Der Bruch, der sich dadurch in Bonds Seele vollzog, ist Ausgangspunkt für Ein Quantum Trost. Auf der Suche nach den Drahtziehern, einer geheimnisvollen Organisation, die auf der ganzen Welt operiert, setzt Bond zu seinem Rachefeldzug an.
Die ersten Spuren führen Bond nach Haiti. Hier trifft er auf Camille, die ihre eigenen Rachepläne verfolgt. Dazu heftet sie sich an den Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric), eine bisher unbekannte Größe in der Geheimorganisation, auf deren Fersen Bond ist. Greene will mit Hilfe eines Exil-Militärs wichtige Ressourcen in Bolivien unter seine Kontrolle bringen. Damit kommt die Bond-Reihe in der Realität an. Es geht nicht um merkwürdige Superwaffen, die aus dem All die Erde bedrohen. Greene geht es ums schnöde Geld.
Der neue Bond ist noch härter. Es gibt keine kessen Sprüche, kein Gerührt-oder-geschüttelt-Geplänkel. Da ist nur noch Verbitterung und Kälte. Gleich die Anfangsszene zeigt, worauf sich der Zuschauer hier eingelassen hat. Eine Verfolgungsjagd durch italienische Straßen ist derart schnell geschnitten, dass gleich klar wird: Hier wird sich keine Zeit gelassen. Hier kann Bond sich nicht einmal die Kratzer behandeln lassen, die er sich pausenlos einfängt.
Selbst für die Frauen ist kaum noch Zeit. Olga Kurylenko ist das erste Bond-Girl, mit dem der Agent nicht in den Federn landet. Lediglich die smarte Agentin Fields (Gemma Arterton) sinkt in Bonds Arme.
Die neue Härte und Kompromisslosigkeit sind Segen und Fluch des Films zugleich. Auf der einen Seite geben sie Hauptdarsteller Craig die Chance, dem sonst so charmanten Bond eine ganz neue Seite zu verpassen. Das macht er so überzeugend, dass er selbst die allenfalls bemühte Olga Kurylenko spielend mitzieht.
Andererseits bleibt in den gerade einmal 103 Minuten für eine ausreichende Ausarbeitung der Charaktere kaum Zeit, von der Handlung ganz zu schweigen. Gerade dem Oberschurken Greene hätten ein paar Szenen mehr gut getan, so dass es nicht nur bei der Ahnung bliebe, wie skrupellos er wirklich sein könnte. Auch sein Handlanger, sonst immer eine Glanzrolle in den Bond-Filmen, wird nur als Trottel mit der merkwürdigen Frisur im Hintergrund wahrgenommen.
So ist Ein Quantum Trost, ein rasanter, kerniger Bond-Film, der vor allem als Doppelepisode mit Casino Royale in Erinnerung bleiben wird.
James Bond 007: Ein Quantum Trost
Action/Thriller
Großbritannien, 2008
Sony Pictures
FSK: ab 12 Jahre
Spieldauer ca. 103 Minuten
Kinostart: 6. November 2008