Von News.de-Redakteurin Claudia Arthen
Depressionen sind ein ernstes Thema. Matthew Johnstone stellt die Krankheit in seinem Bilderbuch «Der Schwarze Hund» aber auf eine humorvolle Weise vor und bringt sie dem Leser mit eingängigen Bildern und einfühlsamen Erklärungen näher als so mancher Ratgeber.
Im britischen Volksglauben ist der Schwarze Hund ein großes geisterhaftes Wesen mit leuchtenden Augen, und seine Erscheinung wird oftmals als Zeichens des Todes gewertet. Für den australischen Autor Matthew Johnstone ist der Schwarze Hund der «Botschafter einer Krankheit», unter der er selbst viele Jahre lang litt: die Depression. «Irgendwann hatte es der Schwarze Hund geschafft, mein Leben voll und ganz zu beherrschen. Er zwang mich in die Knie. Mein Lebenswille hatte mich verlassen», schreibt er in seinem Buch. Die Illustration dazu zeigt, wie Mann und Hund eins werden.
Johnstone berichtet offen über seine Depressionen, ohne das Wort zu benutzen. Es taucht nur im Vor- und Nachwort des Buches auf. Der Leser erfährt, dass der Schwarze Hund durch Johnstones Leben geisterte, seit er Anfang 20 war. Der Hund besuchte ihn immer wieder, meist aus heiterem Himmel und scheinbar ohne Grund. Zum Beispiel morgens im Badezimmer. Nicht sich selbst sah Johnstone im Spiegel, sondern den Schwarzen Hund. Viel älter als er eigentlich war, kam er sich dann vor. Der Schwarze Hund saß beim Mittagessen auf dem Tellerrand und verdarb dem Autor den Appetit. Oder er saß nachts auf ihm und quälte ihn mit negativen Gedanken. Nichts machte mehr Spaß, Johnstone sah die Welt in solchen Phasen durch die schwarze Hundebrille.
In satten, plakativen Bildern und überwiegend düsteren Farben verdeutlicht Johnstone, was es heißt, an Depressionen zu leiden: das Freudlose, Hilflose, Hoffnungslose und Sinnlose, das mit dieser Krankheit einhergeht, die beinahe übermenschlichen Anstrengungen, die es kostet, das tägliche Leben zu meistern, die Ängste, Komplexe und Versuche, den Schein zu wahren und die Krankheit vor anderen zu verheimlichen – auch wenn es die letzten Kräfte kostet. Betroffenen, aber auch Angehörigen kann diese berührende Bildergeschichte helfen, nicht die Hoffnung zu verlieren, sich nicht alleine zu fühlen, miteinander ins Gespräch zu kommen.
«Jeder ist irgendwann einmal deprimiert», schreibt Gordon Parker, Professor für Psychiatrie an der Universität New South Wales in Sydney, im Vorwort des Buches. Bei den meisten vergehe die deprimierte Stimmung bald wieder, bei anderen dagegen halte sie Monate oder gar Jahre an. Parker spricht in solchen Fällen von einer klinischen Depression, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als «Krankheit des Jahrhunderts» eingestuft wurde. Depressionen seien weitaus schlimmer als zum Beispiel Herzerkrankungen, weil sie ernste soziale und ökonomische Konsequenzen nach sich zögen.
Der Schwarze Hund hätte Johnstone fast umgebracht. Gerade noch rechtzeitig suchte er professionelle Hilfe. Es war «der erste Schritt zur Heilung, und es war ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben», schreibt Johnstone. Er lernte, keine Angst mehr vor dem Schwarzen Hund zu haben. Er nahm ihn an die Leine oder lief ihm einfach davon. Aber über eines ist sich Johnstone im Klaren: «Wahrscheinlich wird der Schwarze Hund immer ein Teil meines Lebens bleiben. Aber ich habe gelernt, dass man mit Geduld, Humor, Verständnis und Disziplin sogar den schlimmsten Schwarzen Hund an die Leine legen kann.» Das sind tröstliche Worte für Menschen, die sich in einer akuten depressiven Phase befinden.
Matthew Johnstone: Mein Schwarzer Hund. Kunstmann-Verlag, 45 Seiten, 14,90 Euro. Der Autor wurde 1964 in Australien geboren und arbeitete als Kreativdirektor in Werbeagenturen in Sydney, San Francisco und New York. Sein Buch «Mein Schwarzer Hund» erschien bisher in Australien, Neuseeland und England und ist dort ein Beststeller.