Virtuelle Reklame Beim Fußball gehört Bandenwerbung dazu

In-Game-Werbung (Foto)
«PES 2009» enthält dynamische In-Game-Werbung. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Fußball ohne Bandenwerbung? Echten Fußballfans würde da wohl etwas fehlen. Das gilt inzwischen auch für virtuelle Fußballfelder. Videospieler sind eine gefragte Zielgruppe für Werbende. Das wollen Videospiel-Publisher nutzen.

Torjäger Kevin Kuranyi ist am Ball, nimmt das Tor ins Visier – und just in dem Moment verändert sich die Bandenwerbung am Spielfeldrand. Videospiele werden immer reeller. Das ist einerseits daran zu erkennen, dass die virtuellen Figuren ihrem lebendigen Ebenbild bis aufs Haar gleichen. Andererseits obliegt auch der Spielfeldrand nicht mehr nur den kreativen Ideen der Entwickler.

Bei Spielen, die an der Wirklichkeit orientiert sind, wollen die Lizenzgeber ein Wörtchen mitreden. Ohne sie, das wissen die Publisher, würden Fußballspiel wie Pro Evolution Soccer, Fifa oder Fußball Manager bei den Fans nicht so großen Anklang finden. Die gut gefüllte Fanmeile im Wohnzimmer will die bekannten Trikots, Logos, Spieler und Stadien sehen. Und genau da fängt die Werbung im Videospiel an.

Eigentlich ist In-Game-WerbungWerbeeinblendungen innerhalb von Videospielen ein alter Hut. Schon vor Jahren ließen die Publisher ihre eigenen Logos in die Spielwelten integrieren. Geld ließ sich damit nicht machen. Das hat sich in den vergangenen fünf Jahren jedoch geändert. Heute gibt es fast keine Spielplattform mehr – sei es der PC oder eine Konsole –, die nicht über einen Internetanschluss verfügt.

Die Schnittstelle wird von den Spielern rege genutzt. Wollen sie sich mit Freunden und gleichgesinnten Fans doch über Erfolge im Spiel austauschen. Publishern eröffnet sich damit ein Weg, immer neue Werbebotschaften einzubinden. Möglich ist das, sobald eine Konsole oder ein PC mit dem Internet verbunden ist.

Interessant sei In-Game-Werbung besonders bei Online-Spielen, merkt Hajo Neu vom japanischen Videospielekonzern Konami an. «Doch letztlich ist sie nicht bei allen Spielen passend. Beim Fußball gehört Bandenwerbung einfach dazu. In einem Fantasy-Spiel stört ein Werbebanner dagegen.»

Nur da, wo die reale Welt virtuell abgebildet wird, lohnt sich Werbung in Videospielen. Ganz im Gegensatz zu Szenarien, die in der Zukunft angesiedelt sind. Werbebanner aus der Gegenwart würden das Spielerlebnis derart stören, dass die Glaubwürdigkeit vollkommen verloren geht. Spricht sich das unter den Käufern herum, können die Spieleunternehmen ihre geplanten Absatzzahlen nur noch schwer erreichen.

Lesen Sie auf Seite 2, in welchen Spielen Sie In-Game-Werbung finden

Noch ist die Integration von Werbeflächen eine Gratwanderung. Diskutiert wird in der Spielebranche dennoch heftig, denn potenziell lässt sich mit In-Game-Werbung viel Geld verdienen. «Der Zugriff auf werberelevante Zielgruppen ist direkt möglich und deshalb ist In-Game-Werbung interessant», begründet Neu.

Zudem hat eine Studie von Nielsen Games belegt, dass 80 Prozent aller Verbraucher überzeugt seien, Spiele mit Werbung würden genauso viel Spaß machen wie ohne. Das zum französischen Medienkonzern gehörende Spieleunternehmen Activison hat sich davon überzeugen lassen und vor wenigen Wochen eine Zusammenarbeit mit dem In-Game-Werbenetzwerk IGA Worldwide gestartet. Die Werbe-Firma wird nun dafür sorgen, dass verschiedene, für die Playstation 3 konzipierte Videospiele mit dynamischer Werbung ausgestattet werden, die sich in EchtzeitDer Begriff Echtzeit wird bei Videospielen verwendet, um darauf hinzuweisen, dass sich Handlungen in einem Spiel im gleichen Zeitrahmen entwickeln wie im realen Leben. Im Spiel wird es beispielsweise Abend, wenn auch der Spieler abends ins Geschehen einsteigt. aktualisieren lässt. Erstes Projekt dafür wird das Spiel Guitar Hero World Tour sein, das europaweit inzwischen mehr als 20 Millionen Mal verkauft wurde.

«Die Partnerschaft mit Activision zeugt vom Interesse, auf das In-Game-Werbung bei Marketingspezialisten und Verbrauchern gleichermaßen stößt. Wir werden jetzt noch sehr viel mehr Marken und aktive Anwender als zuvor zusammenbringen können», sagt Justin Townsend, Geschäftsführer von IGA Worldwide.

Doch für viele Firmen der Branche, die sich noch in Zurückhaltung üben, ist der finanzielle Aspekt entscheidend. «Wirklich relevant sind die Einnahmen aus In-Game-Werbung bisher nicht. Ganz einfach weil die Kosten, die Werbung zu integrieren, noch viel höher sind», erklärt Konami-Mann Hajo Neu.

Der Anfang ist jedoch gemacht. Und je schneller die Kosten für die Einbindung der Werbung sinken, desto schneller könnte sich In-Game-Werbung durchsetzen. Dem verschließt sich auch Konami nicht, in dessen Fußballreihe Pro Evolution Soccer schon seit einigen Jahren Werbebotschaften von der Konsole auf den Fernseher übertragen werden. Bis zur Version PES 2008, von dem in Europa fünf Millionen Spiele verkauft wurden, setzte Konami auf statische, also fest eingebundene Werbebotschaften. Ab PES 2009 erleben virtuelle Kicker dann die dynamische Version, die den LED-Banden der Stadien nachempfunden ist und von Werbenden für einen vereinbarten Zeitraum geschaltet werden kann. Eingespielt wird die per Internet und kann so auch wieder abgeschaltet werden.

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