Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Woran denken Sie, wenn Sie an Föhr denken, diese Insel südöstlich von Sylt? An idyllische Natur, raue Typen und romantische Sonnenuntergänge? An Klischees? Der ZDF-Sonntagsfilm «Zeit für Träume» spielt dort, und er bedient eine ganze Menge Klischees.
«Wenn Julia nicht wäre, dann wärst Du mein Freund», sagt Ralph zu Christian. «Mein allerbester Freund.» Julia aber ist, ganz leibhaftig und auch noch reizend. Dazu kommt, dass Ralph in diesem Moment voll ist wie eine Strandhaubitze. Beste Freunde? Im Leben nicht. Das kann schon deshalb nichts werden, weil eben diese Julia, Ralphs Ex-Frau, sich gerade in Christian verliebt hat.
Zeit für Träume, der ZDF-Sonntagsfilm, ist einer jener Streifen, bei denen man sich fragt, warum deutsche Romantikkomödien so oft am Meer oder auf Inseln spielen. Vielleicht, weil es sich dabei um Sehnsuchtsorte der Deutschen handelt? Föhr, das klingt schon so nach uriger Landschaft, markigen Typen und schicken Sonnenuntergängen. Da muss man gar nicht mehr viel tun, um einen preisverdächtigen Streifen auf den Bildschirm zu bringen? Denkste. Doch fangen wir vorne an.
Julia (Anne Brendler), Ralph (Bruno Eyron) und Christian (Hannes Jaenicke) kennen wir bereits, deren Konstellation ist einfach: Julia und Ralph waren einmal verheiratet und betreiben gemeinsam ein Architekturbüro. Für einen schmierigen und natürlich vollkommen skrupellosen Investor sollen sie auf Föhr den Flughafenausbau vorantreiben. Christian, alleinerziehend, ist mit Sohn Paul (Lino Sliskovic) auf der Insel, wo der Großvater mit dem klingenden Namen Johann Johannsen (Dietmar Schönherr) wohnt. Mit dem aber hat Christian seit Jahren kein Wort mehr gesprochen. Und eben jener Großvater, ein Pilot, stört mit seinem Haus die Pläne für die Erweiterung der Landebahn und soll raus. Konflikte? Euer Auftritt.
Autor Hardi Sturm hat für den ZDF-Streifen eher schlichte Charaktere gestrickt. Julia, die charmante und intelligente Architektin, Ralph, der naive und etwas zu ehrgeizige Mitläufer, Christian, für seinen Sohn eher bester Freund, denn ein echter Vater. Und Journalist, aber nur aus der Not heraus, denn «wie jeder anständige Journalist bin ich eigentlich natürlich ein verkannter Romanautor», sagt er über sich. Ach so.
Der goldige Sohn und der Großvater, störrisch und von echtem Schrot und Korn, vollenden die Truppe. Ach nein, da wären ja noch die Nebenrollen. Die Dolle Vera (Maria Bachmann), die lesbische Dorfwirtin, Knut (Lars Weström), der etwas dümmliche aber höchst integre Inselpolizist oder der Briefträger (eben jener Hardi Sturm), eine Mischung aus guter Seele und dienstbeflissenem Beamten. Und eine Handvoll Einwohner, Inseltypen, die dem Zuschauer so echt schmecken dürften wie Dosenhering.
Regisseur Karl Kases hatte, wohlwollend gesprochen, zumindest eine Geschichte an der Hand, deren Konflikte man hätte ausspielen können. Und er hatte Schauspieler wie Hannes Jaenicke oder Dietmar Schönherr, die dazu durchaus in der Lage gewesen wären. Doch er wollte wohl eine hübsche Komödie machen, mehr nicht. Das ist ihm gelungen. Das problematische Verhältnis zwischen dem Großvater und Christian etwa erreicht seinen Höhepunkt, als der Alte sein Haus verteidigen muss und die Schrotflinte sogar auf seinen Sohn richtet. «Da musst Du mich schon erschießen», antwortet der markig und gegen den Wind. Eine gute Basis, sich endlich einmal auszusprechen.
«Wer nicht aufsteigt, kann nicht abstürzen», sagt Johann irgendwann. Und wo er Recht hat, hat er Recht. Ein Film, der keine wirkliche Fallhöhe entwickelt, kann keine Spannung erzeugen. Das gilt auch für Komödien. Und so plätschert die Geschichte so gemütlich vor sich hin, wie die Brandung an die Föhrer Küste. In den besten Momenten darf man das charmant nennen, auch Dank Dietmar Schönherr und Anne Brendler. Mehr aber konnte auch Regisseur Kases wohl nicht aus dem mageren Stoff herausholen, von handwerklichen Schnitzern wie dem teils miserablen Licht ganz zu schweigen. «Man wirft doch seine Meinung nicht meistbietend auf den Jahrmarkt», lautet eine der vielen Weisheiten, die uns das ZDF in diesem Streifen mit auf den Weg geben will. Für Filme aber gilt genau dasselbe.
Zeit für Träume, Sonntag, 20.15 Uhr, ZDF
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