Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio. Das teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit.
Der Preis wurde dem 68 Jahre alten Autor zuerkannt, «dem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation», wie die Schwedische Akademie urteilte. Le Clézio gehörte in diesem Jahr zwar zu dem erweiterten Favoritenkreis, ist aber in Deutschland noch relativ unbekannt. Dies wird sich nun wohl ändern. Zuletzt erschien von ihm in deutscher Sprache Der Afrikaner im Münchner Hanser-Verlag.
Der Nobelpreis für Literatur wurde erstmals 1901 verliehen und soll den lebenden Schriftsteller ehren, der «in der Literatur das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat». So war es zumindest der letzte Wille Alfred Nobels (1833-1896), Stifter des Preises. Von Beginn an gab es jedoch verschiedene Interpretationen, was Nobel mit «ideal» gemeint haben könnte. Dementsprechend vielfältig waren die Kriterien, die die Jury in der Vergangenheit bei der Auswahl der Preisträger anwandte.
Das Komitee, das über die Preisvergabe entscheidet, besteht aus Mitgliedern der Schwedischen Akademie. Der Preisträger erhält zehn Millionen Schwedische Kronen (rund eine Million Euro). Am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, wird der Preis traditionell vom Schwedischen König in Stockholm überreicht. Im letzten Jahr wurde die britische Schriftstellerin Doris Lessing mit dem Preis geehrt.
In den Jahren 1914, 1918, 1935 sowie von 1940 bis 1943 wurde kein Literaturnobelpreis vergeben. Vier Mal - 1904, 1917, 1966 und 1974 - mussten sich zwei Schriftsteller die Auszeichnung teilen. Zwei Autoren lehnten den Nobelpreis ab: 1958 musste der sowjetische Autor Boris Pasternak den Preis auf Druck seiner Regierung hin zurückweisen. Der Franzose Jean-Paul Sartre weigerte sich 1964, die Auszeichnung anzunehmen.