Von Florian Blaschke
Dreißig Jahre nach dem Roman-Welterfolg von Ottfried Preußler kommt «Krabat» in die Kinos. Ein Fantasyfilm, der einmal mehr zeigt, dass in Deutschland nicht nur Komödien produziert werden und dass Spezialeffekte nicht aus Hollywood kommen müssen.
Zauberei ist nicht gleich Zauberei – und ein Zauberer ist noch lange kein Harry Potter. So einer wie Krabat schert aus, er passt nicht so recht in den Trend der Märchen- und Fantasyfilme aus Hogwarts, Narnia und Mittelerde. Krabat ist ein düsterer Charakter, beinahe ein Antiheld, zu naiv und zu aufbrausend zugleich, der mit einer Moral daher kommt, die sich nicht auf die schlichte Formel «Gut gegen Böse» einschrumpfen lässt. Einer Moral, die ihm das Leben früh und wenig schonend beibringt: «Glaub mir, Krabat», raunt ihm sein Freund Tonda zu. «Alles auf dieser Welt hat seinen Preis.»
Die Lausitz im 17. Jahrhundert, der 30-jährige Krieg liegt in den letzten Zügen, Krabats Mutter auch. Die Pest rafft sie dahin und lässt den 14-Jährigen als Waisen zurück, der sich daraufhin mit den Vagabunden Lobosch und Baro als Bettler durch das karge Land schlägt. Sie könnten Freunde werden und tatsächlich sagt Krabat später über den kleinen Lobosch, er sei wie ein Bruder für ihn gewesen – Baro aber wird er nicht mehr wieder sehen. Denn Krabat hat einen Traum, immer wieder. Elf Raben tauchen darin auf und eine Mühle, und eine Stimme lockt ihn weg, fort in den Koselbruch bei Schwarzkollm. Zum Meister.
Seine Lehre soll er bei ihm beginnen, als Müllerjunge, doch der Meister bietet noch mehr: «Was soll ich dich lehren?», fragt er. «Das Müllern - oder auch alles andere?» Und Krabat will alles, er willigt ein, besiegelt den Pakt, der sein Leben verändern soll, ohne zu ahnen, dass die Mühle nicht nur Mehl ausspuckt. «Nun mahlt sie endlich wieder», ruft der Meister, kaum, dass Krabat eingeschlagen hat, und der lügt sich in die Tasche: «Ich hab’ keine Angst.»
So rackert sich Krabat ab, gemeinsam mit zehn Burschen und dem Altgesellen Tonda, der ihm zum Freund wird und ihn in so manches Geheimnis einweiht. Mit den anderen hat er es schwerer, mit dem verschlagenen Lyschko, dem tumben Juro und erst recht mit dem hartherzigen Meister, der in Neumondnächten Besuch von einem düsteren «Gevatter» bekommt und Knochen in seiner Mühle mahlt.
Von Tag zu Tag zieht es Krabat stärker fort, weg von der dunklen Mühle. Erst recht, seit er durch Tonda sein Mädchen kennen gelernt hat: Kantorka, eine zarte Schönheit aus Schwarzkollm. Und Krabat lernt die nächste, bittere Wahrheit von Tonda: Der Müller duldet keinen Kontakt zu Fremden. «Ganz egal, was geschieht. Der Meister darf niemals ihren Namen erfahren.» Doch Krabat liebt bereits, also muss er kämpfen, um seine Seele und sein Mädchen, gegen den Tod und die Angst. Und gegen den Meister, der die Jungen in die Schwarze Magie einführt und dafür einmal im Jahr ein Opfer fordert ...
Dass es mehr als 30 Jahre gedauert hat, bis eines der erfolgreichsten Jugendbücher Deutschlands in die Kinos kommt, mag verwundern. Das aber liegt vielleicht auch daran, dass der Stoff sperriger und nicht so leicht auf die Leinwand zu bringen ist, dass Krabat sich nicht mit so erfolgreichen Filmen wie Harry Potter oder den Chroniken von Narnia in eine Reihe stellt. Denn Krabat, verfilmt nach dem Roman von Ottfried Preußler und basierend auf einer sorbischen Sage, ist düsterer, tragischer, dabei aber vor allem lebensnäher. Hier wird keine Märchenwelt auf die Realität, die Gegenwart aufgepfropft. Beinahe schon als Historiendrama angesetzt passen Krabat, Tonda, Kantorka und der Meister in ihre Zeit und ihr Land, die von Krieg, Pest und Armut gezeichnet sind.
Dennoch hat Regisseur Marco Kreuzpaintner (Sommersturm) mit Krabat einen Film voller zeitloser Konflikte geschaffen. Er ist ein Lehrstück über Pflicht und Gehorsam, über den Kampf um Unabhängigkeit und nicht zuletzt das Erwachsenwerden. Und über die Verlockungen der Macht: «Ich biete Dir meine Nachfolge an. Besser als der Tod ist das allemal», verspricht der Meister seinem besten Schüler. Von diesem Moment an geht es für Krabat um alles oder nichts.
Kreuzpaintner hat seinen Film äußerst überzeugend besetzt. Der erst 18-jährige David Kross spielt einen beeindruckenden Krabat mit all seinen Facetten, die Klasse der übrigen Schauspieler - von Daniel Brühl (Tonda) über Christian Redl (Meister) bis Robert Stadlober (Lyschko) - wetzt sogar einige logische Fehler problemlos wieder aus. Und so bezaubernd, so federleicht, wie Paula Kalenberg die Rolle der Kantorka ausfüllt, möchte man sich noch so manche Szene mehr zwischen ihr und Krabat wünschen. Schönes deutsches Kino. Zu schön? Beinahe. Dass aber der Streifen nicht ins Kitschige abdriftet, dafür kann vermutlich niemand der Beteiligten etwas, es wirkt ein wenig wie Glück. Manchmal zu pathetisch in Musik und Beleuchtung, bewegt sich Krabat gerade noch so auf solidem Grund, die handwerkliche Klasse der Kameraführung von Daniel Gottschalk hingegen hat wieder internationales Niveau - ebenso wie die Kostüme von Anke Winckler und die fantastischen Spezialeffekte von Alexander Lemke.
Ottfried Preußler, inzwischen 84 Jahre alt, dürfte zufrieden sein mit der Verfilmung eines seiner größten Erfolge. Auch wenn sich ein Buch wie Krabat nicht in 90 Minuten pressen lässt. Doch die Komprimierung gelingt recht gut, der Stoff ist dicht erzählt, die Landschaft atemberaubend und die Motive fast wie aus einem düsteren Bilderbuch entsprungen. Und selbst in fröhlichen Szenen gelingt es Kreuzpaintner, eine schicksalhafte, pessimistische Stimmung über allem schweben zu lassen. Denn wie Recht hat Tonda, der bereits ahnt, was kommen muss: Alles auf dieser Welt hat seinen Preis. Und die Mühle wird ihn fordern.
Titel: Krabat
Regisseur: Marco Kreuzpaintner
Hauptdarsteller: David Kross, Daniel Brühl, Christian Redl, Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Anna Thalbach
Spielzeit: 120 Minuten
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2008
FSK: ab 12
Kinostart: 9. Oktober 2008
also ich finde es ja gut ne den film habe ich gesehen toll wirklich
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