Von news.de-Redakteurin Nadine Kotré
Shoppen, hip sein, fotografiert werden und ausschließlich dafür berühmt sein – das ist das Leben eines It-Girls. Zu eben diesem wird sie, wenn sie das «gewisse Etwas» hat, sei es Ausstrahlung, Originalität oder Gespür für Mode und neue Trends. So war das jedenfalls noch zu den Anfängen des It-Girl-Daseins.
Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Bezeichnung von Elinor Glyn, einer britischen Schriftstellerin, erschaffen. In ihrem Roman It beschreibt sie, wie sich die junge Verkäuferin Betty Lou in ihren smarten Chef verliebt. Obwohl er sie zu Beginn nicht wahrnimmt, schafft sie es mit ihrer Ausstrahlung ihn für sich zu gewinnen. Mit der Verfilmung des Buches 1927 hielt der Begriff It-Girl endgültig Einzug ins gesellschaftliche Leben. Die Hauptrolle spielte der ehemalige Stummfilm-Star Clara Bow und wurde, wie sollte es anders sein, somit zum ersten realen It-Girl.
Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Heutzutage reichen Ausstrahlung, Attraktivität und Modebewusstsein in den meisten Fällen nicht mehr aus. Wichtiger sind die richtigen Kontakte, am wichtigsten ist der richtige Nachname. Hilton, Richie, Stewart, Missoni - allesamt wohlklingende und vor allem bekannte Namen. Wer einen berühmten Namen trägt und sich nicht allzu ungeschickt anstellt, der wird früher oder später den Titel It-Girl tragen. Denn schon lange handelt es sich beim Begriff It-Girl nicht mehr nur um eine simple Bezeichnung, die zusätzlich zum Beruf angegeben wird. Inzwischen ist es ein Titel, der vor allem in Hollywood, New York und London ebenso erstrebenswert ist wie ein Doktor-Titel.
Das typische It-Girl hat keinen festen Beruf, versucht sich aber in fast allem. Meist mit bescheidenem Erfolg. Finanziell macht sich das allerdings selten bemerkbar. Gesang, Schauspielerei, Modedesign - ein echtes It-Girl tobt sich überall aus. Paris Hilton fasste das einmal treffend zusammen: «Ich bin Schauspielerin, eine Marke, eine Unternehmerin. Ich bin irgendwie alles.»
Viel von ihrem hart erarbeiteten Vermögen investieren, muss das It-Girl dabei aber nicht. Gibt es doch eine Vielzahl von Musik- und Filmproduzenten, die horrende Summen zahlen, nur um ihr Projekt mit dem Namen eines der Mädchen zu schmücken. Eine weitere Einnahmequelle sind lukrative Werbeverträge. So zieren ihre Gesichter die Werbekampagnen - angefangen bei den neuesten Trend-Jeans über Sportschuhe bis hin zu Dosenprosecco. So wird der Marktwert des Unternehmens und gleichzeitig der eigene erhöht.
Doch das sind beiweilen nicht die einzigen Verdienstmöglichkeiten eines wahren It-Girls. Das Sprichwort «Erst die Arbeit dann das Vergnügen» trifft nämlich nicht zu, ist das Vergnügen doch die Arbeit. So lässt man sich zum Beispiel das Erscheinen auf Partys oder Clubs großzügig bezahlen. Handelt es sich gar um die Eröffnung eines neuen Clubs, fällt die Gage noch einmal deutlich höher aus.
Dabei scheint es egal zu sein, ob beispielsweise Lindsay Lohan nun die ganze Nacht durchtanzt oder den Club bereits nach 30 Minuten wieder verlässt. Die Gage hat sich gelohnt, wenn am nächsten Tag Fotos in den Medien erscheinen, die sie in diesem Club zeigen. Dass dabei teilweise auch geltende US-Gesetze überschritten werden, stört offenbar niemanden.
Die 18-jährige Cory Kennedy, seit zwei Jahren im Kreise der It-Girls und eine der wenigen, die aus bürgerlichen Verhältnissen stammt, wird regelmäßig für ihre Abstecher in die angesagten Clubs bezahlt. Dabei ist der Eintritt dort erst mit 21 Jahren legal. Das zu kritisieren wäre sinnlos, schließlich ist sie ein It-Girl, und It-Girls dürfen so etwas. Auch wenn Corey Kennedys Eltern keine Hotelerben oder Sänger sind und «nur» Ausbildungsprogramme organisieren, in einem ist sie den anderen It-Girls gleich: einen richtigen Beruf hat auch sie nicht.
Trends kommen, Trends gehen, ebenso ist es mit It-Girls. Ihre Haltbarkeit ist begrenzt. Spätestens mit Ende 20, wenn das «girl»-Dasein endgültig sein Ende hat, heißt es sich einen richtigen Beruf suchen. Oder hoffen, dass man genügend Clubs besucht hat.