Von Claudia Arthen
Auf ihr hoch gelobtes Kinodebüt Urlaub vom Leben (2005) lässt Nachwuchsregisseurin Neele Leana Vollmar die Tragikomödie Friedliche Zeiten folgen. Ein irreführender Titel. Denn der Film erzählt, was passiert, wenn eine Ehekrise die ganze Familie überrollt.
Über den Fernsehschirm flimmern die Bilder von den Studentenprotesten in Berlin. Doch die 68er-Revolte geht an Familie Striesow völlig vorbei. Mutter Irene und Vater Dieter führen ihren eigenen Kleinkrieg, und die Kinder Wasa, Ute und Flori geraten zwischen die Fronten. Wie bei Urlaub vom Leben spielt auch in Friedliche Zeiten die Familie eine zentrale Rolle. Nur ist es hier nicht der Vater, der aus der Reihe tanzt, sondern die Mutter.
Schon sieben Jahre ist es her, dass Familie Striesow aus der DDR in den Westen fliehen konnte. Doch Mutter Irene sehnt sich noch immer nach den alten Zeiten im Osten zurück und fühlt sich am wohlsten, wenn alle zu Hause sind und «die Kette vor» ist. Das Eingeschlossensein gibt ihr Sicherheit: vor den Nachbarinnen mit ihren «amerikanischen Sitten», vor den «Zweitfrauen» ihres Mannes und vor den Russen, die jederzeit «auf den Knopf drücken» könnten. Gelegentlich wagt sich Irene nach draußen; meist ist sie dann mit einem orangefarbenen Opel unterwegs und gibt Sätze von sich wie «Ich halt’ das nicht mehr aus, ich fahr’ jetzt in die Donau». Und mit Blick auf die Kinder auf dem Rücksitz fügt sie zärtlich hinzu: «Keine Angst, ich nehm’ Euch mit.»
Die Szene, so schrecklich, so wahrhaftig, so komisch, stammt aus Birgit Vanderbekes Roman. Regisseurin Neele Leana Vollmar hält sich strikt an die Vorlage. Auch daran, dass der Film aus der Perspektive der Kinder erzählt wird. Der nüchterne Blick, mit dem die beiden Töchter das Treiben verfolgen, ist eine Weile charmant und amüsant, vor allem weil die beiden Jungschauspielerinnen Nina Monka und Leonie Brill ihre Rollen als altkluge Töchter hervorragend ausfüllen. Doch mit der Zeit trägt die subjektive Erzählweise zur wachsenden Langeweile bei. An manchen Stellen entsteht sogar der Eindruck, als trete der Film auf der Stelle.