Kommentar zu Uwe Vorkötter Primus, Kronprinz, Superchef

Uwe Vorkötter wechselt von der «Frankfurter Rundschau» zur «Berliner Zeitung». Während man in beiden Häusern gute Miene zum bösen Spiel macht, fürchten die Redakteure um ihre Jobs. Das Stühlerücken verspricht nichts Gutes.

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news.de-Redakteur Florian Blaschke. Bild: news.de

Wer gedacht hatte, mit dem Wechsel von Chefredakteur Uwe Vorkötter von der Frankfurter Rundschau zur Berliner Zeitung sei endlich alles klar, tappt nun gerade im Dunkeln. Jetzt gehen die Spekulationen erst richtig los.

Dabei klingt alles zunächst einmal ganz einfach im Hause M. DuMont Schauberg (MDS): Vorkötter geht nach Berlin, Rouven Schellenberger, bisher sein Stellvertreter, und Joachim Frank, stellvertretender Chefredakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger, leiten die FR als Doppelspitze. Der Stadt-Anzeiger bekommt neben Lutz Feierabend einen zweiten Stellvertreter: Burkhard von Pappenheim, bislang Vize der Mitteldeutschen Zeitung. Und die Leiterin der Parlamentsredaktion von Stadt-Anzeiger und Mitteldeutscher Zeitung (MZ), Sibylle Quenett, wird stellvertretende Chefredakteurin der MZ. Alles klar?

Was all das so unschön macht, ist ein kleines, großes Wort: Syndication-Modell. Es klingt so herrlich, hat aber noch nie etwas anderes bedeutet, als Kapazitäten zu bündeln und dadurch Arbeitsplätze zu sparen. Laut der FR soll Vorkötter auch «als Beauftragter für eine stärkere Kooperation von Berliner Zeitung und FR eingesetzt» werden. Eingeschlossen werden sollen zudem Kölner Stadt-Anzeiger und Mitteldeutsche Zeitung, ebenfalls MDS-Blätter.

Im Klartext bedeutet das: Weniger Journalisten machen die gleiche Arbeit. Die Behauptung, man wolle durch diesen «systematischen Austausch von Texten» zwischen den Zeitungen «den Anteil exklusiver Beiträge» erhöhen, wirkt da schon fast wie Hohn, auch wenn es für den einzelnen Leser so aussehen mag.

Schon gießen die ersten Kollegen eimerweise Häme über Vorkötter aus. Während man in Berlin gute Miene zum bösen Spiel macht, spöttelt die FR-Konkurrentin Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über den Wechsel. Vom größten Chef aller Zeiten ist da die Rede, vom «Kronprinz von DuMont», vom «Primus inter pares» oder einfach vom «Superchefredakteur». Verständlich, dürfte die FAZ von einem weiteren Niedergang der FR noch am ehesten profitieren. Das aber ist zu kurz gedacht. Denn Synergieeffekte kosten nicht nur Menschen ihren Job, sie bedeuten in diesem Fall auch einen Verlust an medialer Vielfalt.

kas/news.de

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