Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Hohenfelden
Get Well Soon sind hierzulande noch immer ein Geheimtipp, im Ausland aber eine der erfolgreichsten deutschen Bands. Mit news.de spricht Sänger Konstantin Gropper beim Highfield-Festival über Festivals, die Krise und das neue Album.
Konstantin Gropper ist in mehrfacher Hinsicht ein Verwandlungskünstler. Aus dem Jungen aus Oberschwaben ist ein musikalisches Multitalent geworden, das inzwischen in Berlin lebt. Er schreibt die Musik komplett alleine und tüftelt im Studio an dem Breitwand-Sound zwischen Arcade Fire, Radiohead und den Tindersticks. Doch bei Konzerten wird aus Get Well Soon eine siebenköpfige Formation. Gropper ist dann der souveräne Frontmann im feinen Zwirn – backstage beim Interview trägt er ein graues T-Shirt, wirkt zurückhaltend und liest ein Buch von Heiner Müller zum Zeitvertreib.
Auch diese Lektüre zeigt: So recht scheint er hier nicht hinzupassen. Get Well Soon ist Musik für drinnen. «Festivals sind wirklich manchmal seltsam. Vor allem, wenn wir nachmittags spielen und es hell und sonnig ist. Aber meistens funktioniert das trotzdem gut», sagt Gropper.
Inzwischen ist er Festival-Stammgast. Nicht nur auf hiesigen Bühnen, sondern auch beim Roskilde in Dänemark, Europavox in Frankreich, Lowlands in Holland oder im englischen Glastonbury, beim berühmtesten Festival der Welt. Unterschiede hat er nicht ausgemacht: «Es gibt keine nationale Festival-Identität. Es mag ein Klischee sein, aber es stimmt: Die Musik funktioniert international.»
Eine Erklärung für den Erfolg von Get Well Soon im Ausland hat er nicht. «Es gibt wirklich nicht viele deutsche Bands, die sich international einen Namen gemacht haben. The Notwist gehören dazu, aber dann kommt nicht mehr viel. Bands wie Blackmail hätten sicher auch das Zeug dazu, aber vielleicht haben sie es gar nicht erst versucht. Ich habe gemerkt, dass es viel weniger Ressentiments gibt, als man befürchtet. Womöglich ist das bei vielen Bands ein Fall von falscher Bescheidenheit.»
Vielleicht ist es aber auch ein Sound, der wunderbar in diese Zeit passt, weltweit: erwachsen, schwelgerisch, ausgereift, melancholisch und voller Sehnsucht. Gropper selbst hat seine Musik einmal «Zusammenhalt-Lieder» genannt. «Ich bin nicht gerade der optimistischste Mensch, und das merkt man in den Liedern. Trotzdem soll es da aber immer so etwas wie Hoffnung geben.»
Derzeit arbeitet er am neuen Album, das im Januar erscheinen soll. Ob die Wirtschaftskrise die Nachfrage nach Zusammenhalt-Liedern steigern wird? «In jedem Fall hat mich das Thema sehr beschäftigt. Ich habe mich intensiv mit den Stoikern befasst und der Frage, wie man mehr Bescheidenheit lernen kann. Aber es wird keine Lieder mit einem politischen Appell geben. Das alles wird verpackt in Poesie», verrät der 27-Jährige.
Musikalisch soll alles noch ein bisschen größer werden. Gerade wurden die Streicher und Bläser aufgenommen. Man merkt ihm die Vorfreude an. Gerne würde Gropper die neuen Songs auch schon live spielen: «Aber die anderen müssen die Stücke erst noch lernen.»
car/news.de