Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Hohenfelden
Zum letzten Mal findet das Highfield-Festival am Stausee Hohenfelden (Thüringen) statt. Der erste Tag hatte Dauerbrenner und Spätzünder zu bieten – und ein paar Knallfrösche.
Den Abschied vom Stausee in der Nähe von Erfurt machte nur Clueso zum Thema. Artig bedankte sich der Erfurter bei den Veranstaltern für viele schöne Jahre und schickte dann ein rührendes So sehr dabei hinterher. Auch sonst machte sein Auftritt klar: Dieser Mann könnte hier nicht einmal mehr willkommen sein, wenn er Freibier mitgebracht hätte. Mehr Heimspiel geht nicht – und Clueso nutzte seine überzeugende Show, um seine Fangemeinde noch ein bisschen mehr einzuschwören.
Am ehesten geisterverwandt mit dem Sound des Thüringers ist die Musik von Port O’Brien, die am Nachmittag reichlich Hippie-Gefühl und wunderbaren Westcoast-Entspanntheit auf die Hauptbühne brachten – inklusive Batikshirt. Dass Woodstock tatsächlich schon 40 Jahre her sein soll, mochte man kaum glauben.
Leider stürmten die Kalifornier diesmal aber nicht die Bühne bei Get Well Soon, mit denen sie sich während einer gemeinsamen Tour angefreundet haben. Doch auch ohne diese Verstärkung schaffte es der deutsche Exportschlager um Konstantin Gropper, zugleich schwelgerisch und kraftvoll zu klingen. Wie sie den Techno-Kracher Born Slippy in Kammermusik verwandeln, ist noch immer ein Erlebnis. Ansonsten freute sich der Frontmann, «dass das Wetter nicht so ist wie gestern», es also statt Hochsommer viele Wolken und ein paar Schauer gab.
Den Auftritt der Americana-Veteranen Wilco nutzten denn auch viele Besucher, um zu schauen, ob es in ihre Zelte geregnet hat. Da half auch eine Extra-Portion Lautstärke nicht: Die Könner aus Chicago wirkten deplatziert – und fühlten sich auch so. Für die Männer und Frontmann Jeff Tweedy war wohl nicht einmal die Tatsache ein Trost, dass die Karo-Hemden, die sie seit 20 Jahren tragen, plötzlich wieder angesagt sind.
Danach erwiesen sich die Wombats als echte Dauerbrenner. Sänger Matthew Murphy verlor den Knallfrosch-Wettstreit um den Titel als bester Frontmann zwar deutlich gegen Paul Smith von Maximo Park, die später eine vor allem am Ende mitreißende Show hinlegten. Doch die Liverpooler wirken tatsächlich so, als hätten sie noch immer riesigen Spaß an den Songs, die sie seit zwei Jahren auf quasi jede Bühne der Welt tragen. Auch die Fans störte nicht, dass die Wombats nur ein neues Stück dabei hatten: Die Lieder vom Erfolgsalbum A Guide to Love, Loss & Desperation sind einfach zu gut um sich zu verbrauchen.
Die Arctic Monkeys hatten hingegen Probleme mit den neuen Stücken – und machten unmissverständlich klar, dass sie keine Lust hatten, die Partyband zu sein, auf die alle gehofft hatten. Zum Beginn gab es reichlich Stücke vom schwierigen neuen Album Humbug und sogar eine B-Seite. Dazu quälend lange Pausen zwischen den Stücken, die ebenfalls mächtig auf die Stimmung drückten. Als sie gerade Gefahr liefen, die Vorfreude und Vorschusslorbeeren überzustrapazieren, gab es aber doch noch den zündenden Moment: Still Take You Home wurde zum Wendepunkt ihrer Show. Im Fantrubel vor der Bühne wurden gar bengalische Feuer gezündet, und von da an gab es fast nur noch Hits. Damit machten die Headliner doch noch deutlich, warum sich die knapp 25.000 Fans so sehr auf sie gefreut hatten.
car/news.de