Von news.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald
20 Jahre nach «Gefährliche Liebschaften» ist Michelle Pfeiffer (51) erneut in einem Kostümfilm zu sehen: In «Chérie» spielt sie eine Edelkurtisane, die sich am Ende ihrer Karriere verliebt. News.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald spricht mit dem Hollywoodstar.
Sie spielen in Chérie eine Edelkurtisane im ausgehenden 19.Jahrhundert – hätten Sie selbst gerne in dieser Zeit gelebt?
Pfeiffer: Nein, ich bin in der Gegenwart ziemlich zufrieden. Ich weiß zwar nicht, ob es in der überschaubaren Welt von damals vielleicht leichter gewesen ist, glücklich zu sein. Aber ich vermute, dass für uns Frauen das Leben heute viel einfacher ist als früher: Wir haben mehr Möglichkeiten und sehr viel mehr Freiheit.
Sie haben sich in letzter Zeit ziemlich rar gemacht auf der Leinwand – wie wurden Sie für diesen Film überzeugt?
Pfeiffer: Wer kann einem Angebot von Stephen Frears schon widerstehen? (lacht) Ich habe wirklich so schöne Erinnerungen an die Dreharbeiten von Gefährliche Liebschaften, dass ich eigentlich seit damals auf ein neues Projekt mit ihm gehofft hatte. Als ich das Drehbuch gelesen habe, war ich sofort begeistert von dieser wundervollen Rolle.
Mit welchen Erinnerungen denken Sie zurück an Gefährliche Liebschaften?
Pfeiffer: Michelle war damals viel jünger! (lacht). Ich war noch auf der Suche nach den wichtigen Dingen im Leben, und alles hat sich eigentlich nur um meine Arbeit gedreht. Seit ich Mutter bin, hat sich das natürlich alles geändert, jetzt ist für mich meine Familie das wichtigste in meinem Leben.
Die Gefährlichen Liebschaften sind 20 Jahre her, wie hat sich das Filmgeschäft inzwischen verändert?
Pfeiffer: Damals wurden viel weniger Filme gedreht. Da gab es auf der einen Seite die Studios mit ihren großen Projekten. Und auf der anderen Seite gab es ein paar wenige Kunstfilme aus dem Independent-Sektor. Heute hat sich die Szene verändert, es entstehen mehr Filme, weil die Finanzierung inzwischen ganz anders funktioniert.
War Schönheit je ein Problem für Ihre Arbeit als Schauspielerin?
Pfeiffer: Es gab wohl schon ein paar Rollen, die ich wegen meines Aussehens nicht bekommen habe – aber das geht allen Schauspielern so.
Gibt es eine Szene, auf die Sie besonders stolz sind?
Pfeiffer: Das kann ich nicht sagen, denn ich blicke nicht zurück und schaue mir meine alten Filme nicht mehr an. Mir genügt es völlig, wenn ich mich bei der Premiere auf der Leinwand sehen – alles weitere ist kein Vergnügen mehr für mich, dafür bin ich viel zu kritisch: Ich sehe all die Fehler und ärgere mich, dass man sie nicht mehr ändern kann.
Andere Leute sehen Ihre Arbeit nicht ganz so kritisch…
Pfeiffer: Das Lob freut mich natürlich, es wäre doch schrecklich, wenn meine Selbstkritik von anderen auch noch bestätigt würde! (lacht) Aber letztlich lasse ich mich davon nicht wirklich beeinflussen, ich weiß schon genau, an welchen Stellen ich hätte besser sein können.
Die Kamera liebt Sie offensichtlich – ist es umgekehrt genauso oder sind Sie nervös bei Dreharbeiten?
Pfeiffer: Ich liebe die Schauspielerei, zur Kamera habe ich kein besonderes Verhältnis. Sehr ungern spiele ich Szenen, in denen ich direkt in die Kamera schauen muss und vorgebe, dass ich eine andere Person anschaue – aber solche Sequenzen lassen sich nun einmal leider nicht vermeiden.
Wie viel Spaß macht es, zu den 50 schönsten Menschen gezählt zu werden?
Pfeiffer: Seine Schönheit zu bewahren, erfordert viel Arbeit und noch mehr Disziplin. Sie können mir glauben, wie sehr ich das hasse! Aber wenn ich fit aussehen will, kann ich einfach nicht so essen wie ein Schwein. Es gibt keine magische Pille und keine geheime Diät: Man muss einfach Sport machen.
Halten Sie die Disziplin nonstop durch oder lassen Sie sich auch einmal gehen?
Pfeiffer: Vor und während einem Film bin ich eisern – aber danach lasse ich mich natürlich schon auch ein bisschen gehen. Man sieht dann schnell ganz anders aus, und ich zeige mich nur noch möglichst wenig in der Öffentlichkeit. Ich habe ein ziemlich gutes Gespür dafür, wann ich mich zeigen kann und wann ich mich besser verstecke.
Wie fühlt man sich mit 50?
Pfeiffer: Diese magische Altersgrenze hat für mich keine große Rolle gespielt, weil ich mir vorher nie viele Gedanken darüber gemacht habe. Natürlich war mir klar, dass diese Zahl 50 gerade für Frauen als ein Stigma gilt. Umso überraschend war für mich, dass dieser Tag kam und vorbei ging – und anschließend war fast alles wie zuvor.
Was war anders?
Pfeiffer: Man spürt schon, dass man nun in der zweiten Halbzeit spielt. Man wird sich plötzlich bewusst darüber, dass die Zeit des eigenen Lebens nicht unbegrenzt ist. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, die Momente des Glücks viel intensiver zu genießen und viel dankbarer für mein Leben zu sein. Zugleich verschwindet der ganze Druck, der früher auf einem lastete. Man nimmt alles gelassener.
Fällt es Frauen heute leichter zu altern als früher?
Pfeiffer: Absolut. Ich habe beschlossen, 50 ist die neue 30.Verbreiten Sie das bitte überall! (lacht)
Die Gretchenfrage zum Schluss: Wie halten Sie es mit Schönheitsoperationen?
Pfeiffer: Ich habe nichts gegen Schönheitsoperationen – solange sie gut gemacht sind. Niemand hat wohl etwas dagegen, wenn er sein Aussehen ein wenig verbessern kann. Die Sache scheint allerdings etwas außer Kontrolle zu geraten. Dass es diesen Jugendwahn nun fast in allen Lebensbereichen gibt, finde ich schon etwas beängstigend.
Der Film Chérie startet am 27. August in den deutschen Kinos.
arc/bla/news.de