Von Caroline Bock - 18.08.2009, 05.00 Uhr

60 Jahre Deutsche Presse-Agentur: Was Sie schon immer über die dpa wissen wollten

«Und ihr lest den ganzen Tag den Ticker?» - wer bei der dpa arbeitet, muss oft erklären, wie eine Nachrichtenagentur funktioniert. Hier zehn Fragen, die viele dpa-Redakteure kennen, wenn es zum Beispiel auf einer Party um den Job geht.

Und ihr lest den ganzen Tag den Ticker?

Wir lesen den Ticker nicht, sondern wir schreiben die Meldungen. Dass Nachrichten auf einer Rolle Papier aus dem Tickergerät quellen, ist aber von gestern. Heute lesen unsere Kunden die dpa auf dem Computerschirm.

Das Kürzel kenne ich aus der Zeitung, aber was macht die dpa eigentlich genau?

Wir versorgen Medien mit Nachrichten, mit Texten, Bildern, Audio-, Grafik- und Videobeiträgen. Die Spanne reicht von der kleinen Meldung bis zur großen Reportage.

Was passiert mit dem, was du geschrieben hast - wo landen dpa-Meldungen?

Was unsere Kunden aus dem dpa-Material machen, ist ihre Entscheidung. Die Meldung kann im Internet oder in der Zeitung stehen, bei der Tagesschau laufen oder im U-Bahn-Fernsehen zu sehen sein. dpa-Meldungen sind sehr oft Anregungen für eigene Recherchen und Stoff für Moderationen.

Ist die dpa staatlich?

Nein. Wir wurden von deutschen Medienhäusern gegründet und gehören unseren Kunden.

Woher kommen eigentlich die Nachrichten?

Es gibt zwei Arten von Nachrichten: Geplante wie zum Beispiel Pressekonferenzen. Und Ereignisse, die einfach passieren und nicht planbar sind. Wenn ein Flugzeug abstürzt oder ein Minister zurücktritt: Das wollen wir als erstes vermelden. Oft geben uns Augenzeugen und Informanten Tipps oder Behörden wenden sich an uns, wenn etwas passiert. Internet, Zeitungen, Radio und Fernsehen sind darüber hinaus wichtige Quellen für uns. Aber bei einem Reporter ist der Radar eigentlich die ganze Zeit an: Auch am Strand, in der Kneipe oder an der Bushaltestelle kann man Themen für Meldungen und Features aufschnappen. Das sind dann oft die Berichte, die besonders viel Spaß machen, weil niemand sonst darauf gekommen ist.

Ist es nicht langweilig, nur Nachrichten zu schreiben?

Nein, überhaupt nicht. Wer bei der Nobelpreisverleihung in der Wissenschaftsredaktion wirbelt, beim G8-Gipfel mit dem Abschlusspapier durch das Pressezentrum hechtet oder nach einem Prozess das Urteil als Eilmeldung durchtelefoniert - der spürt das Nachrichtenfieber. Die dpa setzt Themen. Darauf sind wir stolz.

Wie verdient die dpa ihr Geld - ich habe gehört, ihr seid teuer?

Medien können sich aus Bausteinen ihr dpa-Angebot zusammenstellen und zahlen dafür quasi einen Abo-Preis. Verglichen mit dem Preis von vor zehn Jahren bekommt eine Tageszeitung die dpa heute mehr als 20 Prozent günstiger. Und das bei einem Angebot, das ausgedruckt so dick ist wie das Hamburger Telefonbuch - jeden Tag. Darüber hinaus gibt es auch Beiträge für das Radio und viele andere journalistische Formate.

Macht das Internet euch nicht überflüssig, da gibt es ja eigentlich alles umsonst?

Vieles, was im Internet steht, kommt von der dpa. Noch gibt es kein Patentrezept dafür, wie im Netz Geld zu verdienen ist. Sicher ist: Der «Bürgerjournalismus», also die Beteiligung aller Internetsurfer, ist eine Bereicherung. Aber Nachrichten bleiben etwas für Profis. Die Gefahr, an veraltete oder falsche Meldungen zu geraten, ist im Internet groß. Informationen sammeln, prüfen und aufbereiten sowie Nachrichten gut schreiben: Das ist ein Handwerk, das man lernen muss.

Nennt man euch nicht die alte Tante dpa?

Eine alte Tante ist ja durchaus sympathisch, das ist aber auch das einzige, was sie mit der dpa gemein hat. Die Agentur ist eher der junge Neffe. Wir hatten als erste Nachrichtenagentur einen Onlinedienst und einen eigenen Dienst für Kinder. Wir schauen der Medienentwicklung nicht von einem Schaukelstuhl aus zu, sondern wir gestalten sie mit.

Aber anders schreiben als bei einer Zeitung muss man schon, oder?

Nein, die Auswahl der Themen und die Sprache sind bei der dpa viel lockerer und lebendiger geworden. Eine Überschrift wie Berlusconi überlebt Gipfel oder ein Bericht über das Dekolleté der Kanzlerin, das ist heute selbstverständlich.

Weiterführende Links:

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Die «besten» Fehler der dpa: «Rebell bei Scheißerei getötet»
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bla/ped/news.de/dpa

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