Neuer Mankell-Krimi Wallander kämpft mit Alzheimer

Henning Mankell hat doch noch einen zehnten Wallander-Krimi geschrieben. (Foto)
Henning Mankell hat doch noch einen zehnten Wallander-Krimi geschrieben. Bild: dpa

Von Thomas Borchert
Trotz aller Versprechen, keinen zehnten Wallander-Krimi zu schreiben, gibt es wieder Lesestoff für die Fans von Henning Mankell - allerdings erstmal nur für die schwedischen. Trostpreis für Deutschland: Die ARD wiederholt die Wallander-Filme.

Leidet Kommissar Kurt Wallander an beginnendem Alzheimer? Das ist die düstere und alles überschattende Frage in Henning Mankells neuem Roman mit dem knurrigen Kripomann aus Ystad. Schwedische Leser können die Antwort jetzt auf der letzten von 555 Seiten nachlesen, während sich die deutsche Fangemeinde noch bis zum Frühjahr 2010 gedulden muss.

Nach zehn Jahre Pause hat Schwedens erfolgreichster Krimiautor mit Der unruhige Mann (Den orolige mannen, Leopard Verlag, Stockholm) sein Versprechen an sich selbst gebrochen, keinen zehnten Wallander-Krimi zu schreiben. Ihn hätten vor allem unbewältigte schwedische Konflikte aus der Zeit des Kalten Krieges und der Kampf vieler Menschen jenseits der 60 mit Gedächtnislücken wieder zum Schreiben gebracht, erzählte Mankell bei einer Präsentation.

Wallander, ziemlich einsam, beruflich nicht mehr so fest im Sattel und von Tochter Linda zum Opa gemacht, erlebt extrem beängstigende «Löcher» (Was will ich eigentlich? Was ist passiert?) bei der Suche nach Louises verschwundenen Schwiegereltern. Der adlige Schwiegervater war hoher Marineoffizier und bis in die 1980er Jahre an der Jagd nach mysteriösen fremden U-Booten vor Schwedens Küste beteiligt. Als auch die Ehefrau wie vom Erdboden verschluckt ist, kommt der Verdacht auf, dass einer von beiden vielleicht bei der großen U-Boot-Jagd vielleicht «der» Spion für Moskau gewesen sein könnte.

Die Spannung bis zur Auflösung dieses Rätsel hält sich in Grenzen, und sie fällt nicht sonderlich originell aus. Mankell treibt die Geschichte, wie immer in seinen Krimis, langsam bis betulich voran. Zu betulich, zu wenig originell, mit enorm viel Leerlauf und einem in Schweden doch reichlich ausgelutschtem Thema, muss man wohl sagen.

Mehr Mühe und Liebe hat der 61-jährige Autor auf die Schilderung von Wallanders erfolglosem Kampf gegen das Altern verwandt. Trost immerhin für mitfühlende Leser: Der Kommissar vergisst zwar beim einsamen abendlichen Trinken in einer Ystader Kneipe seine geladene Dienstwaffe und kann sich hinterher an nichts erinnern. Aber später kommt ihm dann doch noch die brillante Idee zur Lösung des Falles.

Das «wirkliche» Ystad an Schwedens Südspitze erlebt gerade wieder eine sommerliche Invasion von Wallander-Fans auf der Suche nach Schauplätzen. Diesmal kommen sie aus Großbritannien, nachdem Kenneth Brannagh in drei neuen TV-Verfilmungen als inzwischen vierter Wallander-Darsteller brilliert hat. Die Filmreihe Mankells Wallander mit Krister Henriksson in der Hauptrolle wiederholt das Erste ab diesem Samstag. Den Anfang macht Der unsichtbare Gegner. Der Kommissar lebt für die Krimi-Gemeinde in höchstem Maß weiter. Ob mit oder ohne Alzheimer.

Mankell aber macht Schluss, wie man auf Seite 555 nachlesen kann: «Die Erzählung von Kurt Wallander ist unwiderruflich zu Ende.» Die vielleicht zehn oder mehr Jahre, die noch blieben, gehörten nur ihm, seiner Tochter Linda und Enkel Klara, niemandem sonst.

Weiterführende Links:

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ped/juz/news.de/dpa

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