25.000 Fans und ein Abschied
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Artikel vom 16.08.2009
Am kommenden Wochenende wird das Highfield-Festival 25.000 Rockfans nach Thüringen locken. Künstler wie die Toten Hosen, Arctic Monkeys oder Faith No More treten auf. Dann zieht das Festival um – wahrscheinlich ins Leipziger Umland.
Nächsten Sonntag kurz nach Mitternacht fällt der Vorhang. Als letzte Band beim Highfield-Festival werden die Toten Hosen spielen, und vielleicht ertönt zum Schluss ihr Rausschmeißer Schönen Gruß, Auf Wiedersehen. Es wird dann nicht nur das Lebewohl für 25.000 Musikfans sein, die drei Tage lang gefeiert haben, sondern auch der Abschied von Hohenfelden. Der Stausee in dem Örtchen mit knapp 400 Einwohnern in der Nähe von Erfurt lieferte stets die malerische Kulisse für die Musik. Doch für 2010 sucht das Festival eine neue Heimat.
Denn die Agrargenossenschaft Bad Berka, der das Land rund um den See gehört, will dort kein Rockfestival mehr haben und hat den Pachtvertrag nicht verlängert. Seit den Anfängen des Festivals im Jahr 1998 stieg die Besucherzahl beim Highfield von 10.000 auf zuletzt 25.000. Auch in diesem Jahr ist die Veranstaltung schon fast ausverkauft, einige Tickets gibt es jedoch noch.
Die Belastung durch so viele Menschen sei für die 50 Hektar große Fläche enorm. «Das Gelände sieht nach dem Festival aus wie eine Mülldeponie. Die Ertragsfähigkeit des Bodens leidet», erklärt Karl-Otto Schreivogel, Chef der Agrargenossenschaft. Spätestens ab kommenden Frühjahr soll es hier wieder heißen: Getreide statt Getrampel.
Die Gemeinde bedauert den Weggang des Festivals. Finanziell habe man zwar kaum profitiert. «Aber Hohenfelden war dadurch in aller Munde», sagt Bürgermeister Thomas Worche. Er habe aber Verständnis für die Argumente der Agrargenossenschaft. Bei den Stammgästen ist das nicht immer so: Im Forum des Festivals äußern Fans die Befürchtung, mit einem Umzug werde die Veranstaltung auch wachsen und ihren familiären Charme verlieren.
Solche Bedenken will der Veranstalter gerne zerstreuen. «Das Festival wird auch am neuen Standort seine inhaltliche Ausrichtung behalten», sagt Alexandra Mierau von der Konzertagentur FKP Scorpio aus Hamburg. Auch wenn die Bühnen dann nicht mehr in Hohenfelden stehen werden, bleibt auch der Name: «Highfield hat sich als Marke etabliert. Es gibt eine treue Fangemeinde. Deshalb möchten wir auch gerne in der Region bleiben.»
Das Anforderungsprofil an die neue Heimat des Festivals: verkehrsgünstige Lage, höchstens 300 Kilometer vom bisherigen Veranstaltungsort entfernt, Platz für 25.000 Fans samt Camping und Parken. Mindestens. Dass das Festival größer wird, will Mierau nicht ausschließen: «Die Kapazität hängt vom Gelände ab.»
Mehrere potenzielle Areale wurden bereits besichtigt. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, stehe aber unmittelbar bevor. Wenn nächsten Sonntag in Hohenfelden die Lichter ausgehen, soll die neue Heimat möglichst schon bekanntgegeben werden.
In Löbnitz etwa würde man sich auf das Highfield freuen. Die Gemeinde nördlich von Leipzig hat bereits Erfahrung mit Festivals: Zum ehemaligen Flughafen im Ortsteil Roitzschjora pilgern jährlich mehr als 20.000 Hardrock-Fans und feiern «With Full Force».
Nach Ansicht von Bürgermeister Axel Wohlschläger könnte die Gemeinde «noch ein zweites Festival in ähnlicher Größenordnung verkraften. Das wäre kein Problem.» Beim Betreiber des Flughafens gibt es allerdings noch keine Anfrage. Zudem gibt es hier ein Problem: Die Kapazität des Flughafengeländes ist nicht beliebig erweiterbar.
Auch im benachbarten Pouch, wo bis zum vergangenen Jahr das Splash-Festival stattfand, könnte man ein Event dieser Größenordnung stemmen. Allerdings findet auf der Halbinsel Mitte August immer die Motorboot-Weltmeisterschaft statt, es könnte also Terminschwierigkeiten geben. Und auch dort gab es bisher noch keine Anfrage vom Highfield.
Der heißeste Kandidat liegt südöstlich von Leipzig: Nach Informationen von news.de hat der Veranstalter bereits das Gelände rund um den Störmthaler See besichtigt. Demnächst wird eine Delegation der Gemeinde Großpösna noch einmal zu einem Treffen mit dem Veranstalter FKP Scorpio reisen, um die Planungen voranzubringen. Die Gemeinde hält sich bedeckt. «Es laufen Gespräche», bestätigt Bauamtsleiter Detlef Richter lediglich.
Nach news.de-Recherchen wird über eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren verhandelt. Das will der Veranstalter zwar nicht bestätigen. Doch auch Alexandra Mierau sagt: «Umzüge sind nie schön. Wenn der neue Ort feststeht, wollen wir da auch erst einmal bleiben.»
news.de
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