Von news.de-Mitarbeiter Paul Salisbury
Die Pornobranche ist en vogue in Hollywood. Nach der Dokumentation «9to5» kommt nun «Zack and Miri Make a Porno» von Regisseur Kevin Smith in die Kinos. Eine charmante Komödie, die so gar nichts mit dem als schmuddelig verschrienen Sexgewerbe zu tun hat.
Wenn der Pleitegeier über einem kreist und man dem lästigen Vogel nicht mehr so recht entrinnen kann, kommt man mitunter auf Ideen, die eher aus der Verzweiflung als aus der Vernunft heraus geboren sind. Da überlegt man schon mal, ungeliebte Verwandte anzupumpen oder es huscht einem sogar ein Gesetzesbruch durch den Kopf, wenn man an der örtlichen Sparkassenfiliale vorbeischlendert.
Zack und Miri, die titelgebenden Protagonisten von Kevin Smiths (Dogma) neuer Komödie Zack and Miri Make a Porno, sind besonders verzweifelt, denn im gemeinsamen Haus in Pittsburgh hat man ihnen gerade die Heizung abgestellt, und das mitten im frostreichen Winter. Mit dem mickrigen Gehalt, das beide hinter der Theke im Coffeeshop um die Ecke verdienen, scheint der Weg aus dem Pleitesumpf nicht zu bewältigen.
Der erhoffte Geistesblitz zur Krisenbewältigung kommt den beiden platonischen Freunden beim zehnjährigen Klassentreffen, als Miris Schwarm Bobby, der einstige Footballstar der Schule, seine lukrative aktuelle Profession preisgibt: Zu Miris großem Bedauern ist Bobby nämlich Erotikdarsteller in Filmen «mit rein männlicher Besetzung».
Was Miri missmutig stimmt, bringt Zack auf jenen Plan, den der Titel so einfach und direkt zusammenfasst. Allerdings dauert es eine Weile bis Zack seine langjährige Kumpeline und Mitbewohnerin davon überzeugt hat, dass Sex mit ihm, dazu vor der Kamera, eine tolle Idee ist. Aus Mangel an besseren Vorschlägen, schnell an Geld zu kommen, gibt Miri schließlich zum Beischlaf vor der Linse ihr Einverständnis.
Eine Kamera ist schnell aufgetrieben, den Produzenten gibt ein Arbeitskollege mit etwas Geldvorrat im Sparstrumpf, und auch das Casting der Co-Darsteller geht zügig vonstatten. Selbst als der schon voll ausgestattete Drehort der Abrissbirne zum Opfer fällt und man spontan den Kaffeeladen, in dem Zack und Miri tagsüber weiterhin malochen, zur neuen Sexkulisse erklären muss, scheint das ambitionierte Vorhaben der Pornodebütanten nie ernsthaft gefährdet. Doch dann kommt den zunächst so abgebrüht wirkenden Branchenneulingen etwas in die Quere, was beim Porno einfach mal nichts zu suchen hat: die Gefühle.
Regisseur Kevin Smith hat schon in der Vergangenheit oft bewiesen, dass er sympathische Loser und deren Sexualleben in sehr unterhaltsamen Erwachsenen-Komödien zu verwerten versteht. Mit Filmen wie Chasing Amy oder Clerks war er in den Neunzigern der König der anzüglichen Independent-Komödie Made in USA.
Doch nach der Jahrtausendwende hat Smith Konkurrenz bekommen, vor allem Regisseur und Produzent Judd Apatow (40, männlich, Jungfrau, sucht oder Beim ersten Mal) lässt mit einer ganz ähnlichen Mixtur die Kinokassen überm Teich gehörig klingeln. Es wundert also kaum, dass man nun einige der Gesichter aus den Apatow-Filmen in Smiths neuer Komödie wiedersieht.
Am prominentesten unter diesen Gesichtern ist wohl das fleischige Antlitz Seth Rogens, der als Zack sein Geld auf jeden Fall wert ist, denn kaum einer verkörpert den gutherzigen Tunichtgut derzeit so überzeugend und unterhaltsam wie er. Und auch Elisabeth Banks, von deren humoristischem Talent man sich unter anderem in der Erfolgsserie Scrubs schon überzeugen konnte, versprüht einigen Charme auf der Leinwand, was angesichts der derben Dialogzeilen, die Smith ihr permanent in den Mund legt, eine reife Leistung ist.
Smiths einfaches Rezept, liebenswerte Verlierer und ihre sexuellen Dilemmas zu schildern, geht, vor allem dank seines gewinnendem Hauptdarsteller-Duos, auch diesmal weitestgehend auf. Das letzte Drittel leidet etwas unter dem Versuch, dem Ganzen doch noch eine romantische Wende zu geben, die so gar nicht zum barschen Rest passen will. Aber Schwamm drüber, schließlich ist über eine Stunde Humor der derben Sorte absolut ausreichend. Und außerdem: Bei einem «echten» Porno guckt auch kaum einer bis zum Schluss.
Titel: Zack and Miri Make a Porno
Darsteller: Seth Rogen, Elisabeth Banks, Craig Robinson, Jason Mewes, Jeff Anderson, Traci Lords
Regie: Kevin Smith
FSK: ab 16 Jahre
Filmlänge: 101 Minuten
Kinostart: 13. August
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