Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Peter Doherty gibt einen seiner raren Deutschlandauftritte, Dendemann könnte in Prollfilmen mitspielen und breiiger Sound ist besser als gar keiner. Das sind nur einige Erkenntnisse des ersten Tags auf dem Berlin Festival.
Das vierte Berlin Festival wird in einem kleinen abgesperrten Teil des stillgelegten Flughafens Tempelhof gefeiert – mit 30 Bands und 50 DJs. In den vorherigen Jahren fand es zweimal in der Pampa außerhalb Berlins statt, 2007 in der Poststation in Moabit.
Wie von Terminal zu Terminal pilgert nun das Publikum von einer Bühne zur anderen. Rastlos. Nur um festzustellen, dass vor der Hauptbühne in einem Flugzeughangar der Sound noch mehr scheppert und damit schlechter ist als vor der kleinen Bühne unter der Überdachung der Flughafenfront. Die Anzeigentafeln sagen nichts mehr über Flüge in die Welt aus, sondern über die Reihenfolge der Bandauftritte. Der Betonboden lässt Füße schmerzen. «Es wäre doch viel schöner, wenn wir dort drüben auf der Wiese feiern dürften», sagt Alex. Die 30-jährige Berlinerin deutet über den Absperrzaun vorbei auf eine grüne Fläche mitten auf dem Flughafen. Doch das ist mit Rücksicht auf die Anwohner nicht möglich.
Denn seitdem Tempelhof als Event- und Messestandort genutzt wird, beschweren sich die Anwohner über Lärm und Stau, wie bei der Modemesse Bread&Butter oder dem Festival Pyromusikale im vergangenen Monat.
Ein Verkehrschaos gibt es am ersten des Tag des Festivals übrigens nicht. Brav kommen die meisten Besucher mit dem Fahrrad. Kein Wunder bei einem Musikevent mitten in der Stadt. Veranstalter Cornelius Opper hofft auf bis zu 10.000 Besucher. Am Einlass wird klar, wie er diese Anzahl von Menschen auf das kleine Areal zwischen Flughafenrestaurant, Rosinenbomber und Hangar bringen will: Die Schlange am Gästeliste- und Presseeinlass reißt bis zwei Uhr morgens nicht ab. An der Abendkasse nebenan steht keiner.
Durch die überdachten Bühnen kommt Clubatmosphäre auf. Auf der Hangar-Hauptbühne spielt Dendemann. Der Hamburger Rapper sieht mit Jeanshose-Jeansweste-T-Shirt-Kombination und Schnauzbart aus, als wäre er direkt vom Set zum Dreh des dritten Manta-Manta-Films gekommen. Die cleveren Reime des Ex-Eins-Zwo-Mannes gehen in einer breiigen Soundmasse unter. Wer seine Texte nicht kennt, wird sie hier auch nicht kennenlernen. Irgendwann sagt er zwischen den Songs nur noch «bla, bla, bla». Er merkt, dass an so einem Auftrittsort kein Festivalsound entstehen kann. Ein «Ich fühle mich unverstanden», schickt Dendemann dann noch hinterher.
Auf der kleineren Bühne haben Whomadewho aus Dänemark richtig Lust zu spielen und das Publikum hat Spaß beim Tanzen. Die erste wirkliche Rockgitarre des Abends erklingt und wird später wieder zur Unkenntlichkeit verzerrt. Gitarrist Jeppe Kjellberg steigt auf die Boxen, springt waghalsig herunter. Wo Whomadewho sind mit ihrem Indie-Dance-Disco-Funk, ist die Party. Wo Peter Doherty ist, nicht unbedingt. Bei den Babyshambles noch Pete genannt, hat er sich mit dem r in seinem Namen auch eine gehörige Portion Langeweile zugelegt.
Die Begeisterung der Fans vor der Hauptbühne, die ihm zujubeln, entsteht wohl eher aus einer Erleichterung heraus, dass der Herr überhaupt gekommen. Vor seinem Auftritt, den er pünktlich 0.30 Uhr und ungewöhnlich nüchtern beginnt, wird gemunkelt, er habe sein Flugzeug verpasst, käme später oder gar nicht. Was dann auf die Bühne kommt, sind ein Mann und seine Gitarre. Er wirkt abwesend, singt teils seltsam zart, passend zu den beiden Ballerinas, die im Hintergrund umhertänzeln. «Er ist kein Typ für große Hallen», twittert Japo65 daraufhin. Die Fans hatten wohl erwartet, dass er rotziger ist. Mit seiner Musik ist er kein Headliner für ein Festival, dass ab 0:30 Uhr doch gute Laune bereiten soll, wenn noch bis 7 Uhr morgens weitergefeiert werden soll.
Der Berliner Morgenpost sagte Veranstalter Opper: «Das Berlin Festival ist das Festival für Leute, die keine Festivals mögen.» Gut gemeint war´s.
Weiterführende Links:
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Dossier zum Thema:
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Aus dem Netz:
Die Bildergalerie vom ersten Tag des Berlin Festival bei intro.de
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