Von Torsten Landsberg
Endlich rollt der Ball wieder. Nach einer einjährigen Probezeit bedeutet die neue Fußballsaison auch den endgültigen Anstoß für das Internetradio 90elf, das sich angesichts der gestiegenen Abopreise im Pay-TV um rund 13 Euro einen höheren Zulauf verspricht.
«Wir gehen davon aus, dass es in der neuen Saison mehr wird», sagt Christoph Kruse, 90elf-Projektmanager der Regiocast Digital GmbH mit Sitz in Leipzig. Bis 2013 hat 90elf - sinnbildlich für 90 Minuten und elf Spieler einer Mannschaft - kürzlich die Live-Hörfunkrechte der 1. und 2. Bundesliga für das Internet, Kabel und die digitale Terrestrik mit den Verbreitungskanälen DVB-T und DAB+ von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erworben. Auf Sendung ging das Internetradio im August vergangenen Jahres, zwei Tage vor Beginn der Saison 2008/2009.
Die Macher sprechen von einem Vollprogramm, neben Musik gibt es viertelstündlich Fußballnachrichten, außerdem bietet der Sender Beiträge und Diskussionsrunden. «90elf ist ein Inforadio», sagt Kruse. Ein ganzwöchiges 24-Stunden-Programm im Internet aufzuziehen, sei etwas anderes als auf einer UKW-Welle. «Es ist ein anderes Medium. Wenn man das nicht mit Leben füllt, wird es schwer.»
Deshalb bietet 90elf einen interaktiven Fantalk, registrierte Nutzer können Spiele live mit Beiträgen kommentieren, auch der Kurzmeldungsdienst Twitter wird genutzt. Diese breite Aufstellung «kommt extrem gut an», sagt Kruse.
Rund zehn Leute zählen zum Kernteam von 90elf, hinzu kommen Mitarbeiter des Regiocast-Netzwerks und ein gutes Dutzend freie Reporter für die Spiele, darunter der von den Öffentlich-Rechtlichen bekannte Günther Koch. In der Talkrunde «Bolzplatz» diskutieren Duisburg-Trainer Peter Neururer und der frühere Nationalspieler Fredi Bobic.
«Das Kernstück ist und bleibt natürlich die Live-Übertragung», sagt Kruse. Zum Start hatte 90elf an den Spieltagen 125.000 sogenannte Hörkontakte, im Saisonverlauf verdoppelte sich die Zahl, «mit Ausreißern nach oben»: Am 33. Spieltag der vergangenen Saison seien es 600.000 gewesen.
«Wir müssen in der Moderation Bilder erstellen und über 90 Minuten eine packende Reportage machen», sagt Chefreporter Thomas Hilgers. «Beim Zuhörer müsse sich Kino im Kopf abspielen, er muss sich das vorstellen können». Die 90 Minuten seien eine Art Marathonlauf.
Während die ARD-Anstalten ihre Reporter aus den Stadien meist dann zuschalten, wenn es spannende Situationen gibt, müssen die 90elf-Reporter über die volle Länge durchsprechen. «Ich will die Arbeit der Kollegen nicht schmälern», sagt Hilgers mit Blick auf die ARD. Dennoch machten er und seine Kollegen eine «intensivere Arbeit, die auch stimmlich anspruchsvoller ist».
Dabei sitzen die Reporter nicht immer live im Stadion, sondern kommentieren auch vom Fernseher aus. Interviews nach dem Spiel bezog 90elf in der vergangenen Saison von Premiere, für die nächsten Spielzeiten wurde eine entsprechende Vereinbarung mit Sky getroffen.
Am Mutterkonzern, der Radioholding Regiocast, sind mehr als 30 private Radioveranstalter beteiligt, darunter Radio Schleswig-Holstein und Energy Bremen. Regiocast habe 90elf als Zukunftsprojekt ins Leben gerufen, sagt Kruse. Für die Rechte bis 2013 habe das Unternehmen insgesamt einen «niedrigen einstelligen Millionenbetrag» investiert.
Finanziert wird das Projekt über Online- und Audiowerbung, darunter sogenannte Pre-Roll-Spots, die vor einem beginnenden Live-Stream abgespielt werden. Wirtschaftlich sei «man auf einem sehr, sehr guten Weg». Werbekunden zeigten an dem speziellen Klientel großes Interesse.
Die Reichweite will 90elf nun mit technischen Applikationen für mobile Handys und Minianwendungen steigern. Um die Übertragungsqualität auch bei hoher Nachfrage zu gewährlsiten, seien die Streaming-Raten angepasst worden. Trotz eines zuverlässigen Anbieters habe man «in der vergangenen Saison nicht mit dem Ansturm gerechnet», sagt Kruse. Dadurch sei es schon mal zu Ausfällen gekommen.
Neben der Technik können sich auch die Reporter keine Ausfälle erlauben - auch nicht bei einem zähen Spielverlauf. «Augen zu und durch», laute dann das Credo, sagt Hilgers. «Ein langweiliges Spiel muss man dann so genau wie möglich analysieren: Wie verhalten sich die Trainer? Was könnte man besser machen?»
Laufe alles gut, hielten sich die Zuhörer mit Feedback zurück.«Aber es hagelt Proteste von Schalke-Fans, wenn man Bayern einen Elfmeter zuspricht», sagt Hilgers. «Da kann es hundertprozentig einer gewesen sein, das spielt keine Rolle.»
Weiterführende Links:
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