Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Spaniens Starregisseur Pedro Almodóvar hat sich mal wieder selbst übertroffen. «Zerrissene Umarmungen» ist ein Melodram mit bisweilen düsteren Zügen, das nicht nur zeitliche Räume sprengt, sondern auch jede Grenze zwischen Realität und Fiktion auflöst.
Mateo Blanco (Lluís Homar) ist ein junger, aufstrebender Regisseur. Beim Casting für seinen neuen Film «Chicas y Maletas» (Frauen und Koffer) verliebt er sich Hals über Kopf in die hübsche Lena (Penelope Cruz). Doch diese ist bereits mit Ernesto Martel liiert, einem steinreichen, aber wesentlich älteren Finanztycoon. Mateos Produktionsleiterin Judit (Blanca Portillo) gefällt nicht, dass sich die beiden näher kommen. Auch Martel hat eine sehr eifersüchtige Ader und lässt seine Geliebte nur widerwillig zu den Dreharbeiten. Er schickt seinen Neffen (Rubén Ochandiando) samt Videoausrüstung ans Set unter dem Vorwand, ein Making-Of produzieren zu wollen. Dass er Lena ausspionieren soll, begreift diese erst, als es zu spät ist.
Mit diesem Geflecht aus Beziehungen, Intrigen und Affären legt Almodóvar den Grundstein für Zerrissene Umarmungen. Wie schon in früheren Filmen stehen auch diesmal Themen wie die Suche nach Liebe oder die Angst vor dem Alleinsein im Vordergrund. Gekonnt verwebt Almodóvar die Schicksale seiner Protagonisten miteinander, lässt sie leidenschaftlich lieben und verzweifelt leiden und schließlich auf ein unerwartetes Ende zusteuern.
Doch damit nicht genug. Zerrissene Umarmungen spielt auf zwei verschiedenen Zeitebenen, zwischen denen der Regisseur mit Hilfe von Schwarzblenden hin und her springt. 14 Jahre nach den Dreharbeiten zu Chicas y Maletas ist Mateo Blanco von der Bildfläche verschwunden. An seine Stelle tritt der blinde Autor Harry Caine, der vergeblich versucht, die Vergangenheit zu vergessen. Als ihn die Ereignisse wieder einholen, nimmt nicht nur sein Leben eine erneut dramatische Wende.
«Einen Film muss man zu Ende bringen», entschließt sich Mateo/Harry, als er das Material zu Chicas y Maletas noch einmal in den Händen hält. Wo aber hört ein Film auf, wo beginnt die Realität? Auch diese Frage lässt sich in Zerrissene Umarmungen nur schwer beantworten. Es ist ein Film im Film. Auf der Kinoleinwand erscheint Penelope Cruz als Lena, die von der Sekretärin aus Geldnöten zur Geliebten eines Millionärs wird, sich schließlich am Schauspielern versucht und auch den Männern in ihrem Lieben etwas vorspielen muss. Lena wiederum spielt auf Mateos Leinwand mal einen männerhungrigen Vamp, mal eine schüchterne Schönheit mit unschuldigen Rehaugen.
Zwischendrin bedient sich Almodóvar querfeldein immer wieder Zitaten und Szenen aus seinen eigenen Filmen oder fremden Kinohits. So wird Zerrissene Umarmungen zu einem Sammelsurium zahlreicher Erzählstränge, einem Mix diverser Genres und einem Spiel mit verschiedenen Realitäten. Der Film gleicht einem Spiegelkabinett, in dem man nie genau weiß, ob das, was man sieht, nun Fiktion oder Wirklichkeit ist – bis man schließlich draußen ist. Dann beginnt so manches plötzlich Sinn zu machen.
Titel: Zerrissene Umarmungen
Originaltitel: Los Abrazos Rotos
Regisseur: Pedro Almodóvar
Hauptdarsteller: Penelope Cruz, Lluís Homar, José Luis Gómez, Blanca Portillo, tamar Novas, Rubén Ochandiano
Spielzeit: 128 Minuten
Kinostart: 6. August 2009
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