Interview mit Christian Ulmen «Ich bin kein Nischentyp»

Christian Ulmen spielt die Hauptrolle in «Maria, ihm schmeckt’s nicht». (Foto)
Christian Ulmen die Hauptrolle in der Verfilmung von Jan Weilers zwischenkultureller Missverständniskomödie «Maria, ihm schmeckt’s nicht». Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Steffen Rüth
Christian Ulmen hat mit skurrilen Charakteren Fernsehgeschichte geschrieben. Jetzt spielt er die Hauptrolle in der Verfilmung von Jan Weilers «Maria, ihm schmeckt’s nicht». News.de verrät er, warum er typisch deutsch ist und Schwiegerväter Sadisten sind.

Herr Ulmen, es soll von Anfang an festgestanden haben, dass Sie den Jan spielen.

Christian Ulmen: Das habe ich auch gehört, ich bin aber trotzdem zu einem Casting eingeladen worden. Und ich glaube, dass ich die Rolle gut ausführen konnte. Ich hatte keine Angst vor der Rolle. Ich glaubte zu wissen, wie der Typ tickt.

Wie sehr war Jan Weiler, der nicht nur die Buchvorlage, sondern auch das Drehbuch mitgeschrieben hat, in die Filmaufnahmen involviert?

Ulmen: So mitten drin kam er zum Gucken ans Set. Das war auch das erste Mal, dass ich ihn überhaupt sah und auch mit ihm gesprochen habe. Sowas kann ja auch nach hinten losgehen, aber wir haben uns gut verstanden.

Haben Sie eine gewisse Seelenverwandtschaft mit Weiler festgestellt?

Ulmen: So weit würde ich nicht gehen, aber wie vielen ging es mir so, dass ich diese ganze Geschichte sehr gut nachvollziehen konnte. Insbesondere - und das hat jetzt mit Italien nichts zu tun, sondern ist ein globales Phänomen - die Begegnung mit dem Schwiegervater. Das kennt ja jeder, der schon mal Eltern von der Freundin kennen gelernt hat. Wie eine Schlange gucken dich die Väter an und hypnotisieren dich. Und du fühlst dich wie in der mündlichen Abiprüfung. Wenn du dann noch auf einen Sadisten triffst, der mit dir spielt, ja dann ...

Ist Ihr Schwiegervater so ein Sadist?

Ulmen: Der wollte damals, dass ich eine Zigarre anschneide. Ich hatte noch nie Zigarre geraucht. Er gab mir dieses Schnippelgerät, und ich dachte, ich soll die durchschneiden. In zwei Hälften. Ich dachte, der wollte die Zigarre mit mir teilen. Dann habe ich das Ding in der Mitte durchgeschnitten und hatte schon verloren.

Hat sich das Verhältnis inzwischen gelockert?

Ulmen: Doch, doch. Das ist gut. Ihm blieb dann auch nichts Anderes mehr übrig, als zu akzeptieren, wie es ist. Wenn ich später mal eine Tochter haben sollte, dann freue ich mich schon darauf, deren Typen auflaufen zu lassen.

Muss man denn in Deutschland heutzutage noch einen guten Eindruck bei seinen Schwiegereltern machen?

Ulmen: Finde ich schon. Das ist ja keine Mode oder ein Trend. Sondern man will das selbst. Weil man ja auch will, dass der Vater der Tochter, die du magst, auch dich mag. Niemand möchte sich bei den Eltern seiner Freundin blamieren. Selbst der größte Punk nicht. Ich weiß das von meiner Schwester, die hat immer tausend Typen angeschleppt, darunter Punks und HipHopper und alles. Wenn die vor meinem Vater saßen, dann waren die auch winzig klein.

Stichwort «Maria, ihm schmeckt’s nicht». Was schmeckt Christian Ulmen eigentlich nicht?

Ulmen: Nichts schmeckt mir nicht. Schon früher auf den Ausflügen mit der Konfirmantengruppe oder auf Klassenfahrten habe ich immer alles gegessen. Als einziger oft. Wenn einer seine Nudeln nicht mochte, dann habe ich die gegessen. Ich esse auch gerne alles, was fett ist. Ich bin Allesfresser. Bei den Dreharbeiten in Süditalien habe ich eine Menge Eingeweide gefressen. Gedärm. Da werden ja Sachen gereicht, die hat man noch nie gesehen. Eingelegte Rinderhoden in Olivenöl zum Beispiel.

Sie haben für die Rolle vorher zwölf Kilo abgenommen, um schmächtiger zu wirken. Im Film wird allerdings permanent gespachtelt. Haben Sie Ihr altes Kampfgewicht wieder drauf?

Ulmen: Jaja, das ist wieder drauf. Aber während des Drehs habe ich mich ganz gut gehalten. Ich bin so selten wie möglich mit essen gegangen. Was nicht immer klappte. Die Italiener sind geborene Essenseinlader, und du wurdest oft so lange bedrängt, bis du dich, totmüde oder nicht, doch noch mit ins Restaurant geschleppt hast. Und dann gibt es da halt immer acht Gänge.

Wie haben Sie es geschafft, die zwölf Kilo runterzukriegen?

Ulmen: Ich habe das ja schon öfter gemacht vor Filmen. Ich mache dann immer Crashdiät, so wie Janet Jackson. Die ist immer fett und aufgedunsen, aber kaum bringt sie eine Platte raus, ist sie plötzlich schlank.

Wie geht Crashdiät?

Ulmen: Indem ich auf Kohlenhydrate verzichte und nur Eiweiß in geringen Portionen esse. Morgens einen Soja-Joghurt, mittags ein Steak und abends ein Stücken Mozzarella. Und das zwei Wochen lang, dazu ein bisschen Sport, und ratzfatz waren schon mal acht Kilo weg. Das ist saumäßig ungesund, man soll es nicht oft machen, weil es ein klassischer Jojo-Vorbereiter ist. Nach der letzten Klappe bin ich auch sofort zu McDrive gefahren und habe mir sieben McRibs und fünf Big Macs geholt.

Wie haben Sie sich mit dem Co-Star Lino Banfi, der in Italien extrem populär ist, verstanden?

Ulmen: Herrlich. Wir haben kein Wort miteinander geredet, weil er kein Deutsch und kein Englisch kann und ich kein Französisch und kein Italienisch. Höchstens mal so eine Geste wie «Puh, es ist total heiß» war drin. Spannend fand ich es, dass die Schauspieler in Italien wie Hollywoodstars hofiert werden. Nach acht Stunden machen die Feierabend, das ist da so. Die sind nett, aber sie fordern eine gewisse Behandlung ein. Lino Banfi hatte einen 60 Quadratmeter großen Wohnwagen. Bei meinem ging nicht mal die Tür auf und zu.

Sie sagen im Film, es gibt nichts Schlimmeres als einen typisch Deutschen, der nicht typisch sein will. Wie deutsch sind Sie?

Ulmen: Ich bin gern pünktlich. Ich bin blass. Ich trinke gern Bier. Ich finde aber, dass die Italiener ihre Klischees mit viel mehr Würde vor sich hertragen. In Deutschland schämt man sich für seine Klischees, der Italiener ist stolz darauf, dass er nervig Auto fährt.

Wie hat sich Ihr Italien-Bild durch den Film geändert?

Ulmen: Ich hatte gar kein Italien-Bild. Ich war so gut wie nie dort, habe dort auch nie Urlaub gemacht. Ich war halt überrascht, dass diese ganzen Klischees stimmen: Ja, diese Leute sind wirklich laut. Sie sind so drauf, wie Jan sie beschreibt. Ich konnte sein Gefühl des dortigen Überfordertsein sehr gut nachvollziehen. Bei den Berlinern ist es mit diesen Klischees übrigens ähnlich. Früher dachte ich immer, da gibt es bestimmt nette Leute, das ist Quatsch, dass die dort alle schlecht gelaunt und unfreundlich sein sollen. Dann zog ich nach Berlin und muss sagen: Stimmt. So sind die Berliner. Raubeine. Da muss man sich entschuldigen, wenn man einen Laden betritt und sich anmaßt, eine Waschmaschine kaufen zu wollen. Inzwischen bin ich nach Potsdam gezogen.

Jahrelang fanden Sie alle lustig, aber eher wenige Menschen haben sich Ihre Sachen auch angeschaut. Nun hat «Maria, ihm schmeckt’s nicht» 1,7 Millionen Käufer gefunden. Ist dieser Film nun Ihre Ankunft im Mainstream?

Ulmen: Nö, ich wollte ja immer Mainstream machen. Das ist halt nur immer gescheitert. Und dann heißt es eben «Das ist der Nischentyp» oder «Wahnsinn, der macht voll die Undergroundsachen». Dabei wollte ich wirklich nie Underground sein. Ich wollte schon immer, dass möglichst viele Leute das gut finden, was ich mache. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass Mein neuer Freund oder Psycho mehr Zuschauer gefunden hätten. Haben sie aber nicht, obwohl ich immer geglaubt hatte, dass Mein neuer Freund so richtig erfolgreich werden kann.

Haben Sie Vorbilder?

Ulmen: Früher, als Jugendlicher, habe ich mich an Axl Rose orientiert.

An den Haaren oder am Drogenkonsum?

Ulmen: An allem. Ich wollte so sein wie Axl Rose. So gucken und so singen können. Ich fand den total geil mit 16. Aber dann habe ich gemerkt, das klappt nicht. Und beschlossen, dass ich mich nie mehr an jemandem orientieren werde. Ein großer humoristischer Einfluss sind Studio Braun aus Hamburg. Die habe ich früher unheimlich viel konsumiert. Es gibt aber heute niemandem, bei dem ich sage «So will ich auch sein».

Geht der Sommerurlaub nun nach Italien?

Ulmen: Ich mache gar keinen Urlaub dieses Jahr, ich drehe Jerry Cotton, den ich vorher dauernd mit Perry Rhodan verwechselt habe. Aber nach Italien? Lass mal. Da war ich jetzt wirklich lange genug.

Christian Ulmen (33) wurde 1996 von einem Talentscout entdeckt. Er ging zu MTV und moderierte dort verschiedene witzig-provokante Sendungen wie Unter Ulmen. Für ProSieben drehte er später die Verwandlungs-Sitcom Mein neuer Freund sowie die Serie Psycho. Mit Ulmen.tv betreibt er einen eigenen Fernsehsender im Internet. Christian Ulmen ist mit Huberta verheiratet und hat einen Sohn im Vorschulalter, dessen Namen er nicht verrät. Die Familie lebt in Potsdam.

Titel: Maria, ihm schmeckt's nicht
Regie: Neele Leana Vollmar
Darsteller: Christian Ulmen, Maren Kroymann, Mina Tander, Lino Banfi
Kinostart: 6. August

car/voc/news.de

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