Von news.de-Redakteur Christian Vock
Wolfgang Wagner war jahrelang das Gesicht der Bayreuther Festspiele. Mit seinen beiden Töchtern Katharina und Eva als Nachfolgerinnen starten die Spiele heute mit der Aufführung von «Tristan und Isolde» in eine neue Zukunft. Ein kurzer Rückblick.
Auch wenn sich eine Beilegung des Tarifstreits in den letzten Tagen bereits abgezeichnet hat, dürfte die Erleichterung über die Einigung kurz vor knapp doch groß gewesen sein. In sprichwörtlich letzter Sekunde konnte ein Streik abgewendet und der Start der Spiele gerettet werden. Dass es überhaupt zu solchen Verhandlungen gekommen ist, ist nicht nur einmalig in der Geschichte der Wagner-Spiele, sondern auch ein Zeichen, dass mit dem Weggang des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner (wieder) eine neue Zeit auf dem Grünen Hügel angebrochen ist.
Nach all den Jahren, in denen Wolfgang Wagner die Spiele - seine Spiele - leitete, übernahmen in diesem Jahr zum ersten Mal seine Kinder Eva Wagner-Pasquier und ihre Halbschwester Katharina Wagner die prestigeträchtige wie undankbare Aufgabe. Eine Aufgabe, die nach dem langen Wirken Wolfgang Wagners vielleicht zum Glück auf vier Schultern verteilt ist.
Wolfgang Wagner übernahm nach dem Krieg zusammen mit seinem Bruder Wieland die Leitung der Festspiele. 1951 gingen auf dem Grünen Hügel erstmals wieder die Lichter an. Als Erneuerer Bayreuths wurden die beiden ausgerufen. Doch während sein Bruder als visionärer Künstler gefeiert wurde, erledigte Wolfgang die Arbeit im Hintergrund. Als Wieland 1966 starb und Wolfgang die alleinige Verantwortung übernahm, galt es, sich erst einmal gegen die eigene Familie zur Wehr zu setzen. Wielands Frau Gertrud wollte selbst die Leitung, Wielands Kinder machten gegen ihren Onkel mobil.
1976 trennte sich Wolfgang Wagner von seiner Frau Ellen, was zudem zum Bruch mit der gemeinsamen Tochter Eva führte. Seine neue Frau Gudrun, die bis dato in der Pressestelle der Festspiele arbeitete, galt insbesondere in den vergangenen Jahren als die eigentliche Herrscherin des Hügels. Doch neben den vielen familiären Zwistigkeiten und der teils harschen Kritik der Öffentlichkeit gelangen Wolfgang Wagner auch beeindruckende Erfolge in Bayreuth.
Obwohl seine eigene Arbeit als Regisseur als eher konservativ galt, bewies er mit teils spektakulären Verpflichtungen auch inhaltlichen Mut: Götz Friedrich, Heiner Müller oder Patrice Chéreau, um nur einige Namen zu nennen.
Aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustandes regten sich Anfang des neuen Jahrtausends Diskussionen um seine Nachfolge. 2001 stimmte der Stiftungsrat der Festspiele für die Tochter Eva Wagner-Pasquier als seine Nachfolgerin, was Wagner aber vehement ablehnte und sich auf seinen lebenslangen Vertrag berief. Erst als seine Frau Gudrun, die für die Spaltung der Wagner-Familie verantwortlich sein soll, 2007 überraschend starb, kam es zu ersten Annäherungen zwischen Wolfgang und seiner Tochter aus erster Ehe.
Nicht allein aus familiengeschichtlicher Hinsicht ist es deshalb spannend, wie die beiden Halbschwestern Katharina und Eva, ihre gemeinsame Aufgabe angegangen sind. Es wird auch ein Zeichen sein, auf welche Reise sich eines der berühmtesten Musikfestspiele der Welt begeben wird.
Die Stimmen, die auf eine Erneuerung der Spiele drängen, sind nie verstummt. Dem haben die Wagners bereits versucht Rechnung zu tragen und wollen nun junge Zuschauer mit einer verkürzten Version des Fliegenden Holländers für Richard Wagner begeistern. Ob das nun als großer Wurf oder Untergang des Abendlandes gewertet wird, eines ist gewiss: Ruhig wird es auf dem Grünen Hügel wohl nie werden. Der Name verpflichtet.
Weiterführende Links:
Wagner-Festspiele: Der Streik scheint abgewendet
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?
Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Ich habe die Datenschutzbestimmungen gelesen und bin damit einverstanden!
URL : http://www.news.de/medien/4109/es-gruent-am-huegel/1/
Schlagworte:

