Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Es war vermutlich Sommerloch, als die ARD im August 2006 ihr Blog zur Tagesschau startete. Die themenarme Zeit ist nun Grund für einen öffentlich ausgetragenen Streit zweier Größen der ARD-Nachrichten – und hilft damit, sich selbst zu überbrücken.
«Hinter den Nachrichten» ist das Motto des Tagesschau-Blogs. Journalisten schreiben darüber, wie sie ihre Arbeit tun und wie die Tagesschau entsteht – weitgehend unspektakulär. Bis ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke kürzlich eine komplette Sendung für entbehrlich erklärte. «Wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können», schreibt er über die Sendung vom Dienstag dieser Woche.
Dass Kniffke sich kritisch mit der Themenauswahl und – Aufbereitung in der von ihm verantworteten Tagesschau auseinandersetzt, ist nichts Neues und bleibt abgesehen von ein paar Dutzend interessierter Kommentatoren meistens weitgehend unbehelligt. Die generelle Illegitimation einer kompletten Sendung jedoch hat nun seinen Kollegen Ulrich Deppendorf, Leiter des Berliner Hauptstadt-Studios, auf den Plan gerufen.
Merkbar angesäuert kommentiert der unter Kniffkes Bericht: «Wie schön, dass Sie gestern fast jeden Beitrag der Tagesschau für entbehrlich hielten. Das hätten Sie uns ja dann auch schon etwas früher mitteilen können. Dann hätten die Kollegen und Kolleginnen aus dem Hauptstadtstudio und in der Republik ja schon eher die Arbeit einstellen können.» Die Themen der betreffenden Sendung halte er, so Deppendorf weiter, keinesfalls für unentbehrlich.
Eine Diskussion, die in dieser Art vermutlich schon des Öfteren hinter den verschlossenen Türen der ARD-Studios stattgefunden hat. Ebenso wie beinah alle Inhalte des Tagesschau-Blogs früher in internen Redaktionssitzungen diskutiert worden sein dürften. Ob die nachrichteninteressierten Zuschauer der Sendung grundsätzlich am Making-of selbiger interessiert sind, sei dahingestellt. Die Behandlung medienethischer Fragen im Blog jedenfalls bietet mindestens für Medienschafffende Mehrwert.
Kai Kniffke äußert die umfassende Kritik an seinem Produkt mit der Blogs eigenen Flapsigkeit, beinahe beiläufig. Den Gedanken des Tagesschau-Blogs, die Mechanismen hinter der ehrwürdigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt transparent zu machen, hat er offenbar voll verinnerlicht. Der Disput mit Deppendorf ist demnach nicht mehr als ein Sommertheater, in dem öffentlich die Grenze in Frage gestellt wird, bis wohin diese Transparenz gehen soll. Und das Nachrichtenecho beweist schlicht, dass das Sommerloch wirklich da ist.
Weiterführende Links:
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Aus dem Netz:
Ulrich Deppendorfs Schweißausbruch am Ufer des Sommerlochs auf dem FAZ-Fernsehblog.
hav/news.de