Große Gala trotz knapper Kassen
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Von Almut Kipp
Artikel vom 09.05.2009Große Bühne für die Besten ihrer Zunft: Im Deutschen Schauspielhaus haben Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr und der «Stern» herausragende Journalisten für ihre tiefgründige, wortgewandte, teils aber auch gefährliche Arbeit gefeiert.
Den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk erhielt am Freitagabend der langjährige frühere Spiegel-Reporter Jürgen Leinemann. Mit brüchiger Stimme kündigte der Autor, der am Sonntag 72 Jahre alt wird, für dieses Jahr ein weiteres Werk an. «Ich werde weiterarbeiten, so lange es eben geht. Es tut mir gut», sagte der von schwerer Krankheit gezeichnete Journalist in Hamburg. Sein Renommee fußt auf brillanten analytischen Porträts deutscher Politiker.
Mehr als 1000 Gäste aus Medien und Kultur, Politik und Wirtschaft waren der Einladung gefolgt, um die insgesamt 14 Preisträger zu würdigen. Die Henri-Nannen-Auszeichnungen, dotiert mit insgesamt 30.000 Euro, werden in Erinnerung an Stern-Gründer Henri Nannen (1913-1996) ausgelobt.
Selbstkritisch merkte Gruner+Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz in seiner Eröffnungsrede an, ob sich eine solche Gala in der Wirtschaftskrise mit einschneidenden Sparkursen in den Verlagen gezieme - und gab die Antwort gleich selbst: Sie sei eine Ehrung für die besten Journalisten, die die Verunsicherung der Menschen durch sichere, sachlich begründete Urteile zu ersetzen suchten. Damit leisteten die Autoren einen wesentlichen Beitrag zu Meinungsvielfalt und Pluralität. «Sie stützten die Demokratie!», hob Buchholz hervor.
Als ein Verfechter der weltweiten Pressefreiheit erhielt der Franzose Robert Ménard (55), Mitbegründer der Organisation Reporter ohne Grenzen und heutiger Leiter des Doha Center for Media Freedom in Katar, die Bronzestatue Henri. «Wir träumen von einer Welt, die gnädiger zu den Ausgestoßenen ist», sagte er zu seinem Engagement.
Einen ganz anderen Kampf, den gegen die tückische Demenz, beschreibt Katja Thimm vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel in ihrer preisgekrönten Reportage Rolf, ich und Alzheimer. Gleich eine ganze Kollegenschar des Nachrichtenmagazins - Beat Balzli, Jochen Brenner, Klaus Brinkbäumer, Ullrich Fichtner, Hauke Goos, Ralf Hoppe, Frank Hornig und Ansbert Kneip - holte sich mit der Dokumentation Der Bankraub über den Verlauf der Finanzkrise ebenfalls den Henri. Dem Bankgeschäft widmete sich auch Melanie Bergermann, die in der Wirtschaftswoche unverantwortliche Geschäftspraktiken von Kundenberatern enthüllte. Yang Yankangs eingeblendete Fotos aus Geo, die seine Eindrücke vom tibetischen Buddhismus festhielten, waren an diesem Abend ebenfalls unübertroffen.
Aus dem Netz:
Lesen Sie Katja Thimms Reportage über Alzheimer bei «Spiegel Online»
Auf der Internet-Seite des Henri-Nannen-Preises finden Sie auch die anderen Texte der Ausgezeichneten und Nominierten