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Von news.de-Redakteur Christian Vock
Artikel vom 24.06.2009
Dass im Filmgeschäft die Schönheit als höchstes Gut gilt, diese Tatsache ist so alt wie die Kritik daran. Allen Botox-Partys zum Trotz sollten wir die Stars aber in Schutz nehmen. Und zwar vor uns selbst.
800. Wahrscheinlich mehr. So viele Jungfrauen soll die Gräfin Erzebet Bathory umgebracht haben, um ihren Schönheitswahn zu befriedigen. Sie hängte ihre Opfer zum Ausbluten an die Decke. In dem Blut soll sie anschließend gebadet haben, in dem Glauben, damit ewige Schönheit zu erlangen. Bram Stoker hat sich von diesem schaurigen Stoff zu Drakula inspirieren lassen, Julie Delpy hat daraus ein langweiliges Drama gemacht.
Heute sind die Schönheitstricks weniger blutrünstig. Zumindest für den Anwender. Die zahlreichen Versuchstiere, die im Auftrag der Schönheitsindustrie zu Tode gequält wurden, sprechen eine andere Sprache - wer schön sein will, muss leiden lassen. Der Wunsch nach Schönheit ist heute dennoch größer denn je, in Hollywood, dem Mekka des Glamours, naturgemäß am größten.
Doch in ihrem Streben nach Schönheit können die Stars eigentlich nur alles falsch machen. Quälen sie sich nicht mit Pilates und Co. und lassen sich gehen, ist nicht nur die Rolle weg, sondern ihnen auch der Spott der Boulevardpresse sicher. Die Paparazzi-Meute lauert nur auf Rettungsring- und Cellulitis-Bilder. The Evil Is Always And Everywhere. Helfen sie dagegen mit den gängigen Tricks nach, sehen sie sich den Angriffen der Gegenseite ausgesetzt. Schönheitsoperationen, nein danke.
«Schönheit liegt im Auge des Betrachters.» Dieser platte Spruch führt vielleicht ungewollt zum Kern des Problems. Denn wenn die Hollywood-Stars eines werden, dann betrachtet. Und wer mag sich schon unpräpariert einem Kameraobjektiv aussetzen, das jedes Heranzoomen zu einer Berg- und Talfahrt zwischen Faltenschluchten und Pickelkratern geraten lässt. Wer ständig im Blitzlichtgewitter steht, dem sei ein wenig Eitelkeit zugestanden.
Auf der anderen Seite möchte man mancher Enddreißigerin in Hollywood zurufen, die sich den Körper richten lässt: «Lass es sein. Etwas mehr Mut bitte. Wir wissen, dass eine Vierzigigjährige nicht mehr das Gesicht und den Körper einer Achtzehnjährigen hat.» Doch das klingt zu einfach. Wer vor der Wahl steht, Filmset oder Arbeitsamt, dessen Hand greift leichter zur Botox-Spritze.
Im Alltag lachen wir über die Leute, die noch mit 50 auf jung und dynamisch machen wollen. Auf der Leinwand wünschen wir uns dagegen Stars, die nicht altern. Sharon Stone soll für immer das sexy Biest aus Basic Instinct sein und möge sich die Schwerkraft nie an Richard Geres Hintern aus Ein Mann für gewisse Stunden vergehen. Stattdessen hören wir uns sagen: «Meine Güte, ist der alt geworden.» Vielleicht sollten wir uns aber lieber sagen: «Hallo Herr Gere. Schön sie einmal wieder zu sehen. Lassen sie uns gemeinsam alt werden.»
Weiterführende Links:
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