Von Hügeln und Bergen und bügelnden Zwergen
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 17.06.2009
Bayreuth und der Grüne Hügel gelten als Inbegriff der Oper, aber auch als Inbegriff des Traditionalismus. Katharina Wagner hat nun eine Modernisierung der Wagner-Festspiele angekündigt. Was toll klingt, stellt sich aber schnell als Enttäuschung heraus.
Zugegeben, die Überschrift ist etwas weit hergeholt. Oder sagen wir: Ausnahmsweise war mal die Schlagzeile vor dem Text da. Gehört sich eigentlich nicht. Pardon. Aber Sie haben schließlich geklickt. Funktioniert hat sie also. Und so ganz abseitig ist sie dann ja doch nicht, oder? Bayreuth modernisieren - da könnte einem ja schon manche Idee kommen. Zwerge gibt es bei Wagner schließlich reichlich, die Nibelungen sind ein munteres Völkchen, und vielleicht, in ferner Zukunft, bügeln sie sogar einmal.
Die Alternative für die Überschrift wäre eines dieser abgedroschenen Wortspiele mit dem Begriff «Hügel» gewesen, Filmtitel etwa gäbe es da genug. Aber Hügel des Schreckens, Hügel der blutigen Ohren oder Hügel der lebenden Toten - alles irgendwie nicht so passend. Letzteres vielleicht noch. Die Intendantin, die auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam hätte uns noch gefallen. Das aber wäre zu lang für eine Zeile gewesen. Und gestimmt hätte es auch nicht.
Doch das hier soll keine Glosse werden, nicht, dass Sie das falsch verstehen. Schließlich geht es mit den Wagner-Tagen in Bayreuth um das wichtigste Opern-Festival der Welt. Und das wollen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier zeitgemäßer gestalten. Da werden die einen sagen: «Ja bitte, dringend und sofort.» Die anderen werden denken: «Modernisieren? Gar nicht nötig. Kürzen reicht.«
Die Hoffnungen der einen wie der anderen sind zur Enttäuschung verdammt. Modernisierung in der Sprache Katharina Wagners bedeutet: Einen verbesserten Internetauftritt, Werkseinführungen vor den Aufführungen, das Projekt «Oper für Kinder» und die gesponserte und öffentliche Opernübertragung. Kurz: Eine veränderte Vermarktung und Außendarstellung. PR - nicht mehr. Inhalt und Form bleiben.
Doch Halt! Kinderoper? Ist das nicht modern, zeitgemäß, fortschrittlich? Ein neuer Ansatz? Könnte man meinen, doch Wagner bremst: «Das ist kein Konsumtheater. Ausstattung und Orchester sind auf hohem Niveau», sagt sie. Da ist man doch irgendwie schon bedient, bevor man weiß, wie das aussehen wird.
Das Problem ist und bleibt ein altes: Viele der Künstlerverträge in Bayreuth nämlich sind bereits geschlossen und bis 2015 gültig. Die Freiheit der Wagner-Schwestern, wirklich etwas zu verändern, ist bis zu diesem Datum also gering. Und noch vor zwei Jahren sträubte sich Christian Thielemann, der in Bayreuth seit 2006 den Ring dirigiert, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gegen zu radikale Veränderungen: «Da wird dann reihenweise gekündigt, man räumt auf mit allem, was vorher war, bricht Verträge, zahlt die Leute aus. Genau das haben wir in Bayreuth nicht vor. Wir wollen Kontinuität.»
Das darf man ihm glauben. Es wird in Bayreuth keine Revolution geben. Die FAZ überschrieb dieses Doppel-Interview mit Wagner und Thielemann damals übrigens mit dem Zitat «Der schöne Zwang, immer dasselbe zu machen». Das hätten wir uns auch noch vorstellen können als Schlagzeile. Gab's aber eben schon.
Weiterführende Links:
Wagner-Festspiele: Frischer Wind in Bayreuth
kas/news