Von Angelika Rausch
Die Wagner-Festspiele in Bayreuth werden modernisiert, kündigt Intendantin Katharina Wagner an. Nicht nur inhaltlich soll auf dem Grünen Hügel einiges anders werden, auch die Archive will sie öffnen - um die Nazivergangenheit der Festspiele zu beleuchten.
Seit ein paar Wochen sind die Verträge unterschrieben, die neue Zeit bei den Bayreuther Festspielen kann beginnen. Für zunächst sieben Jahre übernehmen die Wolfgang-Wagner-Töchter, die 31-jährige Theaterregisseurin Katharina und die 64-jährige Theatermanagerin Eva, die Leitung der renommiertesten Opernfestspiele der Welt.
Am Dienstagabend sollten die beiden Halbschwestern auf Einladung der bayerischen Landesvertretung in Berlin ihr Konzept «Zukunft Bayreuth» vorstellen. Doch es kam nur Katharina, die bereits seit einigen Jahren die Außendarstellung des Familienunternehmens Wagner übernommen hat. Und so fragten sich an diesem Abend viele der anwesenden Gäste: Wo ist die Mit-Intendantin, ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier? Eine Erklärung der Gastgeber für das Fernbleiben der mit Spannung erwarteten, über viele Jahre mit dem Vater zerstrittenen Wagner-Tochter aus erster Ehe gab es an diesem Abend nicht.
Und so erläuterte Katharina Wagner redegewandt alleine, wie sie Vermarktung und Außendarstellung der Opernfestspiele modernisieren will. «Wir wollen die Strategie des Abgeschiedenen aufbrechen», sagte die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele. Dazu gehörten ein verbesserter Internetauftritt, allgemeine Werkseinführungen vor den Aufführungen, das Projekt «Oper für Kinder» und die von Sponsoren getragene Opernübertragung auf einen öffentlichen Platz. Zum ersten Mal wird es in diesem Jahr vor der großen Eröffnung der Festspiele am 25. Juli bereits am Vormittag eine eigens für Kinder gestaltete Aufführung des Fliegenden Holländers geben. «Das ist kein Konsumtheater. Ausstattung und Orchester sind auf hohem Niveau», sagte die Intendantin.
Katharina Wagner kündigte zudem an, mögliche Verstrickungen der Festspiele in das nationalsozialistische Regime weiter offenzulegen. Sie werde eine «lückenlose Dokumentation der Geschichte Bayreuths» erstellen lassen. Dazu werde ein Institut beauftragt, das die Archive der Festspiele durchforsten könne. «Die Türen stehen offen, was die Festspiele angeht», sagte Wagner. Was andere Mitglieder der Familie an Dokumenten zur Verfügung stellen, wisse sie nicht. «Ich hoffe, zum Wagner-Jahr 2013 erste Zwischenergebnisse vorlegen zu können.» Sie persönlich habe ein großes Interesse an der Aufarbeitung der Geschichte, betonte die 31-Jährige.
Regisseure und Dirigenten sind für die Neuinszenierungen der kommenden Jahre bereits verpflichtet. So werden Hans Neuenfels, Sebastian Baumgarten, Sebastian Nübling und Katharina Wagner selbst bis 2015 jeweils eines der Werke Richard Wagners neu auf die Bühne bringen. Für den 2013 geplanten neuen Ring des Nibelungen dagegen gibt es bislang noch keinen Regisseur. «Gerade im Wagner-Jahr wird es in anderen Opernhäusern viele neue Ring-Inszenierungen geben. Da wird man dann ganz besonders nach Bayreuth schauen», sagte die Intendantin.
Die beiden Urenkelinnen des Komponisten Richard Wagner waren Anfang September vom Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung zu gleichberechtigten Festspielleiterinnen gewählt worden. Sie traten damit die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang Wagner an. Auf ihre Zusammenarbeit in der Festspielleitung angesprochen, antwortete Katharina Wagner nur knapp: «Die Aufgabenteilung hat sich so eingespielt, dass bislang ohne Streitereien Einigungen erzielt werden.»
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