Markus «Wallraff» Kerner
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 17.06.2009Ein bisschen Undercover, ein bisschen echter Talk, ein bisschen Information und Unterhaltung. Mit einer bunten Mischung startet Markus Lanz seine Sommervertretung für Johannes B. Kerner. Doch der 40-Jährige will zu viel - und bleibt so wieder einmal schwammig.
Man hat Markus Lanz viel vorgeworfen in der Vergangenheit. Zu langweilig sei er, weder ein richtiger Talkmaster noch ein echter Unterhalter. Und dann die Quoten - Durchschnitt, guter höchstens. Es hat viele Spekulationen gegeben, ob ihn das ZDF auch aus solchen Gründen die Nachfolge Johannes B. Kerners ab Oktober nicht alleine antreten lassen will. Man sucht Verstärkung, offiziell, weil sich der Sender nicht noch einmal so stark an eine einzelne Person binden will.
Die Sommerpause aber gehört Lanz, Dienstagnacht hatte er seinen ersten Auftritt, dreimal die Woche wird er Kerner nun ersetzen und es scheint, als habe er sich die Kritik zu Herzen genommen. Seinen etwas zu glatten Charme, da kann Lanz offensichtlich nicht aus seiner Haut, wird er zwar nicht los, doch er talkt und unterhält, bohrt nach und informiert, als ginge es, wenn schon nicht um sein Leben, so doch um seinen Ruf. Denn auch, wenn sich Lanz selbst eine Talkkarriere à la Kerner mit mehreren Auftritten die Woche nach eigener Aussage nicht vorstellen kann, den Vorwurf des Langweilers will er sich offensichtlich nicht gefallen lassen.
Kritiker könnten einwenden, er habe sich aber auch ein herzlich dankbares Thema für den Auftakt gesucht: Kaffeefahrten. Reizthema, Dauerbrenner, schon im vergangenen Sommer bei Lanz auf der Agenda. Auf den ersten Blick ist das eine einfache Geschichte, weil von vornherein klar ist, wer auf der guten und wer auf der bösen Seite steht. Doch eine Redaktion muss es erst einmal schaffen, mit Thomas Peh eines der Schwarzen Schafe der Branche in die Sendung zu bekommen, noch dazu eine Woche, nachdem er aufgrund seiner Angebote offensichtlich verurteilt und aus dem Verkehr gezogen wurde.
Und dieser Peh hat etwas zu sagen, auch wenn das vor lauter Zynismus und Gelassenheit nur Scham und Wut im Zuschauer aufkommen lässt. Aalglatt windet sich der Kaffeefahrtenbetreiber durch die erste Dreiviertelstunde, ihm gegenüber eine ältere Dame aus Dresden, die Lanz auf einer Fahrt undercover begleitet hat, ein Ermittler und eine Verbraucherschützerin.
Nach dem etwas ungewollt komischen Auftritt des Markus Lanz als Undercover-Journalist, der optisch eher an einen Privatdetektiv aus dem Hollywood der 1970er Jahre erinnert, zeigt er, warum das ZDF ihn einst geholt hat: um die Fassade des Thomas Peh zu knacken. Immer wieder gelingt ihm das, immer wieder hakt er nach, fragt nach Einkommen, Methoden und Unrechtsbewusstsein. Zwar bekommt er bis auf eine Handvoll «vielleicht» und die Aussage «Sie haben doch gar keine Ahnung!» nicht viel von Peh zu hören, was Einspieler und Aussagen der anderen Gäste hergeben, genügt jedoch, um sich angewidert abzuwenden. Wie clever Peh ist, entlockt der sich schließlich selbst, als er den Ermittler zu seinen Fahrten befragt: «Wie habe ich die gemacht?» Die Antwort: «Sie waren einer von den Netten.» Da möchte man schon abschalten.
Lanz beißt sich an Peh zwar alles andere als die Zähne aus, er zeigt aber, warum ihn viele Kritiker für zu oberflächlich halten. Immer wieder rutschen seine Fragen ins Kitschige ab, immer wieder wird Lanz seicht, etwa, wenn er zum fünften Mal nach den Schuldgefühlen fragt, wenn er auf die Einsamkeit der alten Menschen kommt, oder wenn er sagt: «Jaja, das ist typisch für Menschen wie sie, sich in Zynismus zu flüchten. Das kenne ich schon.» Man kann auch zu viel sagen zu einem solchen Thema.
Lanz aber macht weiter, schließlich muss er zwei Themen durch die Stunde bringen. Und hier liegt die Schwachstelle seines Talks. Wenn Lanz eines nämlich nicht zu haben scheint, dann ist es Geduld. Er hakt nicht nur nach, er hakt auch ein, unterbricht, redet dazwischen. Und so fühlt man sich ein wenig gehetzt, als er mit einem Zollbeamten das Thema «Günstige Schnäppchen, hoch verzollt» angeht. Dabei ist es aktuell und spannend, gut aufbereitet hat es seine Redaktion auch noch, mit Protagonisten aus dem Publikum und prall gefüllten Koffern, die der Beamte auseinandernehmen darf. Doch wer hätte ahnen können, dass vier Stangen Zigaretten und zehn Flaschen Schnaps auf der Rückreise aus Mallorca durchaus in Ordnung gehen?
Hier nun knickt Lanz das zweite Standbein weg, auch das Thema Zoll gibt wohl nicht ganz das her, was er sich versprochen hatte. Informationen aber gibt es reichlich: bis auf die 430-Euro-Grenze, die für den Warenwert eingeführter Gegenstände gilt, waren es für viele Zuschauer jedoch sicher zu viele in zu kurzer Zeit. Wie gut, dass sich das Ganze beim Zoll nachlesen lässt. Das weiß auch Lanz. Seine Sendung will zu viel, er selbst auch. Er wäre gern alles, ein Günter Wallraff, ein Johannes B. Kerner und ein Markus Lanz. Konzentration aber kann in diesem Geschäft gleich auf zwei Arten wichtig sein.
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Zum Thema Lanz 1. Lanz ist kein "Ersatz" für Kerner, sondern der "Bessere" 2. Gott sei Dank ist der "Schleim-Talker" Kerner eine zeitlag weg vom Fernseher 3. Lanz sollte nie auf "Kerner" machen, er hat nach meiner Auffassung mehr Persönlichkeit
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