Von news.de-Redakteur Christian Vock - 12.06.2009, 13.15 Uhr

Kommentar zu Anne Frank : Lesen gegen das Vergessen

Das Tagebuch der Anne Frank dokumentiert nicht nur ein persönliches Schicksal, sondern zugleich den täglichen Wahnsinn des NS-Terrors. Das macht es zu einer der wertvollsten Waffen im Kampf gegen das Vergessen. Und der darf nie aufhören.

news.de-Redakteur Christian Vock. Bild: news.de

Es ist nur ein ganz kleines Büchlein, doch auch nach so langer Zeit verfehlt es seine Wirkung nicht. Wie kaum ein anderer historischer Beweis verbindet das Tagebuch der Anne Frank ein persönliches Schicksal mit der Dokumentation nationalsozialistischer Schreckensherrschaft. Es berührt, es schockiert, es treibt zu Tränen. Es macht sprachlos.

In über 60 Sprachen wurde das Buch übersetzt, über 75 Millionen Mal wurde es verkauft. Es gibt Anne-Fank-Gedächtnisstätten in Frankfurt, Berlin und natürlich Amsterdam, das für Frank zum Versteck wurde. Es gab Verfilmungen und sogar ein Musical. Das Buch ist auf der ganzen Welt bekannt, vielerorts wurde es zur Schullektüre. Nicht zuletzt, weil es ein eindrucksvolles wie passendes Werkzeug ist, um Jugendlichen das Grauen der Nazi-Herrschaft greifbar zu machen.

Dennoch wollen die Gedenkstätten keiner «Ikonisierung» Franks den Weg ebnen. Es geht um «Erinnerungskultur». Dieses Ziel dürfte erreicht sein. Fast eine halbe Million Menschen besuchen jedes Jahr das Anne-Frank-Haus in Amsterdam.

Dennoch darf man sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Die Arbeit gegen das Vergessen muss weiter gehen. Umso hoffnungsvoller stimmen die Worte von Kulturstaatsminister Neumann, der anlässlich des 80. Geburtstags Franks sagte: «Damit sich auch künftige Generationen ein Bild von der Vergangenheit machen können, müssen wir die authentischen Orte erhalten. Orte, wie die Gedenkstätte im Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo Anne Frank zu Tode kam, sind für Deutschland unverzichtbar.» In diesem Jahr sei zudem die Finanzierung der Gedenkstätte Bergen-Belsen dauerhaft gesichert worden.

Dauerhaft, das muss die Erinnerung an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte sein. Ein Vergessen, ein Nicht-Mehr-Erinnern-Müssen darf es nicht geben. So lange die braune Suppe auch nur in einem einzigen Kopf herum schwappt, so lange muss an die Nazi-Barbarei erinnert werden. Anne Franks Tagebuch kann uns das jeden Tag vor Augen führen. Es ist mehr als ein Erinnerungsstück. Es ist ein Mahnmal wider dem braunen Terror, ein Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. Wäre es nicht so zynisch, müsste man dem braunen Pack mit diesem Tagebuch die Dummheit aus den rasierten Köpfen prügeln. Immer und jeden Tag.

Weiterführende Links:
Ein Teil «Erinnerungskultur»

kas/news.de

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