Von Michael Bauer
A-HA besinnen sich mit ihrem neuen Album «Foot Of The Mountain» wieder auf ihre musikalischen Wurzeln. Leider werden der norwegischen Pop-Band die sterilen Synthie-Sounds heute zum Verhängnis.
Am Fuße des Berges – so lautet der Titel des neuen A-HA-Silberlings übersetzt. Welche Höhen will die Kultband denn noch erklimmen? Diese Frage liegt nahe, hat das Trio doch inzwischen mehr als 70 Millionen Tonträger verkauft – mit Pop- Klassikern wie Hunting High And Low oder The Sun Always Shines On TV.
Fast 25 Jahre ist es her, seit A-HA mit ihrem Hit Take On Me an der Spitze der deutschen Single-Charts standen. Immerhin den Sprung auf Platz 3 schaffte kürzlich der eingängige Titelsong zum neuen Studioalbum. Da darf man durchaus von einem Comeback sprechen: Mit dem Album Analogue (2005) konnte die Band zuletzt nicht an alte Erfolge anknüpfen. Vielleicht war die rockige Scheibe den Fans einfach zu gitarrenlastig, zu untypisch A-HA. Es fehlten die großen Melodien, die markanten Synthie-Hymnen, die so charakteristisch für die Norweger sind.
Mit Foot Of The Mountain konzentrieren sich Sänger Morten Harket, Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy und Bassist Magne Furuholmen nun wieder auf ihre Anfänge - und zwar ohne Kompromisse: Die Produzenten Roland Spremberg, Steve Osborne und Mark Saunders beamen A-HA mit einer Überdosis angestaubter Synthesizer-Klänge zurück in die 1980er. Man könnte fast meinen, es handele sich um ein verschollenes Album von damals. So klischeehaft klingt die musikalische Zeitreise.
Gleich der elektronische Opener The Bandstand erweist sich als Baukausten Nummer aus dem Handbuch für Synthie-Pop. Nach ähnlichem Strickmuster funktionieren Riding The Rest und What There Is: Plastik-Beat, simple Synthie Hookline und ein blubbernder Bass – dazu Harkets vertraute Stimme, versehen mit ganz viel Hall. Real Meaning hätte durchaus eine schöne Pop-Ballade werden können – ohne die penetrant scheppernden Computersounds im Hintergrund. In die Kategorie synthetisches Allerlei fällt auch der Titel Mother Nature Goes To Hell, der verdächtig nach Depeche Mode schmeckt. Auf die Tanzfläche bittet das stampfende, aber doch recht monotone Sunny Mystery, bevor das über fünfminütige Start The Simulator schließlich das schleppende Plätscherfinale einläutet.
Zuvor finden A-HA lediglich bei der bereits bekannten Single, der Ballade Shadowside und bei Nothing Is Keeping You Here einen akzeptablen Kompromiss: Hier halten sich die Synthesizer zurück und es sind tatsächlich ein paar echte Gitarren und Pianoakkorde auszumachen. Hinzu kommen eingängige Melodien, die perfekt ins kommerzielle Programm der Radiostationen passen.
Die oberste Spitze des Berges dürften A-HA mit Foot Of The Mountain damit nicht mehr erklimmen. Für eine kurzweilige Wanderung zur mittleren Aussichtsplattform reicht es aber durchaus noch. Der guten, alten 1980er willen.
Interpret: A-HA
Titel: Foot Of The Mountain
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?
Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Ich habe die Datenschutzbestimmungen gelesen und bin damit einverstanden!
URL : http://www.news.de/medien/1853/zurueck-in-die-1980er/1/
Schlagworte:

