«Ich könnte ja auch scheitern»
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 05.06.2009Es ist eine dieser Karrieren, auf die man staunend zurückblickt. Am Anfang stehen finanzielle Probleme, am Ende Weltruhm und 100 Millionen verkaufte Bücher. Ein Rückblick zum 60. Geburtstag des britischen Bestseller-Autors Ken Follett.
Eigentlich hat das Leben Ken Follett die Bücher geradezu aufgedrängt, aufgezwungen. Eine der Entscheidungen, die er nicht selbst treffen durfte. Kein Fernsehen, kein Kino, keine Popmusik - so die Anweisung seiner Eltern, aus religiösen Gründen. Was dem jungen Follett bleibt, ist das Lesen.
Nun gibt es auch da feine Unterschiede, und während sich so mancher Junge im Grundschulalter an verdauliche Kost hält, stürzt sich Follett bereits mit sieben Jahren auf H.G. Wells, später auf Ian Flemings James-Bond-Geschichten. «All das Lesen hat mir bei meinem Start als Autor sehr geholfen», erinnert er sich später. Heute feiert der britische Schriftsteller seinen 60. Geburtstag.
Zwar beginnt Folletts Karriere mit dem Schreiben, zufrieden aber ist er nicht nach seinem Studium der Philosophie. Sein Brot nämlich verdient er sich mehr schlecht als recht, bis 1973 als Reporter und Kolumnist für Rockmusik beim South Wales Echo in Cardiff, später bei den London Evening News. Und selbst die Arbeit als Chefredakteur in dem kleinen Londoner Buchverlag Everest Books bringt zu wenig Geld ein. Schulden dafür umso mehr.
Follett hat Talent, aber auch zwei Kinder mit seiner ersten Frau, die versorgt werden wollen. Ein immerhin ordentliches Einkommen kann er sich in den 1970ern jedoch mit Romanen erschreiben, unter Pseudonymen wie Symon Myles und Zachary Stone veröffentlicht er The Big Needle (1974) und The Modigliani Scandal (1976). Literarischer Erfolg aber sieht anders aus.
Wer heute Folletts Romane liest, mag sich wundern, dass der Durchbruch bis 1978 auf sich warten lässt. Erst Eye of the Needle (Die Nadel) lässt erahnen, womit Follett später zu Weltruhm kommen sollte: mit von der Kritik vor allem aus den USA umjubelten Thrillern. Und zehn Jahre später öffnet sich Follett einem zweiten Genre, dem historischen Roman, und setzt 1989 mit The Pillars of the Earth (Die Säulen der Erde) ein literarisches Zeichen.
Dabei ist das Thema des episch angelegten Romans um den Bau einer Kathedrale im mittelalterlichen England für Follett ein alter Bekannter, schon als Reporter der Evening News hat er sich damit beschäftigt. 14 Millionen Exemplare in 30 Sprachen werden verkauft, sechs Jahre alleine auf den deutschen Bestsellerlisten sind der Dank, finanzielle Sorglosigkeit die Beute. Derzeit wird das Werk verfilmt, 2010 soll es ins Fernsehen kommen.
Abseites der Literatur gibt es vor allem den politischen Ken Follett, engagiert für die Labour Party des ehemaligen Premierministers Tony Blair. Auch hier macht er Schlagzeilen, jedoch nur wenig positive. Nach der geglückten Regierungsübernahme ist es der Bruch zwischen Blair und Follett, den die Presse dankbar aufgreift. Privat allerdings ist auch dies ein wichtiger Schritt. Während einer Geldbeschaffungskampagne für die Partei lernt er seine zweite Frau kennen, die damalige Parteisekretärin Barbara Broer. Die Schlagzeilen aber bleiben, pünktlich zu seinem 60. ist auch Broer in die Spesenaffäre verwickelt, die derzeit einige Politiker auf der Insel ihr Amt kostet.
Follett aber ist auf dem Boden geblieben. «Ich habe immer gewusst, dass die Leute nicht mich lieben, sondern meine Arbeit», sagt er. «Und da ist jedes neue Buch schließlich eine neue Herausforderung, Verpflichtung und ein Risiko. Ich könnte ja auch scheitern.»
Sein Erfolg verdankt sich der Verbindung von großartigen Ideen mit präziser Recherche und einem soliden disziplinierten Schreibhandwerk. Für ein Buch braucht er im Schnitt zwei Jahre. Im ersten Jahr recherchiert und entwirft er das Gerüst. Dann schreibt er in sechs Monaten einen ersten Entwurf, den er in weiteren sechs Monaten überarbeitet. Struktur ist alles: «Ich warte nicht auf Inspirationen, wenn ich vor dem Computer sitze. Das Gerüst muss vorher stehen, denn ein Thriller muss so geschrieben sein, dass der Leser auf jeder Seite wissen will, wie es weitergeht.»
Und der Privatmensch Follett? Der lebt so, wie man sich einen echten Briten vorstellt - in einem alten Pfarrhaus in Hertfordshire. Standesgemäß unterhält er auch noch ein Stadthaus in London und ein Ferienhaus in der Karibik. Und dann diese Hobbys: Gutes Essen, Malt Whiskey und Autos der Marke Jaguar. Follett weiß zu leben, er weiß sich zu inszenieren.Und er weiß es, ein Massenpublikum mit Büchern zu begeistern, die alles andere sind als Massenware, in Genres, die kaum Fehler verzeihen. Darin hat Follett so etwas wie Perfektion erarbeitet. Allein das schon fordert einen gewissen Respekt.
news.de/iwi/dpa