Teurer Strom Der Preisexplosion ein Schnippchen schlagen

Der Strom der Zukunft
Wo es bei der Energiewende hapert

Die Öko-Umlage soll um knapp 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigen. Vielen Verbrauchern hilft da nur noch, Strom zu sparen. Wer das will, muss investieren oder sein Verhalten ändern - oder beides.

Die Verbraucher in Deutschland müssen im kommenden Jahr mit satten Strompreiserhöhungen rechnen. Die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigt um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde, wie die vier für die Verwaltung der Förderzahlungen zuständigen Übertragungsnetzbetreiber am Montag bestätigten.

Dies würde für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeuten, dass allein diese Zusatzkosten beim Strompreis von 125 auf knapp 185 Euro steigen - ohne Mehrwertsteuer. Ausnahmen von der EEG-Umlage gibt es für Privatleute nicht. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat deshalb einen schlichten Tipp für die Bürger parat: Strom sparen. Verbraucherzentralen sehen das ähnlich und empfehlen außerdem, nach einem günstigeren Tarif zu suchen.

Wechsel des Stromanbieters:

Die einschlägigen Internet-Verbraucherportale wie verivox.de, toptarif.de oder check24.de bieten einen kostenlosen Vergleich der verschiedenen Anbieter. Nutzer können ihren Wohnort und Stromverbrauch eintragen und sehen, wie viel Geld sie im Vergleich zum Grundversorger sparen können. In den allermeisten Fällen lohnt ein Wechsel.

Auf Wunsch gibt es auch Tarife mit 100 Prozent Ökostrom. Allerdings sollten die Verbraucher berücksichtigen, dass es gefährlich sein kann, einem neuen Anbieter zu viel Geld im Voraus zu bezahlen - im Falle einer Pleite wäre dies dann weg.

Sonderkündigungsrecht nutzen:

Stromkunden können sich in der Regel gegen steigende Strompreise wehren. Immer dann, wenn der Lieferant die Vertragsbedingungen einseitig ändert, greife ein Sonderkündigungsrecht, erklärt Horst-Ulrich Frank, Energieexperte der Neuen Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern. «Und der Preis ist eine wesentliche Vertragsbedingung.» Die Kündigung beim alten Anbieter sollte in jedem Fall schriftlich erfolgen.

Ein Wechsel des Stromanbieters mit Berufung auf das Sonderkündigungsrecht ist allerdings nicht immer möglich: In vielen Vertragsbedingungen sei eine Kündigung wegen steigender Steuern und Abgaben ausgeschlossen, erklärt Horst-Ulrich Frank. «Ob das auch in diesem Fall gilt, ist aber umstritten. Schließlich werden die erneuerbaren Energien über eine Umlage und nicht über Abgaben gefördert.»

Stromverbrauch am PC
Was Sie einsparen können

Stromfresser eliminieren:

Beim Energiesparen denken viele Verbraucher zuerst an elektrisches Licht. Aber da sind die Möglichkeiten schon recht gut ausgeschöpft, schließlich wurden die herkömmlichen Glühbirnen abgeschafft und in den Läden gibt es - fast - nur noch Energiesparlampen. Wer eine 60-Watt-Glühlampe gegen eine 11-Watt-Energiesparlampe austauscht, könne bei einer Brenndauer von täglich drei Stunden den Stromverbrauch um 52 Kilowattstunden pro Jahr senken.

Energieexpertin Elisabeth Benecke von der Verbraucherzentrale Hessen rät dazu, die nicht so offensichtlichen Stromverbraucher ins Visier zu nehmen. So ließe sich in vielen Haushalten mit einer besseren Einstellung der Heizungspumpe oder des elektrischen Warmwasserbereiters viel Strom sparen. Recht einfach ist es demnach auch, Geräte nicht im Stand-by-Modus zu betreiben, sondern ganz auszuschalten.

In neue Technik investieren:

Erste Anschaffung ist daher eine Steckerleiste mit Kippschalter. Dort können alle Geräte eingesteckt werden, die immer auf Stand-by stehen. Sie lassen sich dann mit einem Griff abschalten. «Das sind so Sachen, die immer noch nicht gang und gäbe sind», erklärt Benecke. So könnten pro Haushalt allein durch Stand-by-Geräte 500 Kilowattstunden Strom im Jahr verloren gehen.

Lohnenswert sind auch LED-Lampen, deren Anschaffungskosten sich jedoch erst nach Monaten bezahlt machen. Nicht zuletzt zahlt sich aus, ältere Haushaltsgeräte auszutauschen, allerdings nur dann, wenn die Kunden beim Neukauf auf den Energieverbrauch achten.

Geräte nur anschalten, wenn sie gebraucht werden:

Fernseher etwa dienen nach Erfahrung der Verbraucherzentralen oft als «modernes Lagerfeuer». Das Programm läuft, aber niemand schaut hin. Auch Radios dudeln häufig, ohne dass jemand zuhört. Aufladegeräte vom Netz ziehen, wenn sie nicht verwendet werden. Auch sollte man Geräte nur so lange laden, bis die Akkus voll sind. Jede Minute länger ist Stromverschwendung.

Geräte optimal nutzen:

Wer nur einen halben Liter kochendes Wasser braucht, aber zwei Liter in seinem Kocher erhitzt, verbraucht unnötig Strom. Auch Spül- und Waschmaschinen sollten nur voll eingeschaltet werden. Außerdem wird oft zu heiß gewaschen. Fast jede Wäsche werde bei 30 und 40 Grad sauber. Statt in den Trockner, kommt sie danach am besten an die Leine - das kostet den Haushalt im Jahr 300 Kilowattstunden weniger.

Die Verbraucherzentralen raten zudem, zu überlegen, ob der Kühlschrank einen optimalen Standort hat. Direkt neben Wärmequellen wie Herd, Spülmaschine oder Heizkörpern verbrauchen Kühlgeräte mehr Energie. Auch direkte Sonneneinstrahlung sei schlecht. Wird die Temperatur im Raum um 1 Grad gesenkt, verbrauchen Kühlgeräte 6 Prozent und Gefriertruhen 3 Prozent weniger Strom. Die optimale Innentemperatur des Kühlschrank liegt bei 7 Grad, bei Gefriergeräten um 18 Grad. Sie sollten regelmäßig abgetaut werden - auch das hilft beim Stromsparen.

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Studie beweist
Versorger kassieren zu viel für Strom
Video: dpaafx

zij/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • soso
  • Kommentar 1
  • 18.10.2012 12:33

Wenn die Leute mehr sparen, gehen den Versorgern und dem Staat grundsätzlich Einnahmen "verloren", also wird der Strom wieder teurer werden. Man kann noch so viel sparen, die holen sich ihr Geld. Allerdings werden die Erhöhungen als Umlage oder Abgabe usw...beschrieben. Neue Geräte kosten nun mal was doch oft werden sie überteuert verkauft, das sieht man auch an der relativ kurzen Lebensspanne.

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