«Miese Chefs» Tyrannisieren Sie ihre Mitarbeiter wie Dracula!

Runterputzen, verunsichern, leiden lassen – und dann feuern: Wer zielsicher zum erfolgreichen Graf Dracula seiner Firma aufsteigen will, sollte sich dringend Dan Whites Lehrbuch für tyrannische Chefs zu Gemüte führen. Doch White wagt einen Drahtseilakt. Eigentlich will er mit Miese Chefs nämlich gute Chefs produzieren.

Fiktion und Wirklichkeit: Lieber arbeitslos als so ein Boss

Die Zeit der väterlichen Firmenpatriarchen ist vorbei. Das alte Unternehmensidyll, in dem der Chef sich für seine Angestellten und deren Familie aufopfert und Gewinne großzügig verteilt, ging mit dem 20. Jahrhundert unter. Aber seien wir mal ehrlich, eigentlich waren die alten Patriarchen doch auch nur Tyrannen, die dem Volk ab und zu ein Bonbon zuwarfen und ein Leben lang ihre Frau betrogen.

Weil diese zwiespältige Gabe heutigen Aufsteigerchefs nicht mehr in die Wiege gelegt ist, müssen sie sich in lästigen Führungskräfteseminaren stählen. Dan White gibt solche Seminare, doch jetzt hat er auch ein Buch geschrieben – und das ist ihm gar nicht leicht gefallen. Weil zerstören leichter ist als aufbauen, entschloss er sich schließlich, von hinten durch die Brust ins Knie zu zielen und nannte sein Buch: Miese Chefs – Die Tricks der Tyrannen am Arbeitsplatz.

«Undercover Boss» auf RTL: Wenn Chefs an die Basis gehen

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Indem er über 300 Seiten ausbreitet, wie man zum hassenswerten Tyrannen wird, möchte Dan White den Leser eigentlich anregen, genau das Gegenteil zu tun. Alles klar?

Mitarbeiterführung à la Vlad Dracula

Auf den ersten Blick ist es denn auch total abstrus, was White als Crashkurs für tyrannische Herrscher vorschlägt. Die Methoden Iwans des Schrecklichen, Stalins blutiger Machtkampf gegen Trotzki, sein Bericht über die Pfählwut des Vlad von Dracula oder der blutrünstige Zerstörungswahn des Dschingis Khan sind nur bedingt zielführend, gehören als lehrreicher Exkurs in die Weltgeschichte dennoch zu den stärkeren Passagen des Buches.

Wenn White dann allerdings zur Implantierung der Tyrannei ins Berufsleben übergeht, fällt auf: Diese Mechanismen sind ja gang und gäbe in den Betrieben von heute! Mitarbeiter über die wahren Motive im Unklaren lassen, Ansagen willkürlich ändern oder Projekte abservieren, wenn sie gerade umgesetzt sind, wer kennt das nicht.

Sehen Sie selbst, ob Ihnen ein paar von Dan Whites fiesen Tyrannen-Tricks nicht bekannt vorkommen:

Gratiskaffee bombardiert die Stimmung

Ein Tyrann setzt Grind-Ziele statt SmartSMART steht für Zielsetzungen im Projektmanagement. Die Buchstaben bedeuten: Spezifisch - Messbar - Akzeptiert - Realistisch - Terminierbar -Ziele. GR für Groß, praktisch unerreichbar. I für inkohärent, also schwer zu fassen. N für Nutznießer – Sie sollen von allem profitieren, was Ihre Untergebenen erreichen. Und D für diskutabel, also interpretierbar. Ein Tyrann kauft sich einen Leoparden. Und ein Tyrann schreckt auch nicht davor zurück, die Gegebenheiten am Arbeitsplatz ein wenig anzupassen: Weniger Sauerstoff im Belüftungssystem, und Gratiskaffee, während das Wasser Geld kostet, weil der Koffeinüberschuss jähzornig und mürrisch macht. Noch dazu ist White so abgedreht, uns einen Fragebogen vorzusetzen, bei dem nur Antworten wie «Sie folgen ihm nach Hause und ermorden ihn und seine Familie» zum Erfolg führen.

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Was daherkommt wie eine herrliche Spinnerei, ist jedoch um eine Ecke zu viel gedacht. Einerseits soll es absurd sein und Spaß machen, hintergründig deckt es die tatsächlichen Zustände auf – und dann will Miese Chefs ja auch noch ein echter Ratgeber sein. Das muss man als Leser erst mal verdauen, und so manche Plauderei hätte sich White doch besser für seine Führungskräftekurse aufgespart. 150 Seiten weniger hätten es auch getan.

Was Whites Wälzer rettet, ist sein Humor, denn eine bessere Grundlage für erfolgreiche Führungsarbeit gibt es wahrscheinlich nicht. Und weil White selbst auf Seite 269 der Gedanke überkommt, dass er möglicherweise den einen oder anderen Leser geprellt haben könnte, liefert er auf den letzten 25 Seiten komprimiert die Umkehrung seiner Tyrannen-Regeln. So können wir uns dann wenigstens den Kauf des echten Führungskräfte-Ratgebers sparen, den Dan White bereits angedroht hat.

Bestes Zitat: «Machen Sie sich selbst niemals einen Kaffee!»

Autor: Dan White
Titel: Miese Chefs - die Tricks der Tyrannen am Arbeitsplatz
Verlag: Ariston
Umfang: 304 Seiten
Preis: 16,99 Euro

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jag/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 11.09.2012 13:31
Antwort auf Kommentar 2

Die Kritik an SEINEN Analysen zur Unternehmenskultur u Hierarchie ist unangemessen. Wenn Unternehmen u Unternehmensumwelt nicht ausdifferenziert werden, ist kein Urteil über Chef-Mitarbeiter-Beziehungen möglich. Billig ist dann von Tyrannis zu sprechen. Möglicherweise ist damit das Zerrbild von Unternehmen der Niedrigleistung angesprochen. Dort handelt es sich um unqualifizierte Mitarbeiter. Diese spüren den sog. Druck der Unternehmensführung nicht, sie verlangen ihn. Im Übrigen ist der Niedriglohnsektor durch hohe Fluktuation ausgezeichnet. Tyrannis ist dort ebenfalls keine Chefsache.

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  • Dori
  • Kommentar 2
  • 11.09.2012 11:57
Antwort auf Kommentar 1

Dieser Text liest sich wie etwas aus dem Bullshit-Generator. Im Übrgen muss ich widersprechen, denn laut einer Untersuchung des Institutes für zeitgemäße Insubordination legitimiert die Technisierung der Gewinnewarnung ein System der additiv neuen Ursächlichkeit und übermittelt überwiegend ein grenzwertig System in Wohlklang mit der Segregation der Finanzgebarung.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 1
  • 10.09.2012 18:37

Was ist das für ein Unsinn: Patriarch gegen Tyrann? Auf dieser Unterscheidung basiert die gekonnte Organisation des marktwirtschaftlichen Unternehmenssystems nicht. Vielmehr muss ein Unternehmen eine Außen-/Innenstruktur aufbauen, in der Chef und Mitarbeiter vorbildliche Leistungen für das Unternehmensziel erbringen. Elite kontra Hierarchie. Geformt wird Unternehmensstabilität, Wachstum und kaufmännisches Resultat. Anders gewendet, Sachziele und Resultatsverantwortung bilden die unternehmerische Motivation von Unternehmer u Mitarbeiter. Nur so gibt es Unternehmen mit kapitaler Struktur.

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