Neue Studie Übergewichtige haben es im Job schwerer

Wer überflüssige Pfunde mit sich herumschleppt, hat größere Probleme, bei Jobbewerbungen zu überzeugen. Außerdem werden die Fähigkeiten dicker Bewerber von Personalern maßlos unterschätzt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Tübinger Wissenschaftlern.

Das Berufsleben ist für Übergewichtige härter als für schlanke Personen - das enthüllt eine neue Studie der Universität Tübingen. Demnach sind Personaler zögerlicher, wenn es darum geht, dicken Bewerbern einen Job zu geben. Außerdem müssen übergewichtige Arbeitnehmer häufiger als ihre schlanken Kollegen erleben, dass ihre Fähigkeiten unterschätzt werden.

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Dicke Frauen am stärksten diskriminiert

Für die Studie, die ein interdisziplinäres Team um Psychologin Katrin Giel durchführte, wurden 127 Personalentscheider mit langjähriger Berufserfahrung gebeten, Fotos von potenziellen Bewerbern zu bewerten. Den Personalern wurden anschließend Fragen zu den Kandidaten gestellt.

Dabei stellte das Wissenschaftlerteam fest, dass die Vorbehalte gegen übergewichtige Bewerberinnen am stärksten waren. Fazit der Wissenschaftler um Katrin Giel: Überdurchschnittliche Leibesfülle führt im Berufsleben häufiger zu Diskriminierung und gar Stigmatisierung als bisher gedacht. Folgerichtige Empfehlung der Forschungsgruppe im Fachmagazin BMC Public Health: Bei der Jobsuche sollte auf Bewerbungsfotos verzichtet werden, damit die Chancengleichheit der Bewerber nicht gefährdet werde. Obwohl Bewerbungsfotos zum Standard gehören, sind sie in Deutschland nicht vorgeschrieben - das regelt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

Standardisierte Fotos enthüllten Vorbehalte

Die fingierten Bewerberfotos, die den Personalern in der Studie vorgelegt wurden, zeigten jeweils sechs weibliche und sechs männliche Personen. Vier der potenziellen Bewerber waren stark übergewichtig, vier der normalgewichtigen Personen hatten einen Migrationshintergrund. Mit dieser Mischung wollte das Wissenschaftlerteam das Hauptaugenmerk vom Körpergewicht weg lenken.

Als erste Aufgabe hatten die Personalentscheider den einzelnen Personen Berufsgruppen zuzuordnen, zur Wahl standen neben Einzelhändler, Optiker und Reinigungskraft auch Tätigkeiten als Pförtner, Arzt und Architekt. Im nächsten Schritt sollte angegeben werden, welche der Bewerber keinesfalls eine Jobzusage bekommen würden. Der letzte Test im Rahmen der Studie bestand aus der Aufgabe, jene drei Kandidaten auszuwählen, die für einen Job als Abteilungsleiter geeignet erschienen.

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Personaler diskriminieren drastischer als gedacht

Die Ergebnisse der Studie sprechen eine klare Sprache: Die übergewichtigen Bewerber, vor allem die weiblichen, waren in allen drei Tests auf der Verliererseite. Lediglich zwei Prozent der Personaler trauten den übergewichtigen Kandidatinnen zu, in angesehenen Berufen wie Ärztin oder Architektin zu arbeiten. Den normalgewichtigen Bewerberinnen attestierte fast die Hälfte der Personaler das Zeug zu einem prestigeträchtigen Job.

Der Studie zufolge sind übergewichtige Arbeitnehmerinnen zudem nur für sechs Prozent der Personaler die ideale Besetzung des Abteilungsleiterpostens, während mehr als zwei Dritter der Entscheider einer normalgewichtigen Frau eine Führungsposition anbieten würden. Schwacher Trost: Dicke Männer müssen im Jobleben mit ähnlichen Vorurteilen kämpfen, wenn auch weniger stark als Frauen.

Diskriminierung animiert nicht zu Diäten

Wer meint, die Bevorzugung schlanker Jobbewerber sporne Übergewichtige an, ihr Figurproblem mit Sport und Diäten anzugehen, wird eines Besseren belehrt: Bereits mehrere Studien zeigten, dass sich übergewichtige Arbeitnehmer eher mit Frustessen trösten und von sportlicher Betätigung Abstand nehmen. Nicht zuletzt deshalb appelliert das Wissenschaftlerteam aus Tübingen, der Diskriminierung aufgrund des Körpergewichtes entschieden entgegenzutreten.

Der Verzicht auf Porträtfotos in den Bewerbungsunterlagen sei ein Schritt, um übergewichtigen Bewerbern eine bessere Chance auf ein Bewerbungsgespräch und einen Arbeitsplatz zu geben. In den Vereinigten Staaten und Großbritannien gehören Bewerbungsfotos übrigens schon länger nicht mehr in eine Bewerbungsmappe.

loc/ham/news.de/dapd

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