Nebenkostenabrechnung Hier sollten Mieter genau hinschauen

Pro Jahr flattern insgesamt rund 30 Millionen Nebenkostenabrechnungen in die Briefkästen deutscher Mieter. Einige mögen sich an die fälligen Nachzahlungen aufgrund steigender Energiepreise bereits gewöhnt haben - trotzdem lohnt es sich, jede Abrechnung genau zu prüfen.

Zu der monatlich fälligen Kaltmiete - also dem Preis für die Nutzung der Wohnfläche - addieren sich verschiedene Gebühren, zum Beispiel für die Müllabfuhr, die Hausreinigung, die Wartung eines Aufzugs und die Grundsteuer. Zusammengefasst bilden die Nebenkosten eine Summe der Aufwendungen, die der Vermieter zahlt, um das Haus in gutem Zustand zu halten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Mieter für jeden Posten zur Kasse gebeten werden dürfen. Ein prüfender Blick auf die Nebenkostenabrechnung ist deshalb empfehlenswert.

Experten für Mietrecht geben zu bedenken, dass eine Nebenkostenabrechnung bestimmte Standards erfüllen muss, um wirksam zu sein. So darf sie höchstens ein Kalenderjahr umfassen und muss dem Mieter innerhalb von zwölf Monaten, nachdem der Abrechnungszeitraum vergangen ist, zugestellt werden. Falls die einzelnen Posten nicht nachvollziehbar und eindeutig aufgeschlüsselt sind, ist die Abrechnung nicht wirksam.

Auch wenn es Mühe macht: Oft lohnt es sich, die einzelnen Kosten auf Korrektheit zu kontrollieren, rät der Mieterschutzbund. Manchmal ist der Verteilerschlüssel, der im Mietvertrag vereinbart werden kann, falsch angegeben - ein prüfender Blick verschafft Klarheit. Posten für Heizung und Warmwasser hat der Vermieter je nach Verbrauch zwischen 50 und 70 Prozent abzurechnen, der Rest wird über die Wohnfläche verrechnet. Die anderen Nebenkosten dürfen pro Mieter oder nach Mietfläche umgelegt werden. Sind in allen Mieteinheiten Zähler für Wasser und Abwasser installiert, werden diese Posten nach Verbrauch verrechnet.

Es dürfen auch lediglich Leistungen in Rechnung gestellt werden, die tatsächlich am Mietobjekt ausgeführt wurden. So macht beispielsweise die Grünflächenpflege in der Betriebskostenabrechnung wenig Sinn, wenn das Mietshaus nur einen betonierten Innenhof hat.

Jeder Posten der Nebenkostenabrechnung muss umlagefähig sein - ob das der Fall ist, können Mieter mit einem Blick in den Paragraf 2 der Betriebskostenverordnung prüfen. In jedem Mietshaus sind Kosten für Heizung und Warmwasser üblich, daneben gibt es 14 geläufige kalte Posten. Gut nachvollziehbar sind Betriebskosten für Gebäudeversicherung, Wasserversorgung, Straßenreinigung und Gartenpflege. Lediglich der Abschnitt «Sonstige Betriebskosten» ist vage formuliert - was darunter zusammengefasst ist, unterscheidet sich je nach Mietobjekt. Abgerechnet werden dürfen jedoch nur Aufwendungen, die im und ums Haus laufend entstehen und entsprechend im Mietvertrag niedergeschrieben sind.

Bei ungewöhnlich hoch angesetzten Posten haben Mieter das Recht, vom Vermieter Einsicht in die Originalbelege zu fordern. Sind die Einwände des Mieters berechtigt, darf die Nachzahlung der Nebenkosten auch verweigert werden.

loc/ham/news.de/dpa

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • hvn
  • Kommentar 3
  • 11.09.2012 18:58

Der letzte Satz "Sind die Einwände des Mieters berechtigt, darf die Nachzahlung der Nebenkosten auch verweigert werden." trifft nicht zu. Die Autorin K. Fischer hat am 29.4.12 auf news.de richtiger formuliert: (Mieter ...) können dann die Nebenkostennachzahlung um die ungeklärte Position kürzen oder die gesamte Rechnung erst einmal «unter Vorbehalt» bezahlen.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 2
  • 11.09.2012 15:57

Wer schützt die Vermieter? Diese schaffen für Hunderttausende Euro Wohnraum, besser Wohlfühlraum, um dann teilweise von asozialen Mietern um ihr Eigentum gebracht zu werden. Mietnomaden zerstören die Wohnung und Experten machen die Betriebskosten zu Posten der Vermieter. Vermieten ist die Hölle! Das liegt am Gesetzgeber, der auch das Pack fördert. Das Gesetz selbst ist rechtswidrig. Das politische Denken der Sozialdemokraten muss endlich auf die Müllkippe der Geschichte geworfen werden. Der Missbrauch der Mietermacht muss gebrochen werden. R fordert: Lasst Wohnungen leer stehen.

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  • Thoralf Obst
  • Kommentar 1
  • 11.09.2012 13:43

Mieter haben nicht nur bei ungewöhnlich hoch angesetzten Posten sondern immer das Recht Belege einzusehen, das kann man auch hier http://www.nebenkostenabrechnung-pruefen.org/belegeinsicht/ nachlesen.

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