Handel Vermieter der Schlecker-Filialen sollen Schließung selbst zahlen

Hamburg/München - Nun bekommen die Vermieter der früheren Schlecker-Filialen die Insolvenz der Drogeriekette zu spüren: Sie müssen die Kosten für die Schließung voraussichtlich selbst tragen.

Vermieter der Schlecker-Filialen sollen Schließung selbst zahlen (Foto)
Vermieter der Schlecker-Filialen sollen Schließung selbst zahlen Bild: dpa

Die Kanzlei von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz habe Anfang Juli sämtlichen Vermietern der gut 3000 Filialen mit einer Frist von drei Monaten gekündigt, die Mietzahlungen allerdings in vielen Fällen sofort eingestellt, berichtete der «Spiegel». Zudem habe Geiwitz mitgeteilt, dass die Räumung der Läden auf Kosten der Vermieter zu erfolgen habe. Nach Hochrechnungen von Vermietern dürften sich die gesamten Verluste auf mehr als 16 Millionen Euro addieren.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters teilte am Sonntag mit, dass Vermieter gegenüber dem schuldnerischen Unternehmen Anspruch auf Herausgabe der Immobilie nach Ablauf der Kündigungsfrist hätten. Räumung und Herstellung des vertragsgemäßen Zustands seien aber davon unabhängige Insolvenzforderungen. «Eine Räumung durch den Insolvenzverwalter wäre nach Insolvenzrecht nur vertretbar gewesen, wenn die Insolvenzmasse hieraus einen Vorteil erzielt hätte.» Dies sei bei der hohen Zahl der Räumungen und den verbundenen Kosten nicht zu erwarten gewesen, hieß es mit Blick etwa auf Lagerkapazitäten und Logistik. «Daher konnte keine Räumung des Inventars erfolgen.»

Ladeneinrichtung oder elektrische Installationen müssten eigenständig entsorgt werden, berichtete der «Spiegel» weiter. Da für viele Geschäfte die Schlüssel nicht mehr auffindbar seien, sollten die Vermieter «sich selbst den Zugang zur Filiale verschaffen», indem sie auf eigene Kosten die Schlösser aufbrechen und austauschen, zitiert das Blatt aus einem Brief von Geiwitz. Die Kosten für Räumung und Austausch der Schlösser könnten zwar als Insolvenzforderung angemeldet werden - man gehe aber «tendenziell eher davon aus, dass die einfachen Insolvenzgläubiger (...) nicht mit einer erheblichen Quote für die Forderungen rechnen können», schreibt Geiwitz demnach.

Der Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte, dass dieser den Vermietern ermöglicht habe, das Inventar selbst zu verkaufen. «Wir reden hier nicht nur von 20 Jahre alten Regalen.» Auch technisches Equipment wie Kassen und Monitore zähle dazu. Der Netto-Erlös sei mit den rückständigen Mieten zu verrechnen. «Um die Veräußerung zu erleichtern, hatte die Insolvenzverwaltung Vermietern auch Adressen und Kontakte interessierter Verwerter und Räumungsunternehmen, vermittelt, wenn diese überregional tätig waren.»

Unterdessen berichtete das Magazin «Focus» am Wochenende, dass die Drogeriekette Schlecker im letzten Monats ihres Bestehens noch einmal kräftig Kunden angelockt habe. 5,1 Millionen Käufer seien im Juni gekommen, schreibt der «Focus» unter Berufung auf Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die diese bereits Ende Juli veröffentlicht hatte. Die Experten der GfK gehen weiter davon aus, dass sich Supermärkte (29 Prozent), Discounter (30 Prozent) und die anderen Drogeriemärkte (33 Prozent) den Milliarden-Umsatz mit Deo, Toilettenpapier und Shampoo zu fast gleichen Teilen sichern dürften. Auch diese Zahlen waren bereits zuvor bekannt.

Kurzfassung des «Spiegel»-Berichts

news.de/dpa

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